Sande - Dort, wo vorher ein Einfamilienhaus gestanden hatte, steht heute ein Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohneinheiten. Nur wenige hundert Meter weiter neben dem Rathaus ist vor einigen Jahren eine alte Hofstelle mit einem kleinen Wohnhaus verschwunden. An der Stelle ist ein Mehrfamilienhaus mit 24 Wohneinheiten entstanden. Beispiele wie diese gibt es einige entlang der Sander Hauptstraße.
Wenn man sich nur die vergangenen fünf, sechs Jahre ansieht, kommt man auf rund 80 neue Wohnungen, wo zuvor vielleicht knapp zehn ältere Einfamilien- oder Geschäftshäuser gestanden haben, berichtete Fachbereichsleiterin Nadine Stamer aus der Sander Gemeindeverwaltung im Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt. „Die Bebauung entlang der Hauptstraße hat sich in den zurückliegenden Jahren sehr verändert“, stellte Stamer fest.
Keine Höhenbegrenzung
Und entlang der Hauptstraße gehen die Veränderungen weiter: In Höhe Hauptstraße 24 ist im vergangenen Jahr ein älteres Haus abgebrochen worden, auch dort laufen aktuell die Vorbereitungen für den Bau eines Mehrfamilienhauses mit 12 Wohnungen. Nächstes Beispiel: Die Gewerbeimmobilie der einstigen Fleischerei Sjuts. Auch die ist verkauft, das Objekt weicht ebenfalls in nicht allzu ferner Zukunft einem Neubau. Und auch dort kann man schon vermuten: Es geht von der Architektur höher hinaus, als bisher.
Einem, dem die Entwicklung und das „unzureichend reglementierte Wachstum“ nicht gefällt, ist Simon Hüttenhoff. Er lebt in der hinter der Hauptstraße verlaufenden Lessingstraße, einer klassischen älteren Ein- und Zweifamilienhaussiedlung, deren Gärten Richtung Hauptstraße liegen. Er hat sich bereits an Politik und Verwaltung gewandt, machte jetzt im Fachausschuss seinem Unmut nochmals deutlich Luft: „Viele Bürger in Sande wissen noch gar nicht, was da auf sie zukommt.“ Es gehe nur um die Interessen auswärtiger Investoren, die hier Geld verdienen wollen, monierte Hüttenhoff. Er erwarte, dass dieser Entwicklung mit entsprechenden Vorgaben Einhalt geboten werde. Eine ganz ähnliche Debatte läuft aktuell auch in Schortens.
Bebauungspläne von 1972
Ausschussvorsitzende Manuela Mohr (CDU) erklärte, dass sich die Politik die Bebauungspläne noch mal vornehmen wolle, um künftig Fehler und Betroffenheiten von Anwohnern zu vermeiden. Dazu gehöre aktuell auch, dass Staffelgeschosse die Gebäude höher machen, als es von der Politik ursprünglich mal beabsichtigt war.
Die derzeit geltenden Bebauungspläne, die die Hauptstraße und den Bereich Hauptstraße/Dollstraße als Mischgebiet ausweisen, stammen noch aus dem Jahr 1972 und seien im Laufe der Jahre nur geringfügig angepasst worden. Darin sind allerdings keine maximale Gebäudehöhen festgesetzt, sondern neben einigen anderen Angaben nur die Anzahl von mindestens zwei und maximal drei Vollgeschossen. Mit Vorgaben zu Traufhöhen, Grenzabständen, Baulinien oder zur Bauweise lasse sich vieles, aber eben nicht alles steuern. So lasse sich durch die in den vergangenen Jahren modern gewordenen Staffelgeschosse „on top“ noch exklusiver Wohnraum schaffen.
Die Darstellung zu den Bebauungsplänen soll nun in den Fraktionen weiter beraten werden. Frank Behrens (SPD) sagte, dass sich die Gemeinden generell weiterentwickelten. „Auch wir leben hier nicht in einem Museumsdorf. Daher ist es legitim, dass sich am Ortsbild etwas ändert.“ Aber man müsse besprechen, wie man die Interessen und Konflikte in Einklang bekommt.
