Schortens - Auf eine breite Mehrheit hatte Karsten Hage gehofft, aber es kam noch besser: Der Schortenser Stadtrat hat den 57-Jährigen mit einstimmigem Votum zum neuen Ersten Stadtrat und damit zum Nachfolger von Anja Müller (59) gewählt, die Ende Oktober in den Ruhestand geht. Hage ist künftig nach Bürgermeister Gerhard Böhling „der zweite Mann“ im Rathaus.
„Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Hage am Donnerstagabend nach seiner Wahl. Er bedankte sich beim Rat für das Vertrauen und versprach, es nicht zu enttäuschen.
Dienstantritt am 1. Juli
Am 1. Juli tritt Hage als Wahlbeamter für acht Jahre in die Dienste der Stadt Schortens. Am 1. November, mit dem Ausscheiden von Anja Müller, übernimmt er auch die allgemeine Vertretung von Bürgermeister Gerhard Böhling (65). „Ich bedauere das sehr“, sagte Böhling zum Weggang von Müller und äußerte sich zugleich überzeugt, mit Hage einen hoch qualifizierten Nachfolger gefunden zu haben.
Der neue Erste Stadtrat Karsten Hage ist kein Laufbahnbeamter (wie Anja Müller), sondern Wahlbeamter, also vom Rat gewählt. Diese Stelle ist mit B2 (rund 8200 Euro pro Monat) deutlich höher besoldet. Mit Blick auf die Größe der Stadt und die anstehenden Aufgaben hat sich die Politik für diese Ausschreibung entschieden.
Als Wahlbeamter, gewählt auf acht Jahre, hat Hage weitreichendere Befugnisse als ein Laufbahnbeamter. Ein Wahlbeamter kann während seiner Amtszeit abgewählt werden. Dafür müssten jedoch bestimmte Bedingungen erfüllt sein.
Hage arbeitet seit mehr als 40 Jahren im öffentlichen Dienst. Der gebürtige Diepholzer hat bei der Samtgemeinde Rehden eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten absolviert, nach dem Wehrdienst ein Studium an der Niedersächsischen Hochschule für Verwaltung und Rechtspflege als Diplom-Verwaltungswirt abgeschlossen und anschließend in der Verwaltung seiner Geburtsstadt Diepholz gearbeitet, zuletzt als Fachdienstleiter Finanzen sowie als allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters.
Vor inzwischen neun Jahren wechselte Hage als Bürgermeister in die kleine Gemeinde Lindern im Kreis Cloppenburg mit rund 4900 Einwohnern. 2021 wurde er mit 87 Prozent Ja-Stimmen wiedergewählt. Gegenkandidaten gab es nicht.
„Politische Wellen schlagen hoch“
Sein jetzt anstehender Wechsel nach Schortens, den Hage erst nach seiner Wahl am Donnerstag bekannt gegeben hat, lässt indessen in Lindern „die politischen Wellen hochschlagen“, wie es in einem Pressebericht heißt. Hage ist CDU-Mitglied, liegt aber seit Monaten im Clinch mit der CDU-Mehrheitsfraktion im Gemeinderat Lindern. Im Kern geht es wohl darum, dass die dortige CDU ihren Parteifreund als einen der ihren ansieht, während Hage den überparteilichen Charakter des Bürgermeisteramtes betont: „Ich bin kein Parteisoldat. Ich bin allen Einwohnern gegenüber verpflichtet“, sagt er gegenüber dieser Zeitung.
Rat und Verwaltung in Lindern teilte Hage mit, dass er keine Grundlage für eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit mit der CDU-Fraktion mehr sehe. In wichtigen Bereichen gebe es tiefe Gräben und unterschiedliche Auffassungen. Schweren Herzens habe er sich entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen und einen beruflichen Neuanfang zu starten.
„Ich gehe erhobenen Hauptes“
Sein Wechsel nach Friesland sei gleichwohl weniger eine Entscheidung gegen Lindern als vielmehr eine für Schortens, sagt Hage. Die Gemeinde Lindern sei gut aufgestellt: „Ich gehe nicht im Groll – ich gehe erhobenen Hauptes.“ Der 57-Jährige freut sich auf die neue Herausforderung in Schortens und auf „lebendige Diskussionen“ im Rat.
Zu Schortens hat Hage persönliche Beziehungen: Seine Ehefrau Sandra betreibt dort (und in Lastrup) seit 20 Jahren eine Ergotherapie- und Logopädiepraxis. Nachdem sich ihr Leben in den vergangenen Jahren vor allem um ihn gedreht habe, freuen sich Sandra und Karsten Hage nun auf eine gemeinsame Zukunft in Schortens.
