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Bürgermeisterwahl in Sande Die meisten wissen schon, wen sie wählen

Sande - Rund drei Wochen vor den Kommunalwahlen am 12. September weiß offenbar ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger Sandes schon längst, wo sie bei der Bürgermeisterwahl ihr Kreuz machen werden. Bei einer Podiumsdiskussion, zu der der Bürgerverein Sande die vier Kandidaten Stephan Eiklenborg, Herbert Clemens, Annika Ramke und Hans-Joachim Vogt auf die Bühne im Sommergarten der Gaststätte „Zur scharfen Ecke“ eingeladen hatte, machte Moderator und WZ-Redakteur Malte Kirchner zu Beginn den Stimmungstest unter den 160 Sandern im Publikum: Tatsächlich hoben auf die Frage, wer schon weiß, wen er wählt, rund 90 Prozent die Hand. Nur ein kleiner versprengter Haufen war noch unentschlossen.

Die vier Sander Bürgermeisterkandidaten

Stephan Eiklenborg, amtierender Sander Bürgermeister, 53 Jahre, parteilos, seit sieben Jahren Verwaltungschef in Sande.

Annika Ramke, Dipl.-Sozialwirtin, 42 Jahre, SPD, seit zehn Jahren Mitglied des Sander Gemeinderats.

Herbert Clemens, pensionierter Polizeibeamter, 64 Jahre, parteilos und ohne politische Vorerfahrung

Hans-Joachim Vogt, bis Anfang August Schulleiter der Oberschule Sande, 66 Jahre, CDU, ohne politische Ämter.

Interessant zu erfahren wäre gewesen, ob nach rund eineinhalb Stunden Diskussion die übrigen zehn Prozent schlauer sind als vorher...

Der Fragenkatalog drehte sich um Reizthemen wie das Sander Wäldchen und die Wohnbebauung, die Zukunft des Dorfgemeinschaftshauses in Cäciliengroden, Kulturangebote in Sande, aber auch um Fragen zur Zusammenar­beit von Politik und Verwaltung, Finanzen und Gewerbeansiedlung und die Digitalisierung.

Von Tabus und to do’s

Überraschend Neues war auf der nahenden Zielgeraden des Wahlkampfes nicht zu erfahren. Zum Beispiel zum „Wäldchen“: Annika Ramke und Stephan Eiklenborg sehen dort mangels alternativer Flächen in Sande die derzeit einzige Chance, Wohnbebauung zu entwickeln, die dann allerdings nachhaltig und un­ter strengen ökologischen Vorgaben ausgewiesen werden müsste und nur durch Aufforstung an anderer Stelle in Sande kompensiert werden müsse. Für Vogt und Clemens hingegen ist der Wald „absolut tabu“, eine Bebauung, wenn überhaupt, müsste und dürfte nur an anderer Stelle erfolgen. Das Problem: Sande hat keine eigenen Flächen, selbst beim „Wäldchen“ ist nicht die Gemeinde, sondern die Kirchengemeinde Eigentümerin.

„Wie es mit dem Dorfgemeinschaftshaus in Cäciliengroden weitergeht, das entscheidet nicht der Bürgermeister, sondern demnächst ein Bürgerentscheid“, betonte Eiklenborg. Und wenn eine Mehrheit für den Erhalt des Hauses stimmen sollte, reichen keine 5000 oder 10000 Euro für ein paar Schönheitsreparaturen, dann müsste das Haus „für deutlich mehr Geld“ für die nächsten 20 Jahre fit gemacht werden. Auch Annika Ramke sieht das DGH ganz pragmatisch und die Zukunft noch nicht entschieden. Vogt und Clemens waren sich auch hier einig: „Das Haus ist unverzichtbarer Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft“, sagte Vogt. „Ohne das DGH ist Cäci tot“, befürchtet gar Herbert Clemens.

Clemens und Vogt wurden auch nicht müde zu betonen, dass die SPD die Gemeinde nach mehr als 60 Jahren Alleinherrschaft heruntergewirtschaftet habe. Zudem forderten sie die Politik auf, nicht nur im Rathaus zu tagen, sondern öfter auch mal in die Ortsteile zu gehen.


Runter von den Schulden

Viel Kritik gab es auch zur „desolaten Finanzlage“ der Gemeinde und zur Anhebung der Gewerbesteuer im Januar 2020. „Haushalt kommt von Haushalten“, mahnte Vogt.

Eiklenborg fühle sich nicht als „Insolvenzverwalter Sandes“, sondern als Mangelverwalter. Er will unbedingt von der 14,9 Millionen Euro schweren Schuldenlast herunter, bevor wieder steigende Zinsen jeden noch vorhandenen Spielraum erdrücken.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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