Schenum - „Wir haben wieder viele Versprechungen von den Kandidaten gehört, doch nach der Wahl fehlt das Umsetzungsvermögen“: So formulierte es ein Teilnehmer am Polit-Frühschoppen des Kreislandvolkverbandes Friesland. Auf dem Hof der Familien Janssen in Schenum trafen das Kreislandvolk um Hartmut Seetzen zum Frühschoppen mit den Bundestagskandidaten. Geschäftsführer Manfred Ostendorf moderierte die Diskussion mit Siemtje Möller (SPD), Anne Janssen (CDU), Sina Beckmann (Grüne) und Hendrik Theemann (FDP).
Bangen um Zukunft
Die Themen, die Hartmut Seetzen nannte: Tierwohl-Auflagen, Klimawandel, Versiegelung von Flächen, Freigabe landwirtschaftlicher Flächen für Blühstreifen oder Fotovoltaikanlagen – doch Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung stehen natürlich im Mittelpunkt. Weil die Nutzung des Grünlands immer mehr eingeschränkt wird, bangen Frieslands Landwirte um das Futter für ihr Vieh – niedrige Preise, steigende Kosten und ständig steigende Auflagen nehmen ihnen die Zukunftsperspektiven.
Seetzen befürchtet sogar, dass mit der veränderten EU-Förderung ab 2023 „zwei Drittel unserer Familienbetriebe in Friesland in den nächsten zehn Jahren aufhören werden“. „Die Tierhaltung in Deutschland muss auf jeden Fall erhalten bleiben, wir dürfen uns nicht vom Ausland abhängig machen“, sagte Anne Janssen.
Siemtje Möller setzt auf ein Tierwohllabel, das Verbrauchern Orientierung zu Haltungsbedingungen und Herkunft von Fleisch geben soll. „So können Landwirte, die mehr Tierwohl schaffen, für ihren höheren Aufwand auch bezahlt werden“, sagte sie.
Hendrik Theemann setzt auf die Kräfte des Marktes und fordert europaweit einheitliche Standards. Sina Beckmann meinte, dass die Zahl der Nutztiere in Deutschland reduziert werden müsse. „Die Menge der Lebensmittel ist zu groß; nur wenn sie sinkt, steigen auch die Preise.“ Einigkeit bestand darin, dass die Wertschätzung für regional erzeugte Lebensmittel steigen müsse. Die Entbürokratisierung ist ein großes Thema, so FDP-Kandidat Theemann; Investitionen sollten langfristig über Wahlperioden hinaus ohne das Gießkannenprinzip planbar sein. „Wir kommen aus dem Büro nicht mehr raus“, kritisierte etwa Jörg Ewen die überbordende Bürokratie.
Motivation nimmt ab
„Ich war immer Berufsoptimist, aber mittlerweile fehlt auch mir die Motivation. Es muss etwas passieren, sonst gibt es bald keine heimische Landwirtschaft mehr“, appellierte Gastgeber Jan Janssen sichtlich bewegt an die vier Kandidaten.
Johann Harms-Janssen und Christian Lange aus dem Wangerland merkten an, dass es wenige Unterschiede in den Parteiprogrammen gibt. Dafür vermissen sie bei den Abgeordneten den Einsatz für ihre Region abseits der Parteidisziplin.
