Horumersiel - Mitte Juli ist Andre Engelhardt mit seinem 10-Meter-Katamaran „Running Deer“ zu einem Törn in die Karibik gestartet. Inzwischen hat die zumeist dreiköpfige Crew die Biskaya bezwungen, ist an der portugiesischen Küste entlang gesegelt, hat in Madeira Schäden am Boot behoben und genießt jetzt einige Landtage auf La Gomera (Kanaren); dann geht die Crew die bisher längste Etappe zu den Kapverdischen Inseln an.
Seebeine gewachsen
Die ersten Monate als Blauwassersegler haben den Seglern der Segelkameradschaft Horumersiel (SKHS) Seebeine wachsen lassen. Und sie hatten einige Herausforderungen zu bestehen. So zeigten sich nach ersten Stürmen in der Biskaya strukturelle Schäden am Katamaran, die auf Madeira zu beheben waren. Dort hatten Skipper Andre Engelhardt aus Hooksiel und seine Mitsegler Niclas Kreisch aus Münster und Janek Harms aus Großefehn die „Running Deer“ aus dem Wasser gehoben und in einer Werft mit professioneller Hilfe reparieren lassen.
„Nachdem die strahlenden Lichter Madeiras am Horizont erloschen waren und wir unseren Blick gen Süden wendeten, verbrachten wir traumhafte Segeltage auf dem Atlantik mit perfektem Wetter“, schreiben die drei Blauwassersegler in ihrem Blog, der von zahlreichen Freunden der friesländischen Seglerszene verfolgt wird.
Die 290 Meilen bis Lanzarote seien unter Code-Zero (Leichtwindsegel) wie im Flug vergangen. „Die Tage haben wir unter glühender Sonne genossen und die Nächte verzauberten mit taghellem Sternenhimmel“, schwärmen die Horumersieler Weltenbummler. Auf der östlichsten der Kanareninseln habe es dann keine coronabedingten Einreisebeschränkungen gegeben.
In den folgenden Wochen erkundete das Dreigestirn die Kanarischen Inseln: Lanzarote, Fuerteventura und Teneriffa. „Dabei bot sich immer das gleiche Bild: Leer gefegte Strände und leere Flaniermeilen vor geschlossenen Hotels. Hier machen sich Auswirkungen von Corona auf den Tourismus am krassesten bemerkbar“, schreibt die Crew.
Regatta-Start
Im Hafen von Gran Canaria startet alljährlich die Transatlantikregatta ARC (Atlantic Rallye for Cruisers). „Den Startschuss am 8. November wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen“, sagt Andre Engelhardt. Bei den Nachrichten, die aus der Heimat zu hören seien, spürten alle drei Dankbarkeit für die aufregende Zeit auf der „Running Deer“. Die Crew wurde dort gewechselt: Neu kam René Kost aus Wilhelmshaven an Bord. Janek musterte ab und trat die Heimreise an.
In dieser Woche wird die „Running Deer“ weiter gen Süden segeln, 800 Seemeilen bis zu den Kapverden. Der autonome Staat verteilt sich auf 15 Inseln vor der Nordwestküste Afrikas. Die Vulkaninseln liegen rund 950 Seemeilen nördlich des Äquators; ab hier ist beständiger Nordostpassat zu erwarten, der die Segler über den Atlantik treibt. Von den Kapverden geht es dann über rund 2000 Seemeilen Westkurs über den Nordatlantik zur Karibikinsel Barbados, dem Ziel der Horumersieler Segler, die im nächsten Sommer zurück sein wollen.
