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NWZonline.de Region Friesland

„Kein Deich, kein Land, kein Leben“

27.12.2017

Sande Drei Tage und Nächte harrte Albert Brahms Weihnachten 1717 mit Frau und Kleinkind auf dem Boden seines Hauses im Neu-Oberahmergroden aus. Als das Wasser abfloss und die immensen Schäden und Verluste offenbar wurden, machte der damals 25-Jährige den Deichbau zu seinem Lebenswerk: „Kein Deich, kein Land kein Leben“ – das wurde zu seinem Lebensmotto.

„Nach der Christmette 1717 sind die Leute hier aus der Kirche geströmt und gingen beruhigt schlafen, weil der Sturm abgeflaut war. Doch morgens um 5 Uhr wurde das Mariensiel von der Sturmflut aus den Angeln gehoben. Die Sander Deiche liefen über“, berichtet Pastor Christian Scheuer: 125 Personen kamen im Kirchspiel Sande bei der Weihnachtsflut 1717 ums Leben.

Am 1. Weihnachtstag gedachte die ev. Gemeinde Sande in der St. Magnus-Kirche der Opfer. Ein blaues Band entlang der Kirchenwand zeigt, wie hoch das Wasser sogar in der Kirche stand: Obwohl St. Magnus hoch oben auf einer Wurt steht, stand das Wasser gut 1,50 Meter hoch in der Kirche.

Die Flut sei ein Strafgericht Gottes, predigten die Pastoren damals laundauf landab von den Kanzeln. Sie führten zunächst tägliche, dann wöchentliche Buß- und Bettage ein – zum Teil blieben die 100 Jahre lang bestehen, berichtete Scheuer.

Weihnachtsflut

Die Wanderausstellung „300 Jahre Weihnachtsflut 1717“ wird bis zum 14. Januar im Weltnaturerbeportal Dangast gezeigt.

Mit einer Reihe von Gedenkgottesdiensten erinnert der Ev.-luth. Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven an die Weihnachtsflut vor 300 Jahren. Gedenkgottesdienste
 29. Dezember, 20 Uhr, Sillenstede, St. Florian
 10. Januar, 19 Uhr, Kirche St. Joost
 28. Januar, 10 Uhr, Kirche Cäciliengroden
 18. Februar, 9 Uhr, Horumersiel, Gerhardt-Haus.

Albert Brahms stellte sich dieser Deutung entgegen: Es sei töricht, die Flutkatastrophe zum Strafgericht zu machen. Sie sei vielmehr Folge von Blindheit und Nachlässigkeit beim Deichen. „Wollte man jede Überschwemmung als Strafe Gottes ansehen, dürfte man gar keine Deiche bauen“, schrieb er 1750 rückblickend. Und: „Deichen ist nicht gegen die göttliche Allmacht“, betonte er.

Laut Scheuer konnte Brahms auch die Pastoren überzeugen: Sie seien Unterstützer und Mahner für den teuren und beschwerlichen Deichbau geworden. Albert Brahms’ Grabplatte ist direkt an der Apsis von St. Magnus zu finden.

Vom Landwirt zum Deichbau-Pionier

Albert Brahms, geboren am 24. Oktober 1692 in Sanderahm, gestorben am 3. August 1758 in Neu-Oberahmergroden war Landwirt, Deichrichter und bedeutender Deichbaupionier. Als Bauer auf dem Hof seiner Schwiegereltern Meinen in Neu-Oberahmergroden erlebte er mit Frau und Kleinkind die Weihnachtsflut 1717, die seine Ländereien verwüstete.

Als das Wasser abfloss, begann Brahms, die Schäden zu dokumentieren, drei Wochen später unterbreitete er der Obrigkeit seine Vorschläge zur Deichsicherung. Sein Sachverstand wurde schnell erkannt, denn acht Wochen nach der Weihnachtsflut wurde er zum Rottmeister ernannt, der die Instandsetzung seines Deichabschnitts leitete.

Im Spätherbst 1718 konnte er die Deichsicherungsarbeiten abschließen, die der erneut sehr schweren Sturmflut vom 13. Dezember 1718 standhielten. Doch erst nach einer erneuten sehr schweren Sturmflut am 14. Januar 1721 erkannten die Behörden, dass höhere und stärkere Deiche nötig seien – das hatte Albert Brahms bereits gefordert. Brahms setzte nicht nur höhere Deiche als nach der Flutmarke von 1717 durch, sondern vor allem ihre Verstärkung im Querschnitt.

Seine Erfahrungen und Erkenntnisse vertiefte Brahms durch Reisen, bei denen er den Deichbau im Oldenburger Land, Ostfriesland und in den Niederlanden kritisch beobachtete. Sein Anliegen waren Deich- und Sielbautechnik sowie Landgewinnung.

Brahms veröffentlichte 1754 und 1757 das in wesentlichen Grundzügen noch heute gültige zweibändige Werk Anfangsgründe der Deich- und Wasserbaukunst.

Quelle: Ostfriesische Landschaft, (BLO I, Aurich 1993)

Melanie Hanz
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965311

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