Sande - Die „See-Hilfe“ scheint noch nicht zu funktionieren: Der Landkreis Friesland hat am Wochenende erneut davor gewarnt, im Sander See zu baden, denn in dem Gewässer wurden wieder Blaualgen (Cyanobakterien) nachgewiesen. Dabei sollte eine neue vorhangähnliche Konstruktion zur besseren Belüftung des Gewässers die Bildung von Blaualgen eigentlich verhindern, zumindest aber stark reduzieren.
Erstmals ausprobiert
Warum hilft sich die Natur noch nicht selbst? „Die Anlage ist vermutlich viel zu spät in den Sander See gekommen und war einfach noch nicht lang genug im Wasser“, sagt der Vorsitzende des Sportfischereivereins Wilhelmshaven, Heinz Gräßner. Der Verein hatte die Konstruktion zusammen mit der DLRG Ende Mai ins Wasser gebracht. „Normalerweise hätte man das schon im März machen müssen“, sagt Gräßner. Denn die Erfahrung am Accumer See habe gezeigt: Dort wurde die Konstruktion im zeitigen Frühjahr ins Wasser gebracht und habe sofort gewirkt. Zudem fehle noch ein Messkabel mit einem Sensor, um den Sauerstoffgehalt in der Tiefe messen zu können.
Alles, was man dafür braucht, gibt’s für rund 200 Euro im Baumarkt: Eine dicke Kunststoffplane von 6 mal 10 Metern, außerdem ein geschlossenes Abwasserrohr, an dem die Plane befestigt wird und unter der Wasseroberfläche treiben lässt, sowie zwei mit Beton gefüllte Maurerkübel als Beschwerung, die die Plane wie einen Vorhang oder ein Segel sechs Meter tief im Wasser hängen lässt.
Der große Unterwasservorhang soll mit Hilfe des Windes dafür sorgen, dass das Wasser, das in den unterschiedlichen Schichten auch unterschiedlich warm bzw. kalt ist, insgesamt besser durchmischt wird. So reichert sich mehr Sauerstoff auch in der Tiefe an. Die Natur hilft sich mit der „See-Hilfe“ letztlich selbst.
Gräßner ist überzeugt, dass die Plane 2022 dann tatsächlich die Blaualgenbelastung deutlich einschränkt oder gar verhindert. Im Herbst wird sie wegen Frostgefahr zunächst wieder abgebaut, im nächsten Frühjahr soll sie rund zwei Monate früher als in diesem Jahr wieder in den Sander See kommen.
Auch Fische leiden
Das Verfahren, das nun erstmals in Sande ausprobiert wurde, soll für eine bessere Durchmischung der Wasserschichten und somit für eine Sauerstoffanreicherung sorgen.
Für das Ökosystem in einem See ist die Blaualgenblüte eine Situation, die nicht nur das Baden verhindert, sondern unter der auch der Fischbestand leidet. Im Sander See leben rund 20 Fischarten.
Die Wasserqualität der Badestellen wird alle 14 Tage vom Gesundheitsamt kontrolliert – die Wasserprobe vom 4. August zeigt eine stärkere Konzentration an Blaualgen für den Sander See. Baden ist auf eigene Gefahr erlaubt, Hinweisschilder informieren darüber. Auch Hunde sollten nicht ins Wasser und es auch nicht trinken.
