Schortens - Im Bauern- oder Klostergarten beim Regionalen Umweltzentrum ist jeden Tag „Tag der offenen Gärten“ – aber am schönsten ist es dort jetzt im Sommer, wenn alles grünt und blüht und duftet und der Garten seine ganze Pracht entfaltet. Der Klostergarten beim Klosterpark steht jedem jederzeit offen. Und wer mag, darf sich auch an den Früchten bedienen, darf an Erdbeeren, Heidelbeeren oder Stachelbeeren naschen, sich Rhabarber mitnehmen für den Kuchen oder Bohnen oder einen Kohl frisch aus dem Beet fürs Mittagessen.

Zwar ist vom Kloster, der dem Klosterpark seinen Namen gab, nur noch eine Ruine übrig, aber der rund 2500 Quadratmeter große Klostergarten ist eine Oase, ein Ort der Ruhe und Entschleunigung, ein Lernort für Schulklassen und für alle, die sich für Gesundheit und Ernährung interessieren.

Küchengemüse und vor allem (Heil-) Kräuter spielen eine große Rolle im ökologisch-historischen RUZ-Garten. Ein mittlerweile etwas ausgeblichenes Bodenmosaik veranschaulicht im Apothekergarten, welchen Organen welche Kräuter mit besonderen Heilkräften zugewiesen werden.

Der Klostergarten, um den sich seit einigen Jahren „Klostergärtner“ Erich Janssen kümmert, wurde vor mittlerweile 25 Jahren als Bauerngarten zwischen Umweltzentrum und Klosterruine angelegt. Gartenarchitekt war Hartmut Müller-Mangels, heute Vorsitzender der Kreisgruppe Friesland des Bund für Umwelt und Naturschutz, der den Klostergarten als Bauerngarten mit seiner typischen Aufteilung mit einem Wegkreuz und Buchsbaumhecken gestaltete – inzwischen wurden die nach Pilzbefall erkrankten Buchsbäume durch Eiben ersetzt.

An der Gestaltung und Pflege des Gartens lange maßgeblich beteiligt waren zudem Susanne Eckhoff und später das Ehepaar Gisela und Henry Weinbecker aus Schortens. Die hatten sich besonders um den Erhalt der fast 1000-jährigen Eibe verdient gemacht – ein botanischer Methusalem, der vermutlich noch mal 150 Jahre älter ist als die Mitte des 12. Jahrhunderts erbaute St. Stephanus-Kirche.


Im Lauf der Jahre gab es viele Erweiterungen, der Klostergarten hat sich stets verändert und ist gewachsen. So entstanden ein Duftbeet, Kräuterbeete und eine Kräuterspirale, eine Teichlandschaft, an der sich besonders die Libellen und viele andere Insekten wohlfühlen. Auf den kleinen Gemüsebeeten wachsen Bohnen und alte Kartoffelsorten wie der „Blaue Schwede“, außerdem Rotkohl, Weißkohl, Spitzkohl und Küchenkräuter.

Ein Laubengang sorgt für Schatten, und Bänke rund um einen alten und mittlerweile trockengelegten Brunnen aus dem frühen 19. Jahrhundert laden ebenso zum Verweilen und Genießen der Natur ein. Insektenhotel und ein Bienenschaukasten sind hier fast obligatorisch.

In Corona-freien Zeiten sind oft Kindergartengruppen und Grundschulklassen hier, berichtet Erich Janssen. Dann wird gemeinsam erkundet, erklärt und gepflanzt und später im Jahr geerntet. Veranstaltungen sind momentan noch nicht wieder möglich, den „Tag der offenen Gärten“, vom Umweltzentrum mitorganisiert, nutzten aber doch einige Besucher, um den Klostergarten und seine besondere Historie zu erkunden.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever