Schortens - Erstimpfung, Zweitimpfung oder gar zum Nach- oder Auffrischungsimpfen (Boostern): Für großen Andrang hat das als Internationale Impfaktion und zunächst überwiegend für Flüchtlinge und Migranten geplante Angebot des Jugend- und Familienzentrums „Pferdestall“ in Schortens gesorgt. Flüchtlinge und Migranten kamen natürlich auch zum Stichtag am Dienstag in den „Pferdestall“ - aber auch viele andere. Die Aktion hatten „Pferdestall“-Leiterin Sandra Gudehus und ihr Team in Abstimmung mit dem Landkreis Friesland organisiert und dazu ein mobiles Impfteam der Johanniter angefragt. Für die Altersgruppe bis 29 Jahre wurde das Vakzin von BionTech verimpft, alle ab 30 Jahre erhielten Moderna.
Aufklärungsdefizit
Die Planungen für diese Impfaktion begannen Anfang November im Weltcafé der „Pferdestall“, berichtet Sandra Gudehus. Dort hätten viele Migranten erklärt, sei seien noch nicht geimpft. „Wir haben festgestellt, dass es in dieser Gruppe ein Aufklärungsdefizit gibt und oft auch die Sprachbarriere dazu beiträgt.“ Daher habe man sich überlegt, ein mobiles Impfteam anzufragen und über den Landkreis mit den Johannitern Kontakt aufgenommen und den Termin vereinbart. „Und dann kam im Laufe der Planungen irgendwann das Thema auf, dass man auch ,boostern’ könnte.“ Zu den Vorbereitungen der Aktion gehörte unter anderem auch, dass das „Pferdestall“-Team die Aufklärungsbögen vom Robert-Koch-Institut, die es auch in übersetzter Form gibt, parat hatte. Außerdem wurden Dolmetscher eingeladen, die den Migranten das Prozedere erklärten und Fragen beantworten konnten.
Erreicht und eingeladen wurden die Flüchtlinge und Migranten über verschiedene Kanäle: Zum einen direkt über die Integrationslotsen, außerdem im „Weltcafé“ oder auch über die interkulturelle Arbeitsstelle IBIS, die ebenfalls im „Pferdestall“ Beratungsangebote für die Zielgruppe der Flüchtlinge anbietet und das unter anderem in ihren Deutsch-Kursen publik machte. Letztlich wurden auch alle anderen Gruppen angesprochen, die das Haus besuchen: im Elterncafé, Seniorencafé oder auch die Jugendlichen. So wurde aus dem zunächst für die Zielgruppe Migranten geplanten niederschwelligen Impfangebot an einem Ort, den sie kennen, ein offenes Impfangebot für alle.
Der Impf-Druck wächst
Zu denen, die sich nun (nochmals) impfen ließen, gehörte auch eine Gruppe erwachsener Behinderter des Vereins „Lebensweisen“. „Die wurden allerdings vorgezogen, damit die sich nicht in die Warteschlange einreihen mussten, weil das für diese Menschen ohnehin alles sehr aufregend ist“, sagte Gudehus.
Zum Impfen reihten sich beim „Pferdestall“ letztlich alle Altersgruppen, viele Nationalitäten und auch beispielsweise Leute aus Ostfriesland ein, die gerade beruflich in Schortens zu tun hatten. „Dazu gab es viele telefonische Nachfragen“, so Gudehus. „Man merkt: Viele haben jetzt den Druck durch den Arbeitgeber.“ Ihre Folge-Impfungen können sich alle Impfwilligen am Dienstag, 21. Dezember, von 15 bis 18 Uhr im „Pferdestall“ abholen.
