Sande - Immer wieder schlüpft er in neue Rollen, dabei hat er mit der Schauspielerei gar nicht zu tun. Werner Kleinschmidt ist seit nunmehr 20 Jahren als Gästeführer unterwegs. Und das veranlasste sogar den deutschen Ausrufermeister Hinrich „Hinni“ Janßen, der in Neustadtgödens zuhause ist, zur Verbeugung. „Vor dir ziehe ich den Hut“, sagte er. Natürlich nicht ohne die passende Geste dazu.
Frau näht Gewänder
Am Rande einer „Jubiläumsführung“ gab es Glückwünsche und Präsente von etlichen Gästeführer-Kollegen sowie Freunden und Bekannten. Sandes Bürgermeister Stephan Eiklenborg lobte das Engagement des Gästeführers. „Wenn es Werner Kleinschmidt nicht schon gäbe, müsste man ihn glatt erfinden. Es ist erstaunlich, wie viel Wissen er hat und einzigartig, wie er dieses jedes Mal wieder an die Frau oder den Mann bringt“, erklärte Eiklenborg. Kleinschmidt hat eine beachtliche Liste an historischen Persönlichkeiten, in deren Rolle er für seine Gästeführungen schlüpft – inklusive Gewand nach möglichst originalgetreuem Vorbild. Die Gewänder sind allesamt von Ehefrau Gunda handgearbeitet. Dieser richtete Eiklenborg ebenfalls seinen Dank aus, da sie ihren Mann stets tatkräftig unterstütze.
Zahlreiche Rollen
Kleinschmidt selbst dankte auch Stephan Horschitz vom Zweckverband Schlossmuseum Jever, der mit seinem enormen historischen Wissen immer wieder neue interessante „Führungspersönlichkeiten“ entdecke, denen er dann wiederum ein Gesicht geben dürfe. Kleinschmidt führt in Jever als Türmer, in Neustadtgödens als Graf Burchrad Philipp von Frydag, als Hinrich Krechting (Kanzler im Täuferreich Münster sowie später als Gemeindevorstand in Dykhausen), als jüdischer Lehrer Simon Rosenstein, als Leinenreeder Pieter Albert Swart und in Bohlenbergerfeld als Lehrer längst vergangener Tage.
Der 74-Jährige hat den Reiz der Gästeführungen mit seiner Pensionierung entdeckt. Eigentlich wollte der seit seiner Kindheit geschichtsinteressierte Bockhorner nur mal in eine Ausbildung zum Gästeführer hineinschnuppern, weil er sich davon weiteres Wissen über seine Heimat versprach. Doch dann kam es anders und schon kurze Zeit nach dem Abschluss des Seminars, dass von der Ländlichen Erwachsenenbildung angeboten wurde, begann er seine „Karriere“ als Gästeführer im Schloss zu Jever.
