Hohenkirchen - Eigentlich ging es nur noch um Detailfragen, der Vertrag mit der Helma Ferienimmobilien GmbH war schon unterschriftsreif. Und dann das – der Investor hatte sein Angebot für den Kauf der Rundinsel im Wangermeer bei Hohenkirchen zurückgezogen. Kein Wunder also, dass die Rundinsel für Gesprächsstoff in der letzten Ratssitzung vor der großen Sommerpause sorgte. Denn im Rat gab es durchaus unterschiedliche Meinungen darüber, wie man jetzt weiter vorgehen sollte. So ist man sich in der Gruppe Gemeinsam fürs Wangerland (GfW) aus CDU, Grüne und FDP über die Vorgehensweise nicht ganz einig.
Rundinsel neu denken
„Ich habe angesichts der Lage auf dem Kapitalmarkt und dem Problem bei der Beschaffung von Materialien große Bedenken, ob ein Investor ein Vorhaben wie das Projekt Rundinsel überhaupt umsetzten kann“, sagte beispielsweise die CDU-Fraktionsvorsitzende Alice Brandenburg-Bienek. Sie befürchtet im schlimmsten Fall eine Bauruine, sollte der Investor angesichts der Lage zum Beispiel insolvent gehen. „Wir müssen das Risiko für die Gemeinde so gering wie möglich halten und die Rundinsel ganz neu denken“, sagte Brandenburg-Bienek.
Liste abarbeiten
Die schwierige Beschaffungssituation für Materialien sieht Horst David von den Freien Bürgern nicht: „Das wird sich in den kommenden Jahren, bis es soweit ist, auch wieder normalisiert haben.“ Reiner Tammen (Grüne) hob derweil das transparente Verfahren bei der Auswahl und Bewertung der eingereichten Konzepte hervor und plädierte dafür, die Liste der weiteren Interessenten jetzt einfach abzuarbeiten. Eine ähnliche Vorgehensweise hält auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Holger Ulfers für die richtige. „Alle Bewerbe haben die Zeitenwende mitbekommen. Eine Neubewertung kostet uns jetzt nur Zeit und schlecht waren die Konzepte alle nicht.“
Für Horumersiel-Schillig stimmte der Rat bei fünf Gegenstimmen für die 121. Änderung des Flächennutzungsplans und für die Änderung des Bebauungsplans Nr. II/7a. Hier geht es um ein Vorhaben der Wangerland Touristik GmbH (WTG), auf einem strandnahen Areal mobile Bungalows aufzustellen. Wie schon in der Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses kritisierten einzelne Vertreter von Pro Wangerland und UWW, dass die WTG hier ins Vermietungsgeschäft einsteige und somit in direkte Konkurrenz zu gewerblichen Vermietern trete. Bürgermeister Mario Szlezak allerdings betonte, dass es hier erstmal nur um die Schaffung des Baurechts gehe und noch nicht um die Frage, ob die WTG als Vermieter auftrete.
Der Leuchtturm „Roter Sand“ zwischen Bremerhaven und Helgoland soll auch weiterhin nach Ansicht des Bürgermeisters ins Wangerland versetzt werden. „Das ist kein April-Scherz“, betonte Szlezak und warb für dieses im wahrsten Sinne des Wortes touristische „Leuchtturmprojekt“ für die Gemeinde.
Einen Appell für mehr Eigenverantwortung beim Beseitigen von Grünzeug richtete der Bürgermeister an die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde. „Der Bauhof ist natürlich bemüht, alle Wege freizuhalten, kommt aber auch nicht immer hinterher. Wenn jeder mal den Besen in die Hand nimmt, schaffen wir das auch gemeinsam“, ist Szlezak überzeugt.
Dem widersprach Immo Müller (UWW). „Wir können jetzt nicht einfach die Liste der Reihenfolge nach abarbeiten. Immerhin hat die Mehrheit des Rates eben nicht für den Zweitplatzierten gestimmt“, argumentierte er. Außerdem müsse man auch anderen Interessenten, die es augenscheinlich gebe, die Chance geben, ihre Konzepte vorzustellen. „Das allerdings zügig“, betonte Müller.
Dieter Schäfermeier, Fraktionsvorsitzender von Pro Wangerland warb dafür, erstmal die Gespräche mit den bisherigen Interessenten und deren Bewertung der aktuellen Situation abzuwarten. „Ich kann aber durchaus beide Seiten verstehen.“
Weitere Interessenten
Insgesamt gab es damals fünf Interessenten, die jeweils ein Konzept vorgelegt haben. Den Zuschlag erhielt damals die Helma Ferienimmobilien GmbH. Mittlerweile sind zwei der vier verbliebenen Interessenten wieder abgesprungen, zwei weitere haben noch Interesse, das sind: Dirk Blech aus Esens mit Partnern und eine Gruppe aus Einheimischen um Reinhard Thomssen.
Dass es noch zwei neue Interessenten für den Kauf der Rundinsel gibt, bestätigte indes Bürgermeister Mario Szlezak (SPD). Ob man sich die eingereichten Konzepte dann noch einmal genauer ansehen wird und in die Entscheidungsfindung mit einbezieht, müsse der Rat entscheiden. Dieser soll in zwei bis drei Wochen zu einer Sondersitzung zusammenkommen und sich dem Thema noch einmal widmen. „Bis dahin werden wir erstmal mit den zwei noch verbliebenen Interessenten sprechen. Grundsätzlich ist das Interesse noch da“, versichert Bürgermeister Szlezak.
