Varel/Bockhorn - Wer mit einem Samba-Bus durch die Gegend fährt, kann sich sicher sein, allen Passanten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Riesenfan des VW T1 Samba-Bulli ist auch der Bockhorner Dennis-Christian Meinen. Seit seiner Kindheit träumt er von dem Kult-Bulli mit den 23 Fenstern und Faltdach. Der 37-Jährige hatte Riesenglück und konnte einen Samba-Bus aus dem Jahr 1956 kaufen. Drei Jahre lang hat er ihn restauriert, jetzt erstrahlt der Oldtimer in neuem Glanz und ist beim Oldtimertreffen am Vareler Hafen am Samstag, 29., und Sonntag, 30. Juli, zu sehen. Dennis-Christian Meinen war schon als Kind fasziniert von Oldtimern, hat zusammen mit seinem Vater, Kfz-Meister Dieter Meinen, zusammen an Autos geschraubt und ist wie auch sein Vater schon ewig Mitglied der Oldtimer-Interessengemeinschaft Varel. Lange hat er nach einem Samba-Bus gesucht und einfach mal eine Suchanzeige bei EBay aufgegeben. Es meldete sich ein Mann aus Celle, der seit Jahrzehnten einen alten Bulli in seiner Scheune stehen hatte und sich freute, ihn an einen Oldtimer-Enthusiasten verkaufen zu können, der den Bus auch selbst fahren möchte.
Viele Überraschungen
Dennis-Christian Meinen holte den Bulli nach Bockhorn und zusammen mit seinem Vater nahm er den Bus erstmal komplett auseinander – bis auf jede einzelne Schraube. „Er war in einem desolaten Zustand“, erinnert sich der Bockhorner, der als Diplom-Ingenieur bei Audi arbeitet. Immer wieder erlebten er und sein Vater Überraschungen wie defekte Zahnräder. Nicht selten fragten sich die beiden, warum sie sich das eigentlich antun, anders als beim Vorbesitzer verließ sie aber nie der Mut und sie zogen die Restaurierung durch, unterstützt von einem Lackierer und einem Karosseriebauer. Der Bulli war noch fast ganz komplett, lediglich fünf Prozent konnten nicht mehr aufbereitet werden. Bei der Restaurierung wie auch bei der Suche nach Ersatzteilen legte Dennis-Christian Meinen großen Wert auf Originalteile. Die legten zum Teile lange Wege zurück: So kam die originale Uhr fürs Armaturenbrett aus dem Jahr 1956 aus den USA, ebenso der Stoff für die Bespannung des Innenraums und das Kunstleder für die Sitze.
Inbegriff von Freiheit
Den weitesten Weg legten Teile für die Scheibenwischer zurück, sie kamen aus Neuseeland nach Bockhorn. Das meiste andere wie das Getriebe, die Karosserie und sogar die Blumenvase aus dem Hause Rosenthal im Innenraum haben die 67 Jahre gut überstanden. Dabei hat der Samba-Bus bereits einiges geleistet: Er war lange für ein Hotel in Österreich unterwegs und fuhr die Hotelgäste von dort aus über die Berge nach Venedig. Schon 1964 erhielt der Samba-Bus eine Auszeichnung für 100 000 gefahrene Kilometer. Der Samba-Bus galt damals als purer Luxus mit seiner Zweifarben-Lackierung, dicken Chromleisten und Faltdach. Offiziell heißt er „Achtsitzer-Sonderausführung“, doch schnell hieß er im Volksmund nur noch „Samba-Bus“, Inbegriff für Freiheit und ungezwungenes Reisen. Davon zeugt auch der Dachgepäckträger, für den Dennis-Christian Meinen noch einen zünftigen Koffer aus den 50er Jahren sucht. Der Bockhorner organisiert seit Jahren zusammen mit seinem Vater und seinem Onkel Gerold Meinen die Frieslandrallye beim Oldtimermarkt Bockhorn und ihm war es ein Anliegen, seinen Samba-Bus als erstes beim Oldtimer-Markt zu präsentieren. Noch in der Nacht vorher hat er daran geschraubt, aber es hat geklappt: Pünktlich zum Oldtimermarkt war das Schmuckstück fertig und zog auf dem Oldtimermarkt viel Aufmerksamkeit auf sich, ebenso beim VW-Bus-Festival am darauffolgenden Wochenende in Hannover, dem Ort, an dem der Samba-Bus gebaut wurde.
Ausklappbarer Winker
Auch nach Sylt hat es der alte Bulli schon auf eigener Achse geschafft. Das Fahrerlebnis ist besonders: Der frische Wind bläst einem sogar durch die zu öffnenden Frontscheiben um die Nase, ein Richtungswechsel wird mit einem Winker angezeigt, der mittels Hebel am Lenkrad ausgefahren wird, und Kopfstützen sind ebenso Fehlanzeige wie Sicherheitsgurte. Aber der Samba-Bus ist auch eher für gemütliche Fahrten bis etwa 80 km/h gedacht. Nächstes Ziel ist Ingolstadt, wo ein Kumpel von Dennis-Christian Meinen heiratet und im Samba-Bus zur Kirche gefahren werden möchte.
