Sillenstede - Wer sein Programm intelligent zusammenstellt, schafft eine gute Voraussetzung zum Gelingen eines Konzertes. Dem renommierten Pianisten Severin von Eckardstein ist dies bei zwei Konzerten im Rahmen des Musikalischen Sommers in Ostfriesland mit Klavierraritäten in der Sillensteder St. Florian-Kirche überzeugend gelungen.

Schon bei den impressionistisch angehauchten Klavierminiaturen „Charmes“ des katalanischen Komponisten Frederic Mompou zauberte Eckardstein feine, in der guten Akustik des Kirchenraums sich überlagernde Klanggewebe. Sein sensibles Spiel zeichnete die manchmal an die katalanische Musik erinnernden Melodien mit sicherem Gespür und durchdachter Dynamik. Er entlockte dem Konzertflügel Klangregister wie bei einer Orgel, wenn etwa die Melodie der linken Hand mit Akkorden der rechten koloriert wurde. Schade nur, dass die charakteristischen Titel zu den sechs kurzen Sätzen nicht im Programm standen.

Ludwig van Beethovens „Andante favori“ ist ein klangschöner Einzelsatz, im selben Jahr wie die große „Waldstein-Sonate“ komponiert. Manche Pianisten spielen diesen sogar als langsamen 2. Satz in der Sonate. Severin von Eckardstein gestaltete die melodischen Linien mit guter Phrasierung und großer, fast tänzerischer Leichtigkeit.

Im Mittelpunkt des Programms stand die 1902 komponierte f-Moll Sonate op. 5 des russischen Komponisten Nikolaj Medtner. Was Eckardstein hier an klanglicher Transparenz und orchestraler Größe zeigte, war äußerst beeindruckend.

Schon der erste Satz mit seiner Schwermut und der mitreißenden Dramatik hielt die Hörer in Atem. Im zweiten Satz war mit den konsequenten Schwerpunktverschiebungen und der abgerissenen Melodik die Nähe zum Schlusssatz des 2. Klavierkonzerts von Medtners Studienfreund Rachmaninow zu hören. Der hymnische dritte Satz klang wie eine Hommage an Johannes Brahms. Die plötzlich einfallenden Dissonanzen könnten als Ausdruck der Trauer über dessen Tod wenige Jahre vor der Entstehung der Sonate gedeutet werden. Der Finalsatz bezieht sich zudem auf die dritte Sonate in f-Moll (ebenfalls op. 5) des norddeutschen Romantikers.


Die beim Konzert anwesenden Pianisten wurden jedenfalls angeregt, dieses außergewöhnliche Werk ins eigene Repertoire aufzunehmen. Einen so hervorragenden Musiker wie Severin von Eckardstein möchte man gern nochmals hören, vielleicht dann mit einer anderen der insgesamt 14 Klaviersonaten Medtners.