Sande/Friesland - Brennnessel, Klee und Löwenzahn, Wiesenkerbel und Wiesenschaumkraut, Spitzwegerich und Scharbockskraut – man staunt, was alles so wächst und gedeiht am Wegesrand. Vorausgesetzt, man lässt die Natur auch einfach mal zu und rasiert nicht mit dem Mäher alles wieder herunter, bevor Insekten sich an den Blüten laben konnten. Genau dafür wirbt das Aktionsbündnis „Blühendes Friesland“, das vor einem Jahr mit zahlreichen Projektpartnern und einem Pilotversuch gestartet war. Ziel ist, die Vegetation entlang der Straßen und Radwege durch eine angepasste Pflege natürlich zu entwickeln und somit die biologische Vielfalt zu fördern.
Alle Bauhöfe geschult
Inzwischen sind alle Städte und Gemeinden angesprochen und die Bauhöfe geschult worden, bei den Pflegearbeiten an Straßen und Wegen größere Randstreifen an Gräsern und Kräutern stehen zu lassen und nicht abzumähen, berichtete Jens Eden von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Friesland bei einem Ortstermin in Sande. „Wir weiten das Projekt damit von den Kreis- auf die Gemeindestraßen aus.“
„Auslöser der Aktion ist das besorgniserregende Artensterben nicht nur rund um den Globus, sondern auch vor unserer Haustür“, sagt Petra Walentowitz von der Initiative Mobile Umweltbildung. Auch hier in der Region sind inzwischen viele Insekten, insbesondere Wildbienenarten, verschwunden. „Vor 30 Jahren hatten wir hier noch eine reich strukturierte Landschaft mit vielen „wilden Ecken“, wo sich überall Pflanzen und somit Insekten und Vögel entfalten konnten. „Heute sind weite Teile der Landschaft verarmt“, sagt Walentowitz. Und mit dieser Verarmung verschwinden dann auch die Insekten und die Vögel.
In den Schulungen sei es darum gegangenen, den Blick dafür zu schärfen, was Insekten brauchen, um die nächste Generation hervorzubringen. Bestimmte Schmetterlingsarten etwa legen ihre Eier auf die Brennnessel, und die Raupen leben ausschließlich von dieser Pflanze. Bestimmte Wildbienen wiederum können nur von den Pollen der Butterblume leben.
Es ist alles im Boden
Das Gute ist: „Ob Brennnessel, Spitzwegerich, Butterblume – das ist überall da. Man muss es nur wachsen lassen“, sagt Walentowitz. „Tatsächlich steckt im Boden eine riesige Samenbank“, sagt Sandes Bürgermeister Stephan Eiklenborg. Die Bereitschaft vieler, da mitzumachen sei groß, heißt es bei den Initiatoren. Wichtig sei, erst ab einer Höhe von zehn Zentimetern der Gräser und Pflanzen mit der Pflege zu beginnen und mindestens zehn Prozent einfach stehen zu lassen. Das gelte genauso auf privaten Flächen.
