Sande - In der Gemeinde Sande regt sich Unmut in der Diskussion über verschiedene Immobilien, die sich im Besitz der Gemeinde befinden und von Vereinen und Privatpersonen genutzt werden können. Auslöser ist das Dorfgemeinschaftshaus in Cäciliengroden (DGH), für das 2021 durch eine Bürgerinitiative, die aus der Siedlergemeinschaft heraus gegründet wurde, ein Bürgerbegehren in Gang gesetzt wurde. Das Begehren scheiterte, doch die Diskussion um das Haus ist damit nicht vom Tisch.
25 000 Euro pro Jahr an Betriebskosten
Die Siedlergemeinschaft Cäciliengroden und die Bürgerinitiative kämpfen weiter für den Erhalt des Hauses – und zwar zu den Bedingungen wie bisher: Das Haus wird komplett von der Gemeinde unterhalten. 25 000 Euro an Betriebskosten im Jahr muss die Gemeinde aus Steuermitteln für das Haus aufwenden. Dabei sind allerdings Verwaltungskosten, die zum Beispiel durch Vermietungen entstehen, nicht eingerechnet.
Alle Vereine können das Haus kostenfrei nutzen. Lediglich für Veranstaltungen, bei denen Einnahmen generiert werden, fallen geringe Nutzungsentgelte an.
Genauso soll es bleiben, forderte jüngst Thomas Hein, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Cäciliengroden im Fachausschuss. Das Angebot der Gemeinde, das Haus in Eigenregie zu betreiben und die Betriebskosten zu übernehmen, wurde von der Siedlergemeinschaft abgelehnt. Und bei diesem Punkt gehen andere Vereine mittlerweile auf die Barrikaden, denn an anderer Stelle wird genau so verfahren. Der Bürgerverein Mariensiel zum Beispiel fordert Gleichbehandlung.
8000 Jahr im Jahr selbst erwirtschaften
Dem Verein steht der „Bürgertreff Zum alten Fort“ zur Verfügung. Er muss allerdings den Unterhalt des Hauses selber erwirtschaften – rund 8000 Euro im Jahr für Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Müllgebühren und andere Kosten.
Spitz gerechnet muss der Verein dafür das Haus 23 Mal für private Feiern vermieten. „Die Vermietungen sind extrem zeitaufwendig, das muss alles ehrenamtlich passieren – und natürlich dann, wenn andere feiern wollen, also am Wochenende“, sagt Detlev Hoppe vom Bürgerverein. Richtig sauer ist auch Merle Mänz vom Heimatverein Gödens-Sande. Dem Verein steht ein kleines Haus in der Kirchstraße in Neustadtgödens zur Verfügung. Auch der Heimatverein muss die Betriebskosten selber übernehmen.
Alle Hausmeisterdienste von der Gartenpflege bis zum Winterdienst werden ehrenamtlich ausgeführt, kleine Reparaturen sind ebenfalls in Eigenregie zu regeln. Zudem muss Verbrauchsmaterial vom Putzmittel bis zur Glühbirne selber gekauft werden. Strom, Gas, Versicherungen? Zahlt der Verein. Dafür müssen durch Veranstaltungen und Vermietungen Gelder fließen.
„Ich verstehe nicht, warum es beim DGH in Cäci eine Sonderregelung geben soll“, sagte Merle Mänz: „Davon abgesehen haben die Bürger beim Bürgerentscheid ein klares Votum gefällt: Sie wollen nicht, dass für dieses Haus Steuergelder ausgegeben werden. Punkt. Was daran verstehen die Politiker bitteschön nicht? Es ist das Geld der Bürger.“ Ihr komme es so vor, als ob die Siedlergemeinschaft nicht das Wohl aller Bürger im Sinn habe, sondern ausschließlich im eigenen Interesse handele, sagt Mänz.
Weitere Vereine, die ebenfalls Räume der Gemeinde zur Verfügung gestellt bekommen, sie aber selber bewirtschaften müssen, sind der FC Rot-Weiß und die Spielgemeinschaft Gödens.
Offene Fragen wirken sich auf DGH-Diskussion aus
m Frühjahr 2021 haben die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde und die politische Gemeinde Sande Verträge über die gemeinsame Nutzung der Gemeindehäuser der Kirche – die „Brücke“ in Cäciliengroden und das Gemeindehaus an der Hauptstraße in Sande – unterzeichnet.
Ursprünglich war es das Ziel der Kirchengemeinde, beide Gemeindehäuser zu erhalten. Mittlerweile aber sieht die finanzielle Situation aufgrund sinkender Mitgliederzahlen immer düsterer aus.
Daher hat der Gemeindekirchenrat im November beschlossen, den Standort Cäciliengroden bis 2027 komplett aufzugeben und zu veräußern – und auch alle anderen Gebäude unter die Lupe zu nehmen, auch das Gemeindehaus in Sande. Eine entsprechende Mitteilung erfolgte an die Kommune. „Wir spielen mit offenen Karten. Unsere Verträge laufen für fünf Jahre, eine Verlängerung in gleicher Form wird also nicht mehr möglich sein“, sagte Pastorin Franziska Kempcke auf Nachfrage. Die politische Gemeinde ist grundsätzlich an dem Gemeindehaus im Sander Ortskern interessiert, das Haus in Cäciliengroden komme nicht in Frage. „Wir brauchen einen Ort für Versammlungen und Aufführungen an zentraler Stelle. Wir haben der Kirchengemeinde ein entsprechendes Signal gegeben, Gespräche haben aber noch nicht stattgefunden“, sagte Klaus Oltmann von der Gemeindeverwaltung.
Die Kirche hat allerdings zunächst damit zu tun, die Nachnutzung des Gebäudeensembles in „Cäci“ zu regeln („Brücke“, Christuskirche und Pfarrhaus). Ein Verkauf des Gemeindehauses in Sande sei mittelfristig noch nicht in Sicht, sagt Pastorin Kempcke.
Das Fragezeichen beim Gemeindehaus wirkt sich indessen auch auf die Diskussion über das Dorfgemeinschaftshaus in Cäciliengroden aus: Die politische Gemeinde könnte kaum beide Gebäude finanzieren. Deswegen wurde der Antrag der BfS/CDU-Gruppe auf Erhalt des DGH vertagt.
