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Neue Dauerstellung nach Sanierung Schulmuseum in Zetel packt heiße Eisen an

Thorsten Soltau
Ein echtes Unikat: Den Globus hat Geografielehrer Heinz Mühlenstedt 1951 in Handarbeit aus Fahrradspeichen und Pappmaché hergestellt. Er ist Teil der neuen Dauerausstellung, zu der Schulmuseumsleiterin Heike Ahlborn und Bernd Hoinke vom Förderverein Schulmuseum einladen.

Ein echtes Unikat: Den Globus hat Geografielehrer Heinz Mühlenstedt 1951 in Handarbeit aus Fahrradspeichen und Pappmaché hergestellt. Er ist Teil der neuen Dauerausstellung, zu der Schulmuseumsleiterin Heike Ahlborn und Bernd Hoinke vom Förderverein Schulmuseum einladen.

Thorsten Soltau

Bohlenbergerfeld - Was leisten Kinder in der Schule unter dem Einfluss von Alkohol? Was nach einem ethisch fragwürdigen Experiment klingt, war zu Beginn der Jahrhundertwende wissenschaftliche Praxis. Das Ergebnis lässt sich einem Schulwandbild entnehmen, welches Teil der neuen Dauerausstellung „Die Welt erleben – Naturkunde und Naturgeschichte in der Schule“ im Schulmuseum Bohlenbergerfeld ist. Die Ausstellung im komplett renovierten Obergeschoss bietet Eindrücke aus 100 Jahre Landschulunterricht und ist ab dem nächsten Wochenende zu besichtigen.

Wertvolle Aufnahmen

Besucherinnen und Besucher erwartet eine Zeitreise durch vier Epochen: Die mit Liebe zum Detail eingerichtete Ausstellungsfläche zeigt diverse Exponate, seltene Übersichten und Schulwandbilder aus der Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er Jahre sowie Objekte aus der Zeit deutscher Kolonien in Afrika. Ebenfalls erstmal zugänglich gemacht werden wertvolle 16-Millimeter-Aufnahmen, die eigens für die Dauerausstellung digitalisiert worden sind.

Anschauliche Geschichte: Neben kunstvollen Schaukästen, Schulwandbildern und Exponaten finden sich in der neuen Dauerausstellung historische Sammelordner, wie diese Werkstoffübersicht.  Foto: Thorsten Soltau

Anschauliche Geschichte: Neben kunstvollen Schaukästen, Schulwandbildern und Exponaten finden sich in der neuen Dauerausstellung historische Sammelordner, wie diese Werkstoffübersicht. Foto: Thorsten Soltau

Im Bereich der neuen Ausstellung kann man das Fauchen und Zetern der beiden Wiesel im immergrünen Unterholz förmlich durch die dünne Glasscheibe des Dioramas hören. Die präparierten Tiere wirken trotz der starren Szenerie lebendig. Wenige Meter weiter blicken aus Kokosnüssen gefertigte Köpfe mit aus Muscheln gefertigten Augen auf den Betrachter. Die neue Dauerausstellung im Nordwestdeutschen Schulmuseum mit dem Titel „Die Welt erleben – Naturkunde und Naturgeschichte in der Schule“ erstreckt sich auf mehr als 200 Quadratmeter Fläche.

Führungen möglich

Rund anderthalb Jahre hat die Planung in Anspruch genommen, erläutert Geschäftsführerin Heike Ahlborn. Bei Regen tröpfelte es in die Innenräume – es wurde Zeit für eine umfassende Renovierung. „Wir haben enorm an Fläche gewonnen“, freut sich Heike Ahlborn.

Die Ausstellung zeigt etliches, was bis dato im Archiv aufbewahrt geblieben ist. Das Thema Naturkunde sei bisher etwas zu kurz gekommen, erläutert Heike Ahlborn. Eine Schenkung der Vareler Hafenschule diente schließlich als Initialzündung für den Planungsprozess. Die Schule hatte mehrere Kisten mit Exponaten übergeben. „Darunter vieles aus der Zeit deutscher Kolonien“, erklärt Heike Ahlborn.

Jedem Objekt steht als roter Faden ein entsprechendes Schulbuch und Schulwandbild gegenüber. „Das ganze ist so gehalten, dass es nicht zu wissenschaftlich wird und nachvollziehbar für eine möglichst große Personengruppe bleibt“, erklärt Heike Ahlborn, die gerne Personen und Gruppen im Rahmen einer Führung in die Ausstellung eintauchen lässt.


Untergeschoss folgt

Bernd Hoinke, Vorsitzender des Fördervereins des Schulmuseums, hält die Dauerausstellung für einen Meilenstein in der Entwicklung der Einrichtung. „Die vergangenen drei Jahre haben wir unglaublich viel umgesetzt“, sagt Bernd Hoinke. Im nächsten Schritt soll das Untergeschoss energetisch saniert werden.

Übrigens: Das aus heutiger Sicht befremdlich wirkende Alkoholexperiment hat keine nennenswerten neuen Erkenntnisse erbracht. „Die Schulleistung hat unter dem Einfluss von Bier und Branntwein deutlich gelitten, was keine wirkliche Überraschung ist“, erklärt Geschäftsführerin Heike Ahlborn.

Etwas ironisierend wirkt das Schulwandbild daneben: Dies zeigt in ungeschönter Deutlichkeit den Verfall durch Alkoholismus.

Auf einen Blick

Die Dauerausstellung „Die Welt erleben – Naturkunde und Naturgeschichte in der Schule“ ist ab Sonntag, 13. November, im Nordwestdeutschen Schulmuseum Zetel Bohlenbergerfeld, Wehdestr. 97, zu sehen.

Geöffnet ist das Museum ganzjährig sonntags von 13 bis 17 Uhr und zusätzlich nach Vereinbarung. Gruppenanmeldungen sind auch für alle anderen Wochentage (ab zehn Personen) für das Café möglich. Anmeldung dienstags bis freitags, neun bis zwölf Uhr bei Nadine Henkensiefken, Tel.: 0171/7095264.

Führungen können vereinbart werden unter Tel. 044 53/1381 sowie per E-Mail an info@schulmuseum.de. Der Eintritt ins Museum kostet 3,50/2 Euro.

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