Wangerooge/Langeoog - Die Segeljacht „Silja“ kenterte am 26. August vergangenen Jahres in der Accumer Ee, dem Seegat zwischen Langeoog und Baltrum. Dabei kam ein Besatzungsmitglied ums Leben. Der Leichnam des Mannes, eines Studenten aus Göttingen, blieb verschollen. Mit dem Seeunfall befasste sich die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg, die Nachfolgerin der früheren Seeämter. Die BSU hat jetzt einen Untersuchungsbericht veröffentlicht. Er enthält umfangreiche Hinweise für die Sportschifffahrt und das Befahren der Seegaten zwischen den Ostfriesischen Inseln und ist damit auch für die Insel Wangerooge von großer Bedeutung.
Die „Silja“ Kentert
Weitere Informationen rund um die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) erhalten Interessierte unter www.bsu-bund.de. Auf der Internetseite können außerdem Seeunfälle gemeldet werden, neu erstellte Berichte sind einsehbar und laufende Untersuchungen werden aufgelistet.
Das sieben Meter lange Segelboot „Silja“ geriet auf der Fahrt von Juist nach Langeoog von See kommend südlich der Ansteuerungstonne zur Accumer Ee in schwere Grundsee und schlug um. In Folge der Kenterung gegen 17.50 Uhr ging die dreiköpfige Besatzung Crew, eine Frau und zwei Männer im Alter von jeweils Anfang 20 Jahren, über Bord. Etwa 30 Minuten später sank das Boot. Um 18.27 Uhr gelang es dem Bootsführer mit einem Smartphone einen Notruf abzusetzen, worauf ein umfangreicher Rettungseinsatz anlief, an dem mehrere Einheiten der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), Hubschrauber und weitere Schiffe beteiligt waren.
Das Baltrumer Seenotrettungsboot "Elli Hofmann-Röser" war eines von fünf Einzheiten der DGzRS, die an der Suchaktion der über Bord gegangenen Segelbootsbesatzung beteiligt waren. Foto: Theo Kruse
Drei Stunden nach der Kenterung wurde der erste Segler von einem Seenotrettungskreuzer leblos, mit einer Rettungsweste im Wasser treibend, gesichtet. Beim Versuch, den Mann von Bord des Baltrumer DGzRS-Seenotrettungsbootes „Elli Hoffmann-Röser“ aus dem Wasser zu ziehen, riss der Auftriebskörper von der Weste ab und der Segler versank im Meer. Mit großer Wahrscheinlichkeit war der Segler bereits vor dem Bergungsversuch ertrunken. Gut drei Stunden nach der Kenterung, um 21.25 Uhr wurde die Frau von der Besatzung eines Lotsenversetz-Hubschraubers im Wasser entdeckt und gerettet. Dieselbe Besatzung rettete etwa 30 Minuten später den Bootsführer. Beide Segler trugen Rettungswesten, deren Auftriebskörper sich zum Teil von der Schutzhülle gelöst hatten. Beide Geretteten wurden mit Unterkühlung in Krankenhäuser in Wilhelmshaven beziehungsweise Aurich geflogen.
Die BSU hält in ihrem Untersuchungsbericht fest: „Die ,Silja’ kenterte insbesondere aufgrund kurzer steiler Wellen. Im Bereich der Barre des Seegats Accumer Ee hatten sich bei ablaufender Tide und durch den starken, in Böen stürmischen Wind erzeugten gegenläufigen Windsee von bis zu 2,50 Meter Höhe Grundseen und möglicherweise Brandungswellen gebildet.“ Nach Auffassung der BSU hatten weder die Manöver noch die Bootsgröße maßgeblichen Einfluss auf die Kenterung. Kritisch wurde angemerkt, dass Informationen aus nautischen Veröffentlichungen nicht genutzt worden waren. Der Untersuchungsbericht befasst sich ausführlich mit der Frage, warum der Bootsführer die Route nicht so geplant hatte, wie es für dieses Seegebiet erforderlich gewesen wäre.
Es wurden weitere sicherheitsrelevante Aspekte auf Sportbooten untersucht, die die Rettung beeinflusst hatte. Hierzu zählten unter anderem der Gebrauch von Rettungswesten und die Verwendung von Smartphones als Navigationsgerät. Die BSU hat dazu auf ihrer Homepage detaillierte Sicherheitsempfehlungen veröffentlicht, die sich insbesondere an die Sportschifffahrt richten.
Eigene Notrufnummer
Rechtsverbindliche Regeln zu Konstruktion und Ausrüstung für Sportboote (eine Art TÜV) seien kaum zu finden, stellt das BSU fest. Erörtert wurde auch die Möglichkeit einer maritimen Notrufnummer, die es noch nicht gibt. Aus Sicht der DGzRS-Seenotleitung hätte eine eigene Notrufnummer mehrere Vorteile. Seegehende Jachten sollten zudem grundsätzlich mit einem UKW-Sprechfunkgerät ausgerüstet sein. Eine Schiff-Schiff-Kommunikation sei nur über Seefunkgeräte und nicht über Handys möglich. Darüber hinaus können andere Schiffe in der Nähe aufmerksam werden und Hilfe leisten.
Der Leichnam des ertrunkenen Seglers blieb verschollen. Sechs Tage nach dem Untergang der „Silja“ verfing sich ein Rumpfteil der Jacht im Netz der „Freya“; der Fischkutter hatte östlich der Accumer Ee mit Schleppnetzen gefischt.
