Sanderbusch - Zwei Jahre lang zeigten sich die Saatkrähen von Sanderbusch beeindruckt von der Ansprache – und bauten ihre Nester woanders. Im Frühjahr 2020 und 2021 hatte Helmut Pieper aus Norden im Auftrag des Landkreises auf dem Gelände des Nordwest-Krankenhauses eine Menge Technik aufgebaut.
Tierattrappen wie Fuchs und Uhu, Waschbär und Marder sandten Warnlaute aus, um den Saatkrähen deutlich zu machen: „Baut hier besser keine Nester.“
„Ansprache“ wirkte
Und das wirkte. Fast drei Viertel der Saatkrähen-Paare in Sanderbusch suchten sich neue Bäume für ihre Nester. Doch das eigentlich auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt ist nach zwei Jahren beendet: Tüftler Pieper wollte nicht mehr, berichtete Jens Eden vom Fachbereich Umwelt des Landkreises am Dienstag im Fachausschuss.
Es war als dreijähriges Pilotprojekt geplant, doch endete es schon nach zwei Jahren: Noch im Frühjahr 2020 gab es auf dem Gelände des Nordwest-Krankenhauses Sanderbusch eine Saatkrähenkolonie mit 230 Nestern. Dann rückte Helmut Pieper an und startete die Vergrämung. Ende März waren nur noch 50 Nester zu finden. 2021 fand die Vergrämung verkürzt statt – nachdem im Februar ebenfalls nur knapp 50 Nester gezählt worden waren, steigerte sich die Zahl auf 138 im April, berichtete Jens Eden vom Fachbereich Umwelt des Landkreises. Danach beendete Helmut Pieper die Zusammenarbeit mit dem Landkreis – Eden nannte keine Gründe.
Bei der Vergrämung hatte Pieper selbst entwickelte Tierattrappen eingesetzt – Fuchs, Waschbär, tote Krähe und Uhu; alle sendeten Warnsignale in „Saatkrähensprache“. Flankiert wurde Piepers Methode von der Entnahme von Nestern aus Bäumen und Rückschnitt der Kronen. Ziel ist die Ansiedlung der Vögel am Sander See – dort gibt es schon Saatkrähenkolonien.
Das Problem an den Vögeln ist vor allem ihre Lautstärke und ihr Kot: Nordwest-Krankenhaus, Pflegeheim Sanderbusch, Rettungsdienst – sie alle fordern seit vielen Jahren eine Lösung. Seit Jahren versucht der Landkreis, die geschützten Saatkrähen zu vertreiben. Am Sander See sind seit 2014 Locksimulatoren für die Saatkrähen installiert. Sie sollen die Vögel anlocken – der Erfolg war eher mäßig.
Der Landkreis will – und muss – die Vergrämung rund ums Krankenhaus aber fortsetzen. Denn: „Ein ganzheitlicher Erfolg kann nur sichergestellt werden, wenn die Maßnahme eine Laufzeit von ca. fünf Jahren umfasst, da die Tiere zum Nestbau vorrangig ihren Schlupfort anfliegen“, so Eden. Heißt: Um dauerhaft die Kolonie in Sanderbusch zu verkleinern, müssten einerseits die Schlupfe reduziert, andererseits den jungen Saatkrähen der Vorjahre deutlich gemacht werden, dass ihr Geburtsort kein schöner Ort zum Brüten ist.
Weil die ausgefeilte Vergräm-Technik Piepers nur Pieper liefern kann, bleibt dem Landkreis nur die seit Jahren schon praktizierte „Baumpflege“. Die Kronen werden so beschnitten, dass weniger geeignete Astgabeln für den Nestbau bleiben. Immerhin bedeutet das eine Kostenersparnis: Statt der 60 000 Euro, die 2020 und 21 die Vergrämung kostete, wird die Baumpflege 2022 den Landkreis nur 35000 Euro kosten.
Auch im Bereich Grundschule/Kita in Sande, wo in den vergangenen Jahren stetig mehr Saatkrähen nisteten, wird der Landkreis aktiv bleiben: Das Gelände gehört der Gemeinde Sande, deshalb wird der Kreis Vergrämungsmaßnahmen fördern.
Tests mit Laser
Ansonsten kündigte Landrat Sven Ambrosy an, dass der Landkreis nun die Vergrämung mit Laser prüfen wird – das steht seit mehreren Jahren an; nämlich seit Jever angekündigt hatte, mit Laser-Pointern Bäume in der Innenstadt krähenfrei halten zu wollen. Das hatte der Kreis untersagt: Die Stadt wollte haushaltsüblichen Laser der Stärke 2 anwenden, doch laut Umweltschutzbehörde dürfen nur die allerschwächsten Pointer der Stärke 1 genutzt werden.
Aber: „Die Niederländer machen das seit Jahren mit Laser, das wollen wir uns abschauen“, so Ambrosy.
