Wangerooge - Der Leuchtturm Roter Sand droht im Meer zu versinken. „Der Turm vergammelt von innen her“, warnt Rolf Pilz, Vorsitzender des Fördervereins Roter Sand. Das Seezeichen mit seinen charakteristischen Erkern ist zwar nicht mehr in Betrieb, gilt jedoch als Symbol des Leuchtturms schlechthin und blieb Auswanderern im vorigen Jahrhundert als „letzter Gruß der Heimat“ in Erinnerung.
Von der Ostspitze Wangerooges steht der Turm nur sechs Seemeilen, rund elf Kilometer, entfernt auf dem „Roten Grund“ – einer Muschelbank – in der Außenweser. Das Dach des Turmes ist undicht und lässt Regen in die Turmhülle eindringen. Geplant war, die Leckstelle vor Wintereinbruch zu beheben, doch mal passte das Wetter nicht, ein anderes Mal hatte der Handwerksbetrieb keine Mitarbeiter für den kniffligen Auftrag, so der Förderverein.
Kosten in Millionenhöhe
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) verwaltet den Leuchtturm. Im April 2021 wurde ein Gutachten vorgestellt. Experten schlugen drei Varianten vor. Zwei dieser Varianten behandeln die Sanierung des Turms an Ort und Stelle. Die dritte Möglichkeit wäre, den Turm an Land zu setzen. Der Förderverein hat sich für die Sanierung an Ort und Stelle stark gemacht. Aber die Deutsche Stiftung Denkmalpflege hat bisher keine Entscheidung gefällt. Vermutlich nicht zuletzt deshalb, weil von Kosten zwischen 2,5 und 12,5 Millionen Euro die Rede ist.
Ob diese Kalkulation noch passt, ist zweifelhaft. Schließlich müssen der Bund als Eigentümer und das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege den Sanierungsplänen zustimmen. Der Förderverein, der sich seit über 40 Jahren für den Leuchtturm Roter Sand einsetzt, fordert eine baldige Entscheidung.
Klimawandel
„Die Klimaveränderungen haben dazu geführt, dass die Zukunft des Leuchtturms uns Sorge macht: Er wurde nicht für die Situation errichtet, die sich den Voraussagen der Experten nach durch den Klimawandel zunehmend entwickeln dürfte“, sagt Thomas Mertz, Sprecher des DSD. „Es ist zwar nicht mit einer unmittelbaren Gefahr zu rechnen, doch die Berechnungen der klimatischen und meteorologischen Veränderungen in der Nordsee für die kommenden Jahrzehnte zwingen jetzt zum Nachdenken, um das Denkmal nachhaltig zu schützen.“
Keine Vergleichswerte
Die Ergebnisse der Gutachten, die sich aus dem Symposium im April 2021 ergeben hätten, würden derzeit von Fachleuten ausgewertet, um zu einem handfesten Ergebnis zu gelangen, so die Stiftung. Sie bedauert, dass für den Erhalt des Roten Sands bisher kaum gespendet wurde. Vor einer Entscheidung müssten die technischen Möglichkeiten und die zu erwartenden Kosten verlässlich festgestellt und abgewogen werden. Da der Turm einmalig sei, gebe es hierfür keine Vergleichsmöglichkeiten, die für die Auswertung des Gutachtens zu Rate gezogen werden könnten, macht die Deutsche Stiftung Denkmalschutz deutlich.
