Jever - Zur Vorbereitung aromatischer Speisen oder zur Herstellung wohltuender Pulver, Pasten und Arzneien: Mörser spielten im Haushalt besonders zur Winterzeit eine wichtige Rolle, tun es noch. Als kostbare Gaben, zum Beispiel zu Hochzeiten, hatten Mörser aus Bronze seit dem späten Mittelalter auch in Friesland Tradition. Natürlich habe es sich da angeboten, so Prof. Dr. Antje Sander vom Schlossmuseum Jever, das Thema auch für die traditionelle Kabinettsstellung im Winter aufzugreifen. In der Ausstellung „Pulver und Pasten – Zur Kulturgeschichte der Mörser“ sind ab sofort zu sehen: rund 25 Bronzemörser aus dem 16. bis 19. Jahrhundert.
„Farbwelten – zerstoßen und gemörsert statt nur auf die Tube gedrückt“: Im Schlossatelier können Kreative und Experimentierfreudige mit selbstgemörserten Farbpigmenten malen. Zwölf Personen ab 14 Jahren können teilnehmen, der Kostenbeitrag liegt bei 7 Euro. Die Termine: Samstag, 3. Dezember sowie 21. Januar, jeweils von 13.30 bis 16.30 Uhr.
„Von Pfefferkörnern, Zimt und Nelken“: In der 30-minütigen Kurzführung geht es um den Duft der vom Mörser zerstoßenen Gewürze. Es darf gemörsert, gekostet und gerochen werden. Die Führung eignet sich für Familien, 20 Personen können teilnehmen. Kosten für Erwachsene: 7 Euro, für Kinder 3 Euro. Die Termine: Sonntag, 4. Dezember sowie 22. Januar, jeweils ab 11 Uhr.
„Und wie das duftet?!“: Zum Tag der offenen Tür im Schlossmuseum Jever ist beim Schlossrätsel der Geruchssinn gefragt. Der Eintritt ist frei. Termin: Sonntag, 11. Dezember.
Mörser von 1768
Die Sammlung stammt zum Teil aus den Beständen des Schlossmuseums. Unterstützt wurden sie zudem vom Vareler Heimatmuseum und dem Museum im Landrichterhaus. Aber auch Privatpersonen haben dem Museum seltene Mörser zur Verfügung gestellt. So unter anderem Reiner Thiesler aus der Wesermarsch, in dessen privater Sammlung sich zwischen zehn und zwölf Mörser befinden. Ein weiteres Exemplar – ein Bronzemörser mit Postament 1768 – diesen ließ Elisabeth, die Tochter des Apothekers Melchior Hemcken, gießen – stammt außerdem aus der Löwenapotheke in Jever und wurde früher für die Herstellung von Arzneimitteln genutzt. Doch unter anderem aufgrund der Gefahr, dass sich giftiger Grünspan bilden könnte, werde dieser schon lange nicht mehr aktiv zum Mörsern verwendet. „Wir verwenden Porzellan- oder Metallmörser“, sagt Sara Trageser, Filialleiterin der Löwenapotheke.
Ursprünglich sollte die Kabinettsstellung schon vor drei Jahren im Schlossmuseum gezeigt werden, berichtet Antje Sander. Die Idee stammte von der kürzlich verstorbenen Ingeborg Borchers, ehemalige Apothekerin aus Neustadtgödens. Den Mörser als besonderen Kulturgegenstand zu betrachten, der nicht nur bloß Alltagsgegenstand ist, mit dem seit Jahrhunderten gearbeitet wird – diese Idee gefiel Antje Sander. Das Spannende: Inschriften und Verzierungen auf dem Mörsern erzählen zudem Geschichten über die Menschen, die die Mörser nutzten.
Bewegende Geschichte
So zum Beispiel die Inschrift „Zum Andenken an Familie Richard Stein Neustadtgödens 1940“, die auf einem der ausgestellten Mörser zu lesen ist. Die jüdische Familie Stein lebte in Neustadtgödens. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde Kaufmann Richard Stein inhaftiert und in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. 1940 wurde die vierköpfige Familie in das Lager in Bremen gebracht und im November 1941 über Hamburg ins Ghetto Minsk verschleppt. Dort wurden die Eheleute Stein, Tochter Emma und Röschen, die Schwester Richards, 1942 ermordet. „Wir vermuten, dass die Inschrift vermutlich von einer Nachbarin der Familie noch in der Zeit des Zweiten Weltkriegs aufgebracht und von ihr verwahrt wurde“, berichtet Antje Sander.
Die Ausstellung „Pulver und Pasten – Zur Kulturgeschichte der Mörser“ kann entweder vor Ort im Schlossmuseum Jever besichtigt werden. Auf der Homepage des Schlossmuseums unter www.schlossmuseum.de können die Mörser zudem auch von zu Hause betrachtet werden. Zu finden sind dort auch Rezepte für winterliche Köstlichkeiten oder gegen Erkältungskrankheiten mit gemörserten Gewürzen und Kräutern.
