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Integratives Projekt So bringt das Café Suutje in Schortens-Barkel seit zehn Jahren Bewegung

Lebendig: die Line-Dance-Gruppe „Funny Boots“ des TuS Glarum vor dem Café Suutje.

Lebendig: die Line-Dance-Gruppe „Funny Boots“ des TuS Glarum vor dem Café Suutje.

Christoph Kiefer

Barkel - Das traut man ihnen gar nicht zu: Mit einem Sehfeld von 330 Grad haben Kühe einen fast vollständigen Rundblick. Gelb, Grün und Blau sehen diese Tiere gut – Rot hingegen kaum. Diese und weitere Informationen erhalten Spaziergängerinnen und Spaziergänger auf der Langsamstraße in Barkel. Eigentlich sollte diese zwölfte Station auf der kleinen Straße, die zum Café Suutje, der Werkstatt und der Wohnstätte der GPS führt, schon längst fertig sein. Doch Corona hatte die Pläne verzögert, und so nutzte der Verein Lebensweisen den zehnten Geburtstag des Cafés in diesem Jahr zur Eöffnung der neuen Station.

Ausflugsziel

Das Café, das im Sommer an Wochenenden und Feiertagen nachmittags zu einem Besuch der wunderbar ruhigen Anlage einlädt, gibt es schon seit 2012. „Wir feiern in diesem Jahr die zehnte Saison“, erläutern Peter und Margret Finkenstädt vom Vereinsvorstand, warum der runde Geburtstag erst zwölf Jahre nach Eröffnung gefeiert wird; „zwei Jahre mussten wir wegen Corona pausieren“.

Zur Musik der Band TS Projekt tanzten Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnstätte Barkel und Gäste der Geburtstagsfeier „Zehn Jahre Café Suutje“. Christoph Kiefer

Zur Musik der Band TS Projekt tanzten Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnstätte Barkel und Gäste der Geburtstagsfeier „Zehn Jahre Café Suutje“. Christoph Kiefer

Dass es dieses Café und überhaupt die ganze Einrichtung für Menschen mit Behinderungen auf diesem schönen Fleckchen Erde gibt, ist einer unbändigen Energie und Kreativität der Vereinsmitglieder zu verdanken. Als Zusammenschluss von Eltern mit behinderten Kindern vor gut einem Vierteljahrhundert gegründet, hat der Verein Lebensweisen kämpferisch an dem Ziel festgehalten: Menschen mit Behinderung Wohnen auf dem Land und Arbeiten in der Landwirtschaft zu ermöglichen.

Idee und Realität

Viel Idealismus war dabei, und manche harte Landung auf dem Boden wirtschaftlicher und rechtlicher Realitäten veränderten den Weg. Heute führt die Gemeinnützige Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit Werkstatt und Wohnstätte. Von der angestrebten landwirtschaftlichen Arbeit sind punktuelle Aufträge für Gartenarbeiten geblieben, die ein Teil der Bewohnerinnen und Bewohner übernimmt.

Mitglieder des  Lebensweisen e.V. freuen sich über die neue Kuhstation an der Langsamstraße (v.l.): Jens und Marion Kruse, Margret Finkenstädt, Carsten Bohlken (Leitung Wohnstätte Barkel, GPS), Carl Hermann Wilken, Arthur Keterling, Ulla Lohe und Peter Finkenstädt. Foto: Christoph Kiefer

Mitglieder des Lebensweisen e.V. freuen sich über die neue Kuhstation an der Langsamstraße (v.l.): Jens und Marion Kruse, Margret Finkenstädt, Carsten Bohlken (Leitung Wohnstätte Barkel, GPS), Carl Hermann Wilken, Arthur Keterling, Ulla Lohe und Peter Finkenstädt. Foto: Christoph Kiefer

Stolz ist der Verein auf die Langsamstraße, die von der Accumer Straße bei der Grundschule Glarum zum Café Suutje abbiegt. Grundstückskäufe, Planung, Genehmigung und Finanzierung – es war ein steiniger Weg, bis die kleine Straße schließlich das fernab der Ortschaft gelegene Gebiet erschloss. Hier wie bei vielen anderen Initiativen zahlte sich die gute Vernetzung und Lobbyarbeit aus: Aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft erhält der Verein vielfältige Unterstützung.

Über Kühe

Ganz die Handschrift des Vereins trägt auch die Gestaltung der Straße durch Verweilstationen. Der Name der Straße ist ebenso wie der des Cafés – das plattdeutsche suutje bedeutet sachte, bedächtig – Programm: Behinderte haben ihr eigenes Tempo. Befreundete Künstlerinnen und Künstler, Handwerker und andere Wegbegleiter mehr haben in den vergangenen Jahren an der Langsamstraße einen kreativen Haltepunkte nach dem anderen entlang der Straße geschaffen.

Das Thema der jüngsten Station, das Manfred Folkers aus Oldenburg in den Ideenwettbewerb eingebracht hatte, berührt ein emotional diskutiertes Thema, das war dem Verein klar. Doch auf das glatte politische Parkett sollten die Infos zu Kuhhaltung nicht führen. Es gibt schließlich mehr über diese Tiere zu sagen als Milchleistung und Zuchtmerkmale. Zum Beispiel, dass Kühe Führungskräfte mit guten Sozialkompetenzen auswählen – Aufdringlichkeit und Egoismus gehören nicht dazu, heißt es auf einer Tafel. Dass mehr nötig ist, um erfolgreich zu sein, dafür ist das Café Suutje der beste Beweis.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)
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