Sande - Gut fünf Wochen sind es nur noch bis zu den Kommunalwahlen am 12. September. Und in Sande wird nicht nur ein neuer Gemeinderat gewählt, sondern wird auch der Chefsessel im Rathaus neu besetzt – oder vom Amtsinhaber wieder besetzt.
Dringendste Aufgabe: der Schuldenabbau. „Ich habe als Bürger nun zwei Jahre lang Ratssitzungen besucht und nicht erlebt, dass die Politik willens ist, das anzupacken. Stattdessen wird Geld für unnütze Dinge ausgegeben, nur weil es da ein Förderprogramm gibt.“
Sander Wäldchen: Der Bestand muss so erhalten bleiben, wie er ist. Alle Welt richtet sich nach der Ökologie aus, und in Sande will man Wald für Baugrundstücke abholzen? Nein.
DGH Cäciliengroden: Das Haus ist von der Substanz mehr als in Ordnung, es muss erhalten bleiben. Es wird von Bürgern, Vereinen und Kitas genutzt. Das Dorf hat kaum Infrastruktur, wenn man den Bürgern auch noch ihr Dorfgemeinschaftshaus nimmt, dann ist Cäciliengroden ein totes Dorf.
Kita-Plätze: Sande ist in Sachen Kitas ganz gut aufgestellt, wir haben drei Kindergärten. Aber die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr. Wenn sich weiterer Bedarf abzeichnet, müssen mehr Plätze geschaffen werden.
Dringendste Aufgabe: Konsolidierung und Finanzklarheit.
Sander Wäldchen: Der Wald ist erhaltenswert, aber er muss durchforstet werden. Dort ein Baugebiet zu planen, ist wider die Natur. Der Wald ist eine Naturoase, die man auch anders nutzen und weiterentwickeln kann. Ich glaube zudem, dass da keine „laute Minderheit“ aufbegehrt, sondern dass es längst eine laute Mehrheit ist, die das Sander Wäldchen schützen und erhalten will.
DGH Cäciliengroden: Das Haus ist wichtig für die Menschen. Die Bausubstanz, soweit ich das einschätzen kann, ist in Ordnung. Hier und da muss was gemacht werden, aber wohl nicht in der Größenordnung, von der die Rede ist. Das Haus muss nicht nur für die Dorfgemeinschaft, sondern für ganz Sande erhalten bleiben.
Kita-Plätze: Das Angebot an Kinderbetreuung ist elementar. Es darf nicht so weit kommen, dass Familien abwandern oder gar nicht erst nach Sande kommen, weil es keinen Kita-Platz gibt.
Dringendste Themen: Die Finanzen bleiben das dominierende Thema. „Wir haben gezeigt, dass wir trotz Schuldentilgung schlau investiert haben und Förderprogramme vernünftig nutzen.“ Wichtige Aufgaben seien auch die Fortsetzung der Straßensanierung und die Förderung des sanften (Rad-)Tourismus.
Sander Wäldchen: Die SPD will Nachverdichtung und innerorts ein kleines Baugebiet schaffen. Jetzt tut sich eine Möglichkeit auf. Aber wir sind noch ganz am Anfang des Verfahrens. „Wenn jemand Alternativen hat: Toll, her damit.“ Wir brauchen einen klugen Kompromiss und wollen verhindern, dass junge Familien abwandern.
DGH Cäciliengroden: Es gibt keinen Beschluss, das Dorfgemeinschaftshaus zu schließen. Wir müssen auf die Sanierungskosten gucken und wie, von wem, wie oft das Haus genutzt wird.
Kita-Plätze: Wir haben gute Betreuungszeiten in Sande. Und wir bekommen auch gerade einen neuen Kindergarten.
Dringendste Aufgabe sind die Finanzen: „Wir haben 14 Mio. Euro Schulden, die müssen abgebaut werden. Wir müssen die Niedrigzinsphase nutzen, bevor Geld wieder teurer wird“. Und Förderprogramme dürfen nicht dazu führen, dass man Dinge tut, die man nicht vorhatte.
Sander Wäldchen: Ortsentwicklung bedeutet, Wohnraum zu schaffen. „Die zentrale Lage spricht dafür, wir sparen an Ressourcen und den Neubau von Infrastruktur. Ich bin für diese Lösung, denn Alternativen zu diesem Baugebiet haben wir nicht. Das wird mir zu sehr gehypt.“
DGH Cäciliengroden: „Es gibt in Cäciliengroden mit der Kirche noch Alternativen. Und das Dorfgemeinschaftshaus steht nicht für null Euro da. Da ist nicht mit 5000 Euro das Problem gelöst, das ist naiv“.
Kita-Plätze: Es gibt zu wenige. Wir haben Wartelisten, die nur abgebaut wurden, weil sich Eltern umorganisiert haben. Wir brauchen mindestens noch eine Einrichtung mit zwei Gruppen.
Was ist vom Bürgermeister Stephan Eiklenborg oder den drei Mitbewerbern um das Amt – Herbert Clemens, Annika Ramke und Hans-Joachim Vogt – zu erwarten, wenn sie Chef oder Chefin im Sander Rathaus werden? Worin sehen sie dringendsten Handlungsbedarf, wie stehen sie zu aktuellen Reizthemen wie das Sander Wädchen, das Dorfgemeinschaftshaus in Cäciliengroden oder das Angebot in Sachen Kinderbetreuung? Darum ging es am Mittwochabend in der aus dem NWZ-Verlagshaus online gestreamten Podiumsdiskussion zur „Wahl im Nordwesten“ mit den vier Kandidaten aus Sande.
Die wichtigsten Aussagen und Positionen finden Sie hier zusammengefasst und komprimiert. Die komplette gut einstündige Diskussion ist weiterhin im Internet abrufbar.
Stephan Eiklenborg, Bürgermeister, 53 Jahre, parteilos, seit sieben Jahren Verwaltungschef in Sande
Annika Ramke, Dipl.-Sozialwirtin, 42 Jahre, SPD, seit zehn Jahren Mitglied des Sander Gemeinderats
Herbert Clemens, pensionierter Polizeibeamter, 63 Jahre, parteilos
Hans-Joachim Vogt, Schulleiter der Oberschule Sande, 66 Jahre, CDU
Die nächste Gelegenheit, das Kandidatenquartett im direkten Wettstreit der Argumente zu erleben, gibt es am Donnerstag, 19. August, um 19 Uhr. Der Bürgerverein Sande hat die Kandidaten zur Diskussion in den Garten der „Scharfen Ecke“ eingeladen.
