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Abi-Jahrgang 2020 An Der Igs Schortens So trist wird der Corona-Schulabschluss

Schortens - Es hätte eine feierliche Verabschiedung mit vielen launigen Festreden gegeben. Mit weisen Worten und guten Ratschlägen des Schulleiters, mit humorigen Beiträgen und noch mehr guten Ratschlägen der Oberstufen-Koordinatoren, mit fröhlichen Anmerkungen und Rückblenden des Jahrgangssprechers und mit den unvermeidlichen Wandertags-Anekdoten, Klassenfahrt-Erlebnissen und Beichten von Lehrer-Streichen. Die Schulband hätte passende Musik gespielt. Und schließlich wären auf der Bühne im Bürgerhaus feierlich die Abi-Zeugnisse überreicht worden. Der Lohn für 13 Jahre Blut, Schweiß und Tränen.

Am Abend wären die jungen Frauen in ihre Ballkleider gestiegen, die jungen Männer in ihre Festanzüge und hätten beim großen Abi-Ball die Nacht durchgetanzt.

Zeugnis vom Postboten?

Stattdessen kommt das Abi-Zeugnis möglicherweise mit der Post. Es gibt keine Festreden, keine Musik, keine Freudentränen. Sebastian Schipper, Sprecher des Abi-Jahrgangs 2020 der IGS Friesland-Nord, wird seine Festrede zu Hause auf Video aufzeichnen und in der Whatsapp-Abi-Gruppe verbreiten. Die Ballkleider und Anzüge bleiben im Schrank. Es wird ein freudloser und schmuckloser Schulabschluss. Corona hat alles vermasselt.

Rena Riemer aus Schortens ist eine von 80 Abiturientinnen und Abiturienten der IGS Friesland-Nord und hat nach den schriftlichen Klausuren im Mai und vor der noch ausstehenden mündlichen Prüfung in Bio ein gutes Gefühl: „Mit dem Abi wird’s schon klappen.“

Doch die Freude, das langersehnte Zeugnis bald in den Händen zu halten, ist getrübt. Schon seit gut zwei Monaten ist klar, dass es für den Abi-Jahrgang 2020 keinen Abi-Streich und keinen Abiball geben wird und dass auch die Verabschiedung mit Zeugnisübergabe ziemlich schlicht ausfallen wird. „Ich finde das sehr traurig. Jeder geht nun seiner Wege. Man kann sich von seinen Mitschülern und den Lehrern nicht mal mehr richtig und angemessen verabschieden.“ Die ganzen Feierlichkeiten auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, davon hält die 19-jährige Schortenserin nichts: „In einigen Monaten nachzufeiern, ist einfach nicht mehr dasselbe. Viele ziehen dann ja auch schon weg, beginnen Ausbildung oder Studium. Da ist der Kopf schon ganz woanders.“


Rena Riemer will in Köln Rechtswissenschaften studieren. Vorher wollte sie mit Freunden noch gemeinsam einen schönen Urlaub im Ausland machen und das Ende der Schulzeit feiern. Auch das ist abgesagt, das Hotel storniert.

Auch Mitschülerin Mareike Nawratil ist enttäuscht, dass ihr und ihren Mitschülern die Corona-Pandemie einen schönen Schulabschluss verdirbt. Dass sie nach 13 Jahren Schulzeit ihr Abi-Zeugnis nun so beiläufig erhält wie einen ganz profanen Vokabeltest, das ist „echt zum Heulen. Ich schiebe da immer noch Frust.“ Statt mit ihren Mitschülern zu feiern, gibt es wohl abends nur eine kleine Feier mit der Familie. Das Fest irgendwann nachholen? „Die Luft ist dann einfach raus“, sagt Mareike. Sie plant ein Jura-Studium in Münster.

Osnabrück statt Ohio

Sebastian Schipper aus Hooksiel hat die Enttäuschung über alle abgesagten Feierlichkeiten abgehakt: „Bringt ja nix.“ Mit dem Lernen und der Vorbereitung auf die Klausuren hat es trotz Corona gut geklappt – „oder gerade deswegen, denn man konnte ja nichts anderes machen in der Zeit“. Auch er hat ein „ganz gutes Gefühl“, wenn am 10. Juli die Abi-Zeugnisse überreicht werden. Entweder vom Briefträger oder doch persönlich im Schul-Sekretariat. Gedanklich ist er schon mehr an der Uni als an der Schule. Sebastian will Medizin studieren.

Wenke Reents hingegen ist doppelt enttäuscht: „So hab’ ich mir meinen Schulabschluss nicht vorgestellt.“ Nicht nur, weil die Abi-Feierlichkeiten entfallen, auf die sie sich so sehr gefreut hat, sondern auch, weil ein Austauschprogramm in den USA nicht stattfinden kann. Für drei Monate wäre sie im Juli nach Amerika abgedüst, „ein bisschen was sehen und kennenlernen von der Welt“. Auf einer Farm im Mittleren Westen hätte sie gelebt und gearbeitet. Nun bleibt sie zu Hause. Osnabrück statt Ohio. Dort hat sie einen Praktikumsplatz an einem Krankenhaus zur Vorbereitung auf ihr Medizinstudium, das sie 2021 beginnen will. Ihr Ballkleid für die Abi-Feier wird sie dennoch tragen: „Ich werde mit meinen Eltern und Geschwistern feiern. Alle ziehen sich fein an und es gibt ein festliches Menü.“

Leon Scharoun hatte sich ebenfalls auf einen feierlichen Schulabschluss im ganz großen Stil gefreut. „Nun ist zum Abschluss nicht mal ein Handschlag möglich, das ist sehr schade.“ Den Abiball auf die Nach-Corona-Zeit zu verschieben, hält der Schortenser für illusorisch: „Dann ist der Jahrgang längst in alle Himmelsrichtungen ausgeschwärmt.“ Leon will in Oldenburg studieren – Mathe und Sport auf Grundschullehramt.

Auch Nantke Koslowski, die es in einen Medienstudiengang zieht, hätte gern einen richtigen Schlusspunkt gehabt. „Wir hatten so viele Ideen. Und ein Grillabend irgendwann ist ja überhaupt kein Ersatz für einen großen Abiball. Es ist alles abgesagt, wir gehen wohl ohne richtigen Abschied.“

Vielleicht wird später einmal das erste Jahrgangstreffen nach fünf oder zehn Jahren umso größer gefeiert.

Das plant die schule

 Nachtrag: Am Freitag teilte ein Sprecher der Landesregierung mit, dass Niedersachsen vom 22. Juni an wieder Schulsport, Abschluss- und Einschulungsfeiern sowie Zeugnisübergaben ermöglichen will. Die Feiern müssten allerdings unter freiem Himmel organisiert werden. Entsprechend der Corona-Verordnung seien dazu maximal 250 Personen zugelassen. Der Sprecher schloss nicht aus, dass je nach Entwicklung der Infektionslage auch wieder größere Veranstaltungen drinnen ermöglicht werden...

IGS- Schulleiter Wolfgang Ernst­orfer und sein Kollegium fänden eine Abi-Entlassung ohne Feier auch „unendlich traurig für die Schüler“. Die Feierstunde im Bürgerhaus ist längst abgesagt, aber zumindest „im kleinen Rahmen“ wolle man den Abiturienten einen angemessenen Abschied bereiten. Allerdings nicht unter freiem Himmel mit all den Vorschriften. „Da kommt keine Stimmung auf, die Feierlichkeit ausstrahlt“, so der Schulleiter. Zudem sei das mit Blick aufs Wetter schwer planbar.

Stattdessen soll es wohl in der Schule eine Verabschiedung in kleinen Gruppen mit den Tutoren geben. Das Zeugnis per Post zu versenden, wie es offenbar bereits an anderen Schulen geplant wird, wird es an der IGS nicht geben, betont Ernstorfer „Das wird in der Schule übergeben. Soviel persönlicher Kontakt muss noch möglich sein.“

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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