Melissa Gerdes aus Sande wünscht sich eine Perspektive für sich und ihre Kinder."> Navigation überspringen
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Alleinerziehend im Lockdown „Wir Mütter sollen die Helden im roten Umhang sein“

Melissa Gerdes

Sande - Ohne die aktuelle Situation verharmlosen zu wollen, möchte ich meine Gedanken formulieren – bestimmt sind es auch die vieler anderer Mütter. Die steigenden Corona-Fallzahlen machen auch mir Sorgen und ängstigen mich. Trotz allem fühle ich mich als Mutter mit den neuen Regelungen im Stich gelassen.

Wir stehen alle vor Herausforderungen. Die einen mehr – keiner weniger. Homeoffice, Homeschooling, Kinder verschiedenen Alters mit verschiedenen Bedürfnissen, die aktuell nicht vollständig gestillt werden können, und Mutterherzen, die genau daran jeden Tag ein bisschen mehr brechen: Aus schlechtem Gewissen, etwas auffangen zu wollen, was beinahe unmöglich ist, oder wegen des Wunsches, dass an manchen Tagen der Tag schneller zu Ende ist. Und dem damit verbundenen Gefühl, als Mutter versagt zu haben.

Alles richtig machen

Mütter – sie haben so unfassbar viel Willen, alles richtig zu machen. Wir Mütter sollen alles sein: Die Helden im roten Umhang. Gib einer Mutter eine Herausforderung und sie wird sie meistern – natürlich wird sie das. Irgendwie.

Ich als alleinerziehende Mama – darf ich meinen Unmut auch laut aussprechen? Ja darf ich. Das Recht nehme ich mir. Klar habe ich das Privileg, in Elternzeit zu sein; aber für Alleinerziehende bedeuten die neuen Kontaktbeschränkungen, bei denen man sich nur noch mit einer Person treffen darf, quasi überhaupt keine Kontakte mehr. Vollkommene soziale Isolation.

Wir haben unsere Kontakte aufs Minimum reduziert. Der einzige regelmäßige Kontakt sind die Großeltern. Die dürfen uns jetzt aber nicht mehr gemeinsam besuchen und ich als Mutter darf mit meinen Kindern nicht zu ihnen zu Besuch. Wer erklärt das meinen Kindern?


Wie erkläre ich’s?

Und wie erkläre ich einem Zweieinhalbjährigen, dass er nicht mehr mit seinem Freund spielen darf!? Dass wir niemanden mehr besuchen gehen können? Wer erklärt den Kindern, dass ihr Geburtstag nicht gefeiert werden kann? Natürlich die Mutter. Die, die den roten Umhang immer noch mühevoll festhält.

Unsere Kinder sind auch systemrelevant! Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Die nächste Generation. Aber warum sind es immer die Kinder, die an letzter Stelle stehen?

Meine Tochter kennt außerhalb unserer vier Wände eigentlich nur Menschen mit Maske, sie kennt keine Spieltreffs mit Gleichaltrigen. Der Große ist seit Sommer in der Krippe eingewöhnt, seitdem war er mehr zu Hause als dort.

Aktuell hat er Energie für zwei und den Trotz für drei. Ich kann es ihm gar nicht verübeln: er ist genau so frustriert wie ich. Denn von morgens bis abends aufeinander zu hocken, wo die einzige Luft die hundertste Runde um den Pudding ist – wer wird da nicht unzufrieden?

Manchmal brauchen wir Mamas bloß eine Mamafreundin und eine große Tasse Kaffee, um die Akkus zu laden und sich mal kurz auszutauschen, so wie unsere Kinder bloß mal einen Freund zum Toben brauchen.

Stattdessen werden wir alleingelassen und isoliert. Wann kommt der Moment, in dem nicht mehr darauf vertraut wird, dass Mutti das schon macht? Wann gibt man uns Perspektiven? Und wann wird endlich an unsere Kinder und uns Mütter gedacht?!

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