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Demo für Erhalt des Sander Wäldchens „Wir sind keine Öko-Spinner“

Sande - „WIr sind keine Öko-Spinner. Wir wollen auch keinen Krawall, wir wollen es besser machen und ein besseres Konzept für Sande entwickeln", ruft Karina Ahlrichs ins Mikrofon. Und die rund 150 Teilnehmer der ersten Demo für das Sander Wäldchen applaudieren. Karina Ahlrichs hat zusammen mit Nicolai Dumke aus Sande die Demo organisiert, das Duo hat sich innerhalb weniger Tage zum Sprachrohr der neuen Bürgerinitiative „Rettet das Sander Wäldchen“ entwickelt. Viele Bürger tragen sich in Unterschriftenlisten ein.

Unpopuläre Meinung mutig vertreten

Sande

Reizthema vor der Wahl

Zweieinhalb Monate vor der Kommunal- und Bürgermeisterwahl hat die Gemeinde Sande jetzt das große Reiz- und Wahlkampfthema: Es geht um den Erhalt von 1,8 Hektar Natur und darum, das Sander Wäldchen zu bewahren. Die Aufregung entwickelte sich in den vergangenen Tagen zu einer regelrechten Empörungswelle, die viele Bürger erfasst hat. Sie können nicht verstehen, dass das Wäldchen abgeholzt werden soll, um Bauland zu entwickeln. Übers Wochenende trudelten fast 300 Protestbriefe im Rathaus ein, auf der Wiese davor wurde ein Protestbanner aufgestellt. Am Mittwochabend trafen sich Bürger zur ersten „Rettet das Sander Wäldchen“-Demo auf der dem Parkplatz zwischen Paddelstation und Hofstelle Gut Altmarienhausen.

Darum geht's

Die unweit der belebten Hauptstraße hinter dem Rathaus in Richtung Sanderbusch und bis zur Bahnlinie reichende Fläche gehört der evangelischen Kirche. Ursprünglich als Erweiterungsfläche des Friedhofs geplant, hat die Kirche vor geraumer Zeit entschieden, dass sie die fast zwei Hektar große und bewaldete Fläche nicht mehr benötigt. In der Politik wird daher schon seit einigen Jahren überlegt, dort ein kleines Baugebiet zu erschließen. Nun hat die Volksbank Jever Interesse bekundet, die Fläche zu kaufen. Der Gemeinderat hat vor kurzem das Bauleitverfahren eingeleitet. Seitdem brodelt es in Sande.

Die ist nämlich Partner des Biosphärenreservats Wattenmeer und hatte am Abend Besuch von Umweltminister Olaf Lies (SPD). Gute Gelegenheit für die Umwelt- und Naturschützer, ihrem Sander Minister und Gemeinderatsmitglied ins Gewissen zu reden und die Dinge vielleicht in eine andere Richtung zu drehen.

Für die De­monstranten steht die mögliche großflächige Abholzaktion im völligen Gegensatz zu Sandes Image als Biosphärenreservats- und als Bienengemeinde. Die Bürgerinitiative setzt auf das Sander Schwarmwissen und die Kreativität, um den keineswegs in Abrede gestellten Bedarf an Wohnraum anders zu entwickeln und zugleich das Wäldchen weiterzuentwickeln, sagt Nicolai Dumke. Erste Ideen seien, vielleicht zwei zentrumsnahe Spielplätze im Ort aufzugeben, um dort Bauplätze auszuweisen, und dafür einen spannenden Spielplatz im Wald zu gestalten.

Lies in der Zwickmühle

Olaf Lies steckt in der Zwickmühle: Denn er ist nicht nur Umwelt- sondern auch Bauminister und so lobt er das Engagement der Organisatoren der Demonstration, erklärt, wie schwierig es ist, beide Aspekte zusammenzubekommen und wirbt für eine Fortsetzung des Dialogs und die gemeinsame Suche nach einem Kompromiss. Das nächste Treffen soll dann vor Ort im Wäldchen stattfinden. Für Dumke und Ahlrichs und die anderen kann ein Kompromiss aber nur so aussehen, dass am Ende der Wald stehenbleibt.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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