Sande - Spätestens seit dem phänomenalen Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang sind die Auftritte der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft wieder deutlich stärker in den Fokus gerückt. Auch die Akteure des coronabedingt schon mehr als einem Jahr „arbeitslosen“ Regionalligisten ECW Sande verfolgen zurzeit natürlich das Geschehen bei der WM im lettischen Riga aufmerksam vor den Bildschirmen. Am Dienstag, 1. Juni (19.15 Uhr/Sport 1), kommt es dabei aus Sicht der Jadehaie zu einem ganz speziellen Duell. Trifft doch das Team von Bundestrainer Toni Söderholm im letzten Spiel der Gruppe B auf WM-Gastgeber Lettland.
„Da wird es in unserer Whatsapp-Gruppe hoch hergehen“, weiß Nick Hurbanek, Sportlicher Leiter der Sander. Schließlich gehören auch in der neuen Saison vier Letten zum Kader von ECW-Trainer Sergey Yashin. Einer von ihnen hat in der Vergangenheit sogar schon das Trikot der lettischen Nationalmannschaft überstreifen dürfen: Vitalijs Hvorostinins.
Der Zungenbrecher
Ein Nachname, der sowohl Hallensprecher als auch Fans und Mitspieler bei der Aussprache stets vor größte Probleme gestellt hat. Doch das ist seit November Geschichte: Der in Schortens beheimatete Lette hat im November geheiratet, dabei den Nachnamen seiner Frau Kim angenommen und heißt jetzt Vitalijs Jache. „Mein Geburtsname ist selbst für Letten schwer auszusprechen. Und in meiner Zeit in der Ukraine war es eine totale Katastrophe“, verrät er.
In seiner Junioren-Zeit hat der Angreifer mit Lettlands U-20-Auswahl in Calgary (Kanada) am Weltpokal teilgenommen. Später lief er dreimal für die lettische Eishockey-Nationalmannschaft auf. Beim „European Ice Hockey Challenge“-Turnier ging es gegen Italien, Weißrussland und Japan. Auch auf Vereinsebene war Jache schon in mehreren Ländern aktiv – unter anderem auch in Kanada, Neuseeland und der Ukraine.
Der Stellenwert
„Vom Stellenwert her stehen Basketball und Eishockey in Lettland klar vor dem Fußball“, erzählt Jache von seiner alten Heimat und ergänzt mit Blick auf Riga: „Es ist sehr schade, dass die WM im eigenen Land, auf die die Letten so lange gewartet haben, bislang ohne Zuschauer stattfinden muss.“ Mit den Fans im Stadion wäre die Euphorie und Unterstützung für das Nationalteam natürlich noch größer: „Aber ich habe Videos gesehen von feiernden Fans in den Straßen nach dem überraschenden Auftaktsieg der Letten gegen Kanada.“
Für das deutsche Eishockey-Nationalteam geht es an diesem Samstag (19.15 Uhr/Sport 1) gegen Titelverteidiger Finnland weiter. Nach der unerwarteten 2:3-Niederlage am Mittwoch gegen Kasachstan müssen trotz der drei Auftaktsiege nun aus den restlichen Vorrundenspielen gegen die Finnen, die USA (Montag) und Lettland (Dienstag) noch Punkte her, um den angestrebten Einzug ins Viertelfinale zu schaffen.
Derweil kann der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) mit einem Einsatz von NHL-Stürmer Dominik Kahun schon im vorletzten Vorrundenspiel der WM gegen die USA planen. Der 25-Jährige von den Edmonton Oilers durfte bereits am Freitag ins Mannschaftstraining einsteigen. Nach drei negativen PCR-Tests ist die Einzel-Isolation für Kahun beendet. Die aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen in der Corona-Pandemie verhängte zusätzliche dreitägige Team-Quarantäne endet für den Olympia-Zweiten von 2018 erst am Sonntag, so dass er an diesem Samstag gegen Finnland noch nicht spielberechtigt ist. Kahun war – anders als Superstar Leon Draisaitl – nach dem schnellen Playoff-Aus mit Edmonton in der nordamerikanischen Profiliga NHL zur WM nach Lettland gereist und am Mittwoch eingetroffen.
Die Viertelfinal-Partien werden am Donnerstag, 3. Juni, ausgespielt, die Halbfinals am Samstag, 5. Juni. Spiel um Platz drei und Endspiel folgen am Sonntag, 6. Juni.
Die Prognosen
Noch haben sowohl Lettland als auch Deutschland Chancen, ins Viertelfinale einzuziehen. Entscheidend könnte am Ende das direkte Duell am Dienstag sein. „Vor zwei, drei Jahren gab es schon mal das letzte Gruppenspiel zwischen den beiden Ländern. Damals haben die Deutschen in Overtime gewonnen und sind in die K.o.-Runde gekommen, während die Letten raus waren“, erinnert sich Jache: „Ich denke, auch dieses Mal ist Deutschland leichter Favorit und gewinnt mit 4:2.“
Prognosen seien aber gerade bei dieser WM, bei der viele prominente NHL-Stars fehlen, sehr schwer. „Was die WM so spannend macht ist, dass es gefühlt fast in jedem zweiten Spiel eine Überraschung gibt“, sagt Jache: „Nach dem Sieg der Deutschen gegen Kanada habe ich gedacht, die schaffen es – wie die Schweiz – mindestens bis ins Halbfinale.“ Auf die Frage nach der möglichen Endspielpaarung ergänzt der ECW-Stürmer: „Ich hoffe, es gibt die Wiederholung des olympischen Finales zwischen Russland und Deutschland.“
