Schortens - Wussten Sie, dass veganer Käse in Europa nicht als Käse bezeichnet werden darf? Denn Milch, so die EU-Richter, ist Produkten vorbehalten, die aus der „normalen Eutersekretion“ von Tieren gewonnen werden – was auch für weiterverarbeitete Produkte wie Käse gilt. Jutta Hartwig kann darüber nur den Kopf schütteln: „Als ob die Verbraucher nicht intelligent genug wären, die Bezeichnung ’veganer Käse’ von ’Käse’ unterscheiden zu können.“
Vegane Wurst aus Grafschaft
Die 68-Jährige, die im Schortenser Ortsteil Grafschaft mit ihrem Mann Reinhard den Bioladen Sonnenblume führt, hält sich aber natürlich an Recht und Ordnung: Den Käse, den sie selbst herstellt, nennt sie Keese. Und sollte die EU sich irgendwann entschließen, auch Fleischalternativen gesetzlich gänzlich umzubenennen – noch darf die vegane Sojabratwurst vegane Sojabratwurst heißen – hat sie auch bereits vorgesorgt: Ihre selbst geräucherten Sorten tragen das V im Namen: Lebervurst, Knackvurst, Hafer-Grütz-Vurst und Lemanns-Vurst Pfälzer Art. Oder, passend zur Jahreszeit: Kohl-Pinkel. Mit dem V für vegan in Gedanken.
Feierabend? Den kennt Jutta Hartwig kaum. Ist ihr Geschäft geschlossen, backt sie Brot, vegane Kuchen und Torten für das Fair-Café oder probiert sich an neuen Keese- und Vurstrezepturen. Die Nachfrage nach den selbst gemachten Alternativen ist höher, als sie sie allein erfüllen kann – weswegen es mitunter Glückssache ist, eine der deftigen veganen Leckereien, die die Hartwigs auch bundesweit verschicken, zu ergattern. Das hat Gründe: Ein ordentlicher Blauschimmelkäse, der auf der Basis von Tofu oder Nüssen, meist Cashews, entsteht, muss über Wochen täglich gewendet werden. Andere Käsesorten reifen schneller, es gibt solche mit Paprika, Pfeffer, Bockshornklee, Walnüssen, Bärlauch und Natur. Die Herstellung der Vurst, die im Smoker zwei bis drei Stunden geräuchert werden, ist zwar etwas einfacher, aber Massenproduktion ist bei den Hartwigs, die selbst seit Jahren vegan leben, sowieso nicht angesagt.
Einkaufen ohne Verpackungsmüll
Wer in die Sonnenblume kommt, sollte etwas Zeit mitbringen. Zum Umschauen. Zum Probieren. Und zum Abwiegen, denn der Bioladen hat eine große Unverpackt-Abteilung zum nachhaltigen Shoppen ohne Verpackungsmüll. Wer es dennoch schneller mag, findet im Kühlschrank vegane Produktalternativen größerer Hersteller wie das Virginia-Steak und die Chorizo-Bratwurst von Wheaty oder die Käsealternative von Simply V.
Über das genaue Rezept ihre selbst gemachten Vürste schweigt Jutta Hartwig. Jedoch verrät sie, dass „eine Art Reispapier“ die Füllung umhüllt. Außerdem enthalten: Getreide, Kräuter, Tofu oder Seitan. Ihren Kunden gibt sie zwar mit auf den Weg, die Vurst noch etwas liegen oder hängen zu lassen, damit sie härter wird. Das ist den meisten aber egal: Ihnen schmeckt das Produkt so, wie es ist. Vielleicht nicht immer genau wie Fleisch – aber das muss es ja auch gar nicht.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10 bis 12.30 Uhr und 14.30 bis 18 Uhr, sowie Samstags von 10 bis 12.30 Uhr.
