Sande - Wenn Friedhelm Broer und Oltmann Melle von ihrem jüngsten Arbeitseinsatz erzählen, dann müssen sie ihren Freunden und Bekannten erst einmal erklären, wo sie überhaupt waren. Die beiden langjährigen Stahlbauschlosser bei der Firma Züblin Stahlbau GmbH in Sande hatten nämlich einen ganz besonderen Auftrag: es galt, eine Brücke über die Höllentalklamm zu bauen. Bei dieser Arbeit kann man Höhenangst überhaupt nicht brauchen.
Die Höllentalklamm ist eine enge Schlucht im Zugspitzmassiv, durch die der Hammersbach fließt. In den bayrischen Alpen verläuft eine bekannte Aufstiegsroute von Hammersbach zu Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze (2962 Meter, über deren Gipfel die Grenze zwischen Deutschland und Österreich verläuft.
Die touristische Erschließung dieser Route durch das Wettersteingebirge begann bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, heute passieren rund 100 000 Besucher pro Jahr die Brücke.
Friedhelm Broer ist in seinem Berufsleben viel herumgekommen. Schließlich muss er den Brücken oder anderen Bauteilen, die in seinem Betrieb gefertigt werden, an den Standort folgen, wo sie eingesetzt werden sollen. „Sowas wie diesmal hatte ich aber noch nie“, sagt der 61-Jährige, der aus Nordwerdum bei Neuharlingersiel kommt. Seinem Kollegen Oltmann Melle geht es ebenso: „Das war was richtig Besonderes“, sagt der 57-Jährige aus Esens. Mittlerweile sind sie bereits an einer neuen Baustelle tätig: an der Schleuse in Varel. Das Flachland hat sie zurück. Doch die Erinnerung an ihren Auftrag in den bayrischen Alpen ist noch sehr lebendig.
150 Teile hochbugsiert
Rund drei Wochen dauerten die Arbeiten, bei denen eine historische Bogenbrücke von 1905 ersetzt werden musste. Der Alpenverein hatte sich auf der Suche nach Sponsoren an die Züblin Stahlbau GmbH gewandt. Die Firma sagte zu, weitere Sponsoren wurden gefunden – so spendierte Thyssen Krupp den Stahl. Die Fertigung der Teile erfolgte im Stammwerk in Hosena, denn in diesem Fall habe man auf maschinenbearbeitete Bleche zurückgreifen können, berichtete Frank Wübben, Prokurist am Standort Sande.
Rund sieben Meter muss die Brücke überspannen, dafür waren rund 150 Einzelteile nötig.
Diese 150 Teile mussten Friedhelm Broer und Oltmann Melle Stück für Stück gemeinsam mit Helfern des Deutschen Alpenvereins an Ort und Stelle bringen. „Jeder Tag begann mit einem Aufstieg. Das war richtig schwer, darauf sind wir ja nicht getrimmt“, erzählt Broer. Wenn die Baustelle in rund 1100 Metern Höhe erreicht war, dann sei erst mal eine Pause fällig gewesen, ergänzt Melle. Etliche der großen Teile waren mit einem Hubschrauber transportiert worden, doch die letzten zwei- oder dreihundert Meter mussten immer noch zu Fuß bewältigt werden. Die alten Gehsteige hätten es ganz schön in sich gehabt, berichten die Stahlbauschlosser.
Im Gebirge um die Ecken
„Kompliziert wird es dann, wenn man Teile, die mehrere Meter lang sind, durch das Gebirge und vielleicht sogar noch um Ecken herum bringen muss“, berichtet Melle und beide fragen sich, wie die Erbauer der ersten Brücke vor 115 Jahren das wohl gemacht haben. „Die müssen sich sehr gequält haben“, meint Broer.
Zum Glück hatten die beiden Fachmänner aber Hilfe. So waren unter anderem ehrenamtliche Kräfte vom Alpenverein dabei, die Bohrungen vorgenommen und Dübel angebracht haben – Arbeiten, für die man sich abseilen musste. „Das haben besser die jungen Männer gemacht, da haben wir nur aufgepasst, dass alles ordnungsgemäß lief“, berichtet Broer schmunzelnd.
Für die Züblin Stahlbau GmbH war die Brücke über die Höllentalklamm ein kleines Bauwerk – „nur“ fünf Tonnen schwer. Sonst sind sie ganz andere Kaliber gewöhnt. Für Friedhelm Broer und Oltmann Melle war die Baustelle allerdings ein Meilenstein: „Auch wenn’s anstrengend war, die Erfahrung, in einem Bergmassiv zu arbeiten, war einzigartig und hat sich gelohnt.“
