Sande - Der Sander Bürgerentscheid, bei dem am Sonntag, 28. November, die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen sind, für oder gegen den Erhalt des Dorfgemeinschaftshauses Cäciliengroden zu stimmen, stellt in Niedersachsen einen Bürgerentscheid-Jahresrekord ein: Er ist nämlich der 11. Entscheid landesweit - so viele Bürgerentscheide in einem Jahr gab es bisher nur einmal. 2019 nämlich. „2020 konnten wir einen Rekord an Bürgerbegehren verzeichnen, nun folgt zeitversetzt der Rekord an Bürgerentscheiden“, sagt Dirk Schumacher, Landessprecher des Fachverbands „Mehr Demokratie“.

Von den bisherigen Bürgerentscheiden dieses Jahres waren sechs erfolgreich im Sinne der Initiatoren. Das entspricht einer Quote von 60 Prozent. „Das zeigt: Die Bevölkerung kann und will Einfluss nehmen in ihrer Kommune“, meint Schumacher.

2. Bürgerentscheid Sandes

Sande wird ab Sonntag die 15. niedersächsische Gemeinde sein, in der mehr als ein Bürgerentscheid stattgefunden hat, berichtet der Landesverband „Mehr Demokratie“. Auch der erste Bürgerentscheid drehte sich um ein Gemeinde-Gebäude: Im Januar 2000 ging es um den Neubau einer Sozialstation. Das von den oppositionellen Ratsfraktionen (u.a. CDU, Grüne und FDP) getragene Bürgerbegehren schlug eine als kostengünstiger beworbene Alternative vor, konnte im Bürgerentscheid aber nur 31 Prozent Ja-Stimmen hinter sich vereinen. Sandes Bürgerentscheid wird der insgesamt 134. in der Geschichte Niedersachsens. Erst seit Ende 1996 sind überhaupt kommunale Bürgerbegehren und Bürgerentscheide in Niedersachsen möglich.

In Sande geht es darum, ob das Dorfgemeinschaftshaus Cäciliengroden erhalten werden soll. Die Bürgerinitiative wirbt für den wichtigen Treffpunkt für das Zusammenleben und ideal für Veranstaltungen. Durch das Bürgerbegehren wurde eine Debatte über eine ergänzende oder alternative Nutzung angestoßen. Das Gebäude wurde nun auch als potenzielles Mehrgenerationenhaus, als Standort für einen Dorfladen oder ein Infozentrum zum Weltnaturerbe angesehen. „Das Bürgerbegehren belebte die Debatte. Plötzlich ist das Bild nicht mehr so schwarz-weiß“, so Dirk Schumacher, und: „Ein Effekt, den wir oft erleben. Dogmen fallen. Es öffnen sich neue Türen. Mitunter werden auch neue Wege beschritten. Es geht bei direkter Demokratie eben nicht nur darum, mit Ja oder Nein zu stimmen.“