Varel - Informationen austauschen, Veranstaltungen entdecken oder einfach nur einen Plausch halten – mit Varelern, von Varelern und für Vareler. Das ist in der Dorffunk-App fürs Handy möglich, die seit Mai für die Stadt verfügbar ist. Nach Anlaufschwierigkeiten hat sich die Nutzerzahl der App inzwischen vervielfacht. Waren es im Juni nur knapp 80 Nutzer, hatten bis zum 6. November bereits knapp 700 Vareler die App heruntergeladen. „In den letzten Wochen hat das an Dynamik deutlich zugenommen“, sagt Sprecher Michael Tietz. „Ich bin erstaunt, wie viele bereits mitmachen. Vom Heimatverein und der Kirchengemeinde bis hin zur Stadtbibliothek.“
Alternative zu Facebook
Die Einführung der Dorffunk-App für die Stadt Varel war das Ergebnis eines Bürgerbeteiligungsprojekts im vergangenen Jahr. Hier wurde der Wunsch nach einer besseren Vernetzung innerhalb der Stadt deutlich, um mehr übereinander und über Veranstaltungen im Ort zu erfahren. „Der Dorffunk hat passgenau das im Angebot, was sich Leute gewünscht haben: Bürgerbeteiligung, die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch kommen und eine Präsentierplattform für Vereine“, sagt Bürgermeister Gerd-Christian Wagner.
Die Dorffunk-App sei für viele eine gute Alternative für Facebook, sagt Wagner. „Die Menschen haben den Spaß an Facebook verloren, da dort viel Hass herrscht.“ Gegenüber Facebook habe die App den Vorteil, dass Datenschutzregeln beachtet werden, die App sich keinen Konzerninteressen ausliefere, so Tietz. „Das gibt einem ein besseres Gefühl.“ Zudem ist die App werbefrei.
Niedrige Hemmschwelle
Der „Dorffunk“ sei auch etwas für Menschen, die mit sozialen Netzwerken Berührungsängste haben. Wer sich dort anmeldet, muss nicht mehr über sich preisgeben als den Vor- und Nachnamen, wobei von letzterem nur der Initialbuchstabe angezeigt wird. Die Nutzer müssen keine Profilseite pflegen und solange sie sich nicht mit eigenen Beiträgen zu erkennen geben, können sie nicht angeschrieben werden. Die Reichweite der Nachrichten, die die Nutzer empfangen möchten, lässt sich selbst bestimmen.
Da auch Altersangaben nicht verpflichtend sind, lässt sich vonseiten der Stadtverwaltung zur Altersstruktur nur Vermutungen anstellen. „Es sind viele im reiferen Alter dabei“, vermutet Tietz. „Leute, die hier sesshaft und im Vereinsleben integriert sind.“ Die Sorge, älteren Menschen seien digitale Apps schwer zu vermitteln, habe sich seiner Beobachtung nach nicht bestätigt. So sieht es auch Wagner: „Die App ist nützlich und überfordert niemanden.“
Keine Zielzahlen
Auch die Stadt selbst macht sich die App zunutze. Ob Sanierungsarbeiten oder Verkehrsmeldungen – Informationen werden von nun an nicht nur auf der Homepage der Stadt, sondern vor allem über die App nach Außen getragen. Wagner hofft, dass die App ein Ort wird, in der sich auch die ganz kleinen Veranstaltungen herumsprechen, „wenn irgendwo eine Bratwurst gegrillt und ein Bier gezapft wird“.
Zielzahlen, wie viele Nutzer man sich künftig wünsche, habe man nicht festgelegt. „Die App lebt vom Mitmachen und wächst aus sich selbst heraus“, so Tietz. „Wenn jeder Nutzer die App ein paar Leuten weiterempfiehlt, nimmt es ihren Lauf“, blickt er optimistisch in die Zukunft.
