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Tüftler in Sande aktiv Mit Technik, Ohr und Uhu verscheucht er Saatkrähen

Rahel Wolf

Sande/Norden - Saatkrähen sind intelligent. Um sie zu überlisten, braucht es deutlich mehr als ein paar akustische Signale und eine Fressfeindattrappe. Tüftler und Techniker Helmut Pieper aus Norden hat sich die Vergrämung der geschützten Vögel gemäß EU-Naturschutzrichtlinie zur Aufgabe gemacht.

„Das geht mit einem ordentlichen Krimi mit Täter, Opfern und Drehbuch“, erklärt der 51-Jährige und hält eine Uhu-Attrappe in die Höhe. Der Plastikvogel ist mit Federn beklebt und wird in der Dämmerung auf einen Pfahl im Krähengebiet gesetzt. Das ist der Täter und damit der Antagonist im Krimi-Drehbuch.

Bundesweit einmaliges Pilotprojekt

Noch im Frühjahr 2020 gab es auf dem Gelände des Nordwest-Krankenhauses Sanderbusch eine Saatkrähenkolonie mit 230 Nestern. Dann rückte Pieper an und startete die Vergrämung. Ende März waren nur noch knapp 50 Nester zu finden.

Die Anzahl hat sich laut Landkreis bisher nicht wieder vergrößert, auch im Februar 2021 sind nicht mehr Nester gezählt worden. Nun wird rund um die Grundschule Sande vergrämt. Die Vergrämungsmaßnahmen dürfen bis zur ersten Eiablage Ende März erfolgen.

Bei der Vergrämung der streng geschützten Saatkrähen handelt es sich um ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt, das in den kommenden drei Jahren von Helmut Pieper und dem Landkreis Friesland fortgeführt wird.

Die Vergrämung mit den Methoden von Helmut Pieper wird flankiert von direkten Vergrämungsmaßnahmen wie Nestentnahme und Rückschnitte im Rahmen der gesetzlichen Schutzvorgaben.Ziel ist die Ansiedlung der Vögel am Sander See – dort gibt es schon Saatkrähenkolonien. Wichtig sei, so Pieper, nicht zu viel Vergrämungsdruck aufzubauen, um Splitterkolonien zu vermeiden. Sonst spiele man Pingpong mit den Krähen.

Der Uhu soll jetzt auch rund um die Grundschule in Sande zum Einsatz kommen. Dort haben Pieper als Mitglied der Umweltschutzagentur und die Untere Naturschutz des Landkreises Friesland 45 Saatkrähen-Nester gezählt.

Anlage belauscht Vögel

Zum Uhu gehört eine von Pieper selbst gebastelte Anlage. Die wird mit einer Autobatterie betrieben, belauscht die Krähenpopulation und gibt Warnlaute der Saatkrähen und Rufe von Erzfeinden wie Uhu, Fuchs oder Waschbär von sich. „Die Lautsprecher sind auch getarnt. Wenn genug Saatkrähen in der Nähe sind, dann ertönt alle 9 Sekunden der Ruf des Uhu“, erklärt Pieper. „Der Uhu ruft ,Das ist jetzt mein Revier, hier wohne ich‘.“

Der richtige Warnruf

Hinzu kommt dann ein Warnruf der Saatkrähe, also der Protagonisten, der vor Gefahr warnt und die anderen Vögel zum Abflug bewegt. „An diesen Warnrufen habe ich ziemlich lange gefeilt, die klingen nämlich alle ähnlich. So gibt es in der Krähensprache einen, der bedeutet ,Hilfe, kommt alle her‘“, sagt Pieper. Der sei natürlich kontraproduktiv, weil er die Tiere anlockt statt sie zu vertreiben. „Hören die Altkrähen aber stattdessen den richtigen Ruf und glauben mein Schauspiel mit dem Erzfeind, dann kann man wunderbar beobachten, wie sie die jüngeren Vögel im Schwarm umleiten“, sagt Pieper.

Was jetzt ein bisschen gaga klingt, hat aber ganz offensichtlich Erfolg. Denn mit seinen Methoden hat Pieper die Krähenpopulation auf dem Gelände des Nordwest-Krankenhauses Sanderbusch massiv reduzieren können (siehe Infobox).


Der Landkreis versucht seit Jahren, die streng geschützten Saatkrähen vom Krankenhaus-Gelände zu vertreiben – indem im Frühjahr Nester aus den Bäumen entfernt und Krähenklatschen angebracht wurden. Die Saatkrähen sollen an den Sander See umziehen – dort gibt es bereits Saatkrähen-Kolonien und die Tiere stören nicht.

Piepers Wissen über die Saatkrähen entspringt übrigens einem Zufall: Er kaufte ein Haus, das am Rand einer Saatkrähenkolonie lag. Ganz unfreiwillig wurde Pieper so Nachbar der Saatkrähe und beschäftigte sich alsbald mit ihrer Vergrämung. „Und zwar von der technischen Seite her“, erklärt er. Denn Pieper ist eben Tüftler und kein Biologe.

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