Minsen/Wangerland - „Hier sage ich immer willkommen im Nationalpark, willkommen im Biosphärenreservat Wattenmeer“: Werner Menke macht eine weite mit dem Arm und zeigt auf die vor uns liegende Salzwiese. Eben noch sind wir über den Zaun geklettert, der den geschützten Bereich vom Seedeich abgrenzt. Menke trägt eine Mütze mit der Aufschrift „Nationalpark Wattenmeer“. Um den Hals hängt ein Fernrohr, „ohne das gehe ich nicht in die Natur“, sagt er. Der Vorsitzende des Vereins wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz leitet nicht nur seit Jahren Führungen durch die Salzwiesen, er ist auch leidenschaftlicher Vogelbeobachter.
Wir stehen im Nordergroden hinter dem Küstersmatt in Minsen. Im Gegensatz zu anderen Salzwiesen sind die Wangerländischen schon seit 1973 geschützt. Als typischer Bestandteil der Landschaft am Wattenmeer unterstehen sie spätestens seit 1986 mit der Erklärung des Wattenmeers als Nationalpark dem Naturschutz.
Kulturlandschaft geschichtlich
Menke beginnt seine Führungen an der Seewiefken-Plastik am Norderaltendeich: „Hier lässt sich das Zusammenspiel von Mensch und Natur gut beobachten.“ Die bronzene Meerjungfrau der Künstlerin Karin Mennen erinnert an eine alte Legende: Vor langer Zeit soll den Fischern aus Minsen eine Meerjungfrau in Netz gegangen ein. Entgegen ihrer Bitte ließen sie das Wasserwesen aber nicht frei, sondern führten es als Ausstellungsstück in die Stadt. Nachdem das Seewiefken entkommen war, überflutete sie Minsen und machte es so unbewohnbar. Die Minser mussten weiter im Landesinneren ansiedeln. „An diesem Ort gibt es viel zu entdecken“, sagt Werner Menke. „Man sieht, wo die alten Deiche standen und gebrochen sind.“ Gegenüber der Skulptur zeigt ein tiefes Loch den ehemaligen Bruch an. Dass Minsen aber, wie die Legende besagt, einst weiter draußen gelegen habe, ist ausgeschlossen: „Da gibt es keine Nachweise für menschliches Leben.“
Besonderer Lebensraum
Von dort aus Richtung Meer – zwischen Küste und Deich – liegen die Salzwiesen. Der hohe Salzgehalt kommt von der Flut. „Besonders der vordere Bereich wird mit den Gezeiten zweimal am Tag überspült“, erklärt Menke. Wenn das Wasser zurückgeht, bleibt das Treibgut liegen. „Teek“ besteht überwiegend aus Meerespflanzen. „Das gibt dem Boden hier viele Nährstoffe“, sagt Menke. „Das leitet sich von dem plattdeutschen Wort Teken ab“, sagt er weiter. „Das bedeutet »Zeichen«“. Anhand des Treibguts lässt sich erkennen, wie weit die Flut ins Land ging.
Die Pflanzen auf der Salzwiese haben alle unterschiedliche Strategien, mit dem hohen Salzgehalt umzugehen. Da gibt es den Queller, die Pflanze ist eine der ersten am Festland: sie lagert das Salz in Zellen ein und entzieht es so dem Boden. Weiter im Landesinneren wächst das Löffelkraut, ein Frühblüher der Salzwiesen, von dem rund sieben Tierarten abhängig sind. Bei einem Blick unter einen Stein entdecken wir kleine Krebse. „Viele Tiere sind abhängig vom Lebensraum Salzwiese“, erklärt Menke. Darum ist er dafür, dass man das Wattenmeer schützt und nicht für den Menschen nutzbar macht: „Neulandgewinnung, wie das früher mal gemacht wurde, ist out“, sagt er.
Treffpunkt für die Führung durch die Salzwiesen ist bei der Minser Seewiefken.
Josepha Zastrow
Der Blick vom Deich auf die Salzwiesen.
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Die Salzwiesen sind Teil des Nationalparkes Wattenmeer.
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Der grüne Pfosten rechts im Bild markiert den sicheren „Lehrpfad“.
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Werner Menke aus Jever macht seit Jahren Salzwiesenführungen. Bild: Josepha Zastrow
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Der Lebensraum Salzwiese ist auch bei vielen Vogelarten beliebt.
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Direkt hinter dem Strand beginnt die Salzwiese.
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Das Löffelkraut ist einer der ersten Blüher auf der Salzwiese.
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Der Queller hat sich optimal an die Salzwiese angepasst.
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Unter einem solchen Sein leben Tiere wie Flohkrebse.
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