Sanderbusch - Ein Fuchs pirscht durchs Unterholz und gibt beunruhigende Laute von sich. Eine Saatkrähe entdeckt ihn und warnt ihre Artgenossen: „Schnell weg, hier sind Fressfeinde. Wir müssen uns einen anderen Brutplatz suchen.“ So stellt sich Helmut Pieper das Geschehen auf dem Gelände des Nordwest-Krankenhauses Sanderbusch vor.

Pieper ist Mitglied der Umweltschutz-Agentur in Norden und war im zeitigen Frühjahr mit einer neuen Idee zur Vergrämung der Saatkrähen an die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis herangetreten. Neben dem Fuchs wurden auch Uhus und Marder dort verteilt, außerdem Waschbären und sogar tote Krähen als Attrappe. Die Plastiknachbildungen von Fressfeinden der Saatkrähe geben akustische Signale ab – die Krähen sollen sich in ständiger Gefahr fühlen, gefressen zu werden.

Vergrämung – das ist passiert

Die Vergrämungsmaßnahmen erfolgten bis zur ersten Eiablage Ende März: Umsetzung der Nester an den Sander See in die Nähe einer bereits aktiven Saatkrähenpopulation Einsatz von Tierattrappen Fuchs, Waschbär und tote Krähe – durch die Kombination der Attrappen konnte bereits zu Beginn der Vergrämung und noch vor Umsetzung der Nester ein Rückgang der Population beobachtet werden.

Das Problem mit den Vögeln sind vor allem ihre Lautstärke und ihr Kot: Nordwest-Krankenhaus, Pflegeheim Sanderbusch, Rettungsdienst – sie alle fordern seit vielen Jahren eine Lösung des Problems. Seit Jahren versucht der Landkreis, die streng geschützten Saatkrähen zu vertreiben. Am Sander See sind seit 2014 Locksimulatoren für die Saatkrähen installiert. Sie sollen die Vögel anlocken – der Erfolg war eher mäßig.

Seit vielen Jahren versucht der Landkreis Friesland, die streng geschützten Saatkrähen vom Krankenhaus-Gelände zu vertreiben – indem im Frühjahr Nester aus den Bäumen entfernt und Krähenklatschen angebracht wurden. Die Saatkrähen sollen an den Sander See umziehen. Dort sind bereits Saatkrähen-Kolonien entstanden.

Bisher waren die Vergrämungsversuche auf dem Krankenhaus-Gelände vergeblich – die Saatkrähen sind einfach zu intelligent und zu standorttreu, um sich so vertreiben zu lassen. Doch die Aktion mit den Attrappen in Verbindung mit Krähenklatschen in den Bäumen und der Entnahme von Nestern hat offenbar Wirkung gezeigt.

Am Gut Sanderbusch wurden 2019 insgesamt 230 Krähenpaare gezählt – im gesamten Krankenhaus-Bereich sogar 324; Ende April 2020 brüteten von den 230 Paaren nur noch 51 dort. Heißt: knapp drei Viertel der Brutpaare sind weggezogen. Das teilte der Landkreis auf Nachfrage mit.

Wo die weggezogenen Brutpaare hingezogen sind, ist zurzeit unbekannt: „Sie lassen sich derzeit nicht an einem anderen/neuen Standort wieder finden. Möglicherweise haben sich weitere Standorte gebildet, wo sich nur vereinzelt Paare finden“, so der Landkreis. Da die Bäume ja inzwischen voll belaubt sind, sind Krähennester auch nicht mehr einfach zu entdecken – eine weitere Zählung ist also erst wieder im Herbst möglich.


Die weitergehende Bewertung der Vergrämungsaktion und mögliche weitere Maßnahmen werden im nächsten Umweltausschuss des Kreistags am 23. Juni vorgestellt.