Schortens - Schortens soll eine fahrradfreundliche Stadt werden. Ein entsprechendes Fahrradkonzept hat am Mittwochabend Henning Cassens vom Ingenieurbüro für Straßen und Tiefbau (IST) im Ausschuss für Planung und Bauen im Bürgerhaus Schortens vorgestellt. Auch wenn er einleitend vom „finalen Abschlussbericht“ sprach und bereits ein Beschlussvorschlag vorlag, der das Konzept absegnen sollte, kam es anders. Ausschussmitglieder bemängelten die fehlende Bürgerbeteiligung. Doch von vorn.
Radwege bewertet
Dass die Fahrradsituation in Schortens verbessert werden soll – darin sind sich die Ausschussmitglieder einig. Aus diesem Grund wurden vom Ingenieurbüro unter anderem die Zustände und die Beschaffenheit der Radwege bewertet. Auch die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder – rund 2800 im gesamten Stadtgebiet – wurden im Konzept festgehalten. „Dort, wo keine Radverkehrsanlagen ausgeschildert oder vorhanden waren, wurde die Fahrbahn aufgenommen, um später ein gesamtes Radverkehrsnetz abbilden zu können“, erklärte Cassens. Und es wurde überprüft, wo sich Piktogramme als sinnvoll erweisen würden.
Berücksichtigt wurde für das Konzept auch eine Unfallanalyse der vergangenen drei Jahre, bei denen Radfahrer involviert waren. „Es hat sich herausgestellt, dass außerhalb des Stadtkerns wenige Unfälle registriert wurden“, so Cassens. Im Stadtkern sehe das hingegen etwas anders aus. In der Jeverschen Straße, im Bereich der Bahnschienen käme es vermehrt zu selbstverursachten Fahrunfällen, da sich die Fahrräder in den Bahnschienen verkeilen. „Um Unfälle dort zu vermeiden, sollten die Radfahrenden deutlich vor den Schienen auf eine Nebenanlage geführt werden“, erklärte der Experte. Abgesehen davon gebe es auch im Stadtkern keine Unfallschwerpunkte. Aus den Erhebungen erfolgte schließlich eine Bewertung nach der Empfehlung für Radverkehrsanlagen (ERA) sowie der Straßenverkehrsordnung (StVO).
Die Umsetzung des Fahrradkonzepts funktioniere jedoch nicht von heute auf morgen. Die Stadt Schortens rechnet derzeit mit 15 Jahren. Für das Haushaltsjahr 2023 rechnet die Stadt mit Kosten von 300 000 Euro und für 2024 mit 600 000 Euro. Für Sanierungsmaßnahmen können jährlich 100 000 Euro hinzukommen. Diese Kosten muss die Stadt allerdings nicht alleine tragen. Es können Fördertöpfe generiert werden, wie beispielsweise „Bike & Ride“ oder „Klimaschutz durch Radfahrer“. Diese könnten das Projekt beispielsweise mit bis zu 75 Prozent fördern. Finanzschwache Kommunen erhalten eine Förderung von bis zu 90 Prozent.
Beteiligung fehlt
Wolfgang Ottens (Grüne) bemängelte im Anschluss, dass die Bürger und Vereine nicht noch einmal die Möglichkeit hatten, das fertige Konzept zu sehen. „Bevor wir etwas im stillen Kämmerlein beschließen, wäre das der richtige Weg“, machte er deutlich. Deshalb beantragte er, den Beschluss des Konzepts zu verschieben und zunächst die Öffentlichkeit einzubeziehen. Unterstützung erhielt Ottens von Ralf Thiesing (CDU) sowie von Bernhard Zimmering vom ADFC-Friesland, der dem Ausschuss ebenfalls beiwohnte. „Je mehr Menschen sich beteiligen, desto besser“, betonte Zimmering, nachdem Bürgermeister Gerhard Böhling ihn um seine Einschätzung gebeten hatte. Dem stimmten schließlich auch die weiteren Ausschussmitglieder zu. In den kommenden Wochen soll nun eine Öffentlichkeitsbeteiligung – voraussichtlich im Bürgerhaus – stattfinden.
