Sande/Neustadtgödens - Sande will „Fairtrade-Town“ werden. Dazu müssen etliche Voraussetzungen erfüllt werden. Unter anderem gehören zum Anforderungskatalog Bildungsveranstaltungen. Eine davon findet derzeit in der Grundschule Neustadtgödens statt. In einer Arbeitsgemeinschaft lernen Kinder derzeit, warum es sich lohnt, beim nächsten Einkaufsbummel für neue Klamotten genauer hinzusehen und das eine oder andere Kleidungsstück etwas länger zu tragen.
Kirstin Anders-Pöppelmeier und Claudia Mehrtens vom Sander Aktionsbündnis „Fairtrade-Town“ sind mit zehn Kindern aus allen Klassenstufen an jedem Montag auf der ganzen Welt unterwegs. Natürlich nur anhand von Karten und Bildern, die im Klassenraum ausgebreitet liegen. Aber auf diese Weise entdecken die Kinder, dass das hübsche rote T-Shirt, das man bequem nebenan kaufen kann, eine im ungünstigsten Fall mehrmalige Weltreise hinter sich hat, bevor es im Laden landete.
Die Kinder erfahren auch, wo die Baumwolle, die häufig Grundlage der Kleidung ist, wächst, wie sie geerntet und behandelt wird und unter welchen Bedingungen die Arbeiter leben. Sie erfahren aber auch, dass Baumwolle meist nicht einfach so wächst, sondern vor allem in intensiver Landwirtschaft, die Pestizide verwendet und viel Wasser benötigt. Das Material für ein Shirt verschlingt bis zu 2000 Liter Wasser, mehr als zehn volle Badewannen. Und da Wasser in den Anbauländern besonders kostbar ist, fehlt es an anderer Stelle.
Die Kinder lernen auch viel über die Verarbeitung und die Arbeitsbedingungen der Näherinnen (fast ausschließlich Frauen), über Färbemittel, deren giftige Abwässer oft ungefiltert ins Meer gelangen, und den langen Transportweg. In dem Projekt sollen Hintergründe der modernen Modeindustrie erkannt und hinterfragt und der hemmungslose Konsum frühzeitig in Frage gestellt werden. Auch Alternativen durch fair gehandelte Produkte werden aufgezeigt.
