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Glücksspiel in Schortens Fördern Spielhallen die Spielsucht?

Spielotheken sind in Schortens, wie in den meisten deutschen Städten, sehr verbreitet. Sie erzählen Geschichten von Einsamkeit, Hoffnung und Kontrollverlust.

Spielotheken sind in Schortens, wie in den meisten deutschen Städten, sehr verbreitet. Sie erzählen Geschichten von Einsamkeit, Hoffnung und Kontrollverlust.

Bruno/Germany/Pixabay

Schortens - In Grafschaft hat jüngst eine neue Spielhalle aufgemacht. Es ist die nunmehr 13. Spielhalle in Schortens. Im Jahr 2022 waren es noch elf Spielhallen und die haben der Stadt immerhin 394.300 Euro Vergnügungssteuer eingebracht.

Doch auch, wenn die Spielotheken für die Stadt viel Geld einspielen, stoßen sie bei vielen Bürgern nicht auf Gegenliebe. Das haben die Reaktionen in den sozialen Medien auf die Berichterstattung im Jeverschen Wochenblatt über die neue Spielhalle deutlich gemacht.

Kritik und Unverständnis in den sozialen Medien

Viele Online-Leser reagieren mit Kritik und Unverständnis, einige stellen in den sozialen Medien gar die Vermutung auf, dass mit der Eröffnung weiterer Spielhallen auch das Suchtpotenzial in der Bevölkerung steigen könnte. „Schortens wird immer ,schöner‘. Da ist die Neueröffnung so einer Spielhalle ein wichtiges Signal, um die Attraktivität des Ortes spürbar zu erhöhen. @Ironie off“, kommentiert Joachim G.

Auch andere Facebook-Nutzer reagieren mit Ironie, sprechen mit einem Augenzwinkern gar von „Klein Las Vegas“. Andere Nutzer meinen, es gehöre verboten, so viele Spielhallen in einem so kleinen Ort zu erlauben. Petra F. schlägt indes vor, dass das Geld „gut in der Krankenkasse investiert“ wäre, denn: „Damit könnte man dann diejenigen therapieren, die an Spielsucht leiden.“

Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2019 weisen in Deutschland mehr als 400.000 Personen im Alter von 16 und 70 Jahren ein problematisches oder pathologisches (krankhaftes) Glücksspielverhalten auf – bezogen auf alle Glücksspielarten. Am problematischsten sind der Studie zufolge jedoch Glücksspielautomaten etwa in Spielhallen.


Menschen mit Spielsucht leiden unter dem zwanghaften Drang, Glücksspiele zu spielen. Doch aus dem anfänglichen Spiel wird schnell Ernst, denn die Folgen von Spielsucht sind häufig dramatisch.

Spielsucht ist eine anerkannte Krankheit

Spielsucht wird von den Krankenkassen als Krankheit anerkannt. „Spielsucht ist eine Krankheit, die die Betroffenen ohne professionelle Hilfe meist nicht bewältigen können“, sagt Imke Janssen von der Suchtberatung Friesland. „Wenn das Glücksspiel eine Funktion bekommt, wenn aus Langeweile oder Stress gespielt wird oder man sich gedanklich nur noch mit dem Spiel befasst und es selbst nicht mehr steuern kann, kann von einer Sucht gesprochen werden.“

Spielsüchtige Menschen verbringen oft täglich mehrere Stunden vor Spielautomaten, in Casinos oder mit Online-Spielen. Die Abhängigkeit ist für Betroffene verhängnisvoll – sie leiden unter Kontrollverlust und entwickeln einen inneren Zwang, der sie immer wieder und immer öfter zum Spielen bringt.

Bei den meisten Glücksspielen entscheidet nicht das Können über den Spielerfolg. Vielmehr sind Gewinn oder Verlust vom Zufall abhängig. „Gewinner ist am Ende immer der Betreiber“, sagt Imke Janssen.

Glücksspielsucht in drei Phasen

Die Glücksspielsucht entwickele sich meist in einem langsamen Prozess über mehrere Jahre. Experten unterteilen die Glücksspielsucht in drei Phasen: das positive Anfangsstadium, das Gewöhnungsstadium und das Suchtstadium.

Zu Beginn spielt der Betroffene nur gelegentlich. Die Einsätze sorgen für Nervenkitzel, die Gewinne für Freude. Sie lassen die alltäglichen Probleme für einige Zeit verschwinden. Das Spiel verläuft reguliert und der Spieler geht weiterhin seinen Verpflichtungen, Freizeitaktivitäten und sozialen Kontakten nach.

Man spricht in dieser Phase vom Unterhaltungs- oder Gelegenheitsspieler. Häufig führen jedoch erste größere Gewinne zu einer starken Verlockung, immer wieder zu spielen. In der Gewöhnungsphase verliert der Spieler allmählich die Kontrolle darüber, wie viel er spielt und wie viel Geld er einsetzt. Das Glücksspiel wird zur regelmäßigen Ablenkung im alltäglichen Leben. Die Gewinne erzeugen ein starkes Glücksgefühl.

Körperliche und psychische Probleme

Im letzten Stadium nennt man die Spieler auch Exzessiv- und Verzweiflungsspieler. Für die Dauer und den Einsatz des Spieles gibt es nun keine rationalen Grenzen mehr. Die Spieler müssen immer mehr Risiko bei den Einsätzen eingehen, um überhaupt noch einen Nervenkitzel erleben zu können.

Im Suchtstadium zeigen die Spieler auch körperliche und psychische Symptome. Stress und Angstzustände nehmen zu. Die Behandlung von Spielsucht gehöre daher in professionelle Hände, sagt Imke Janssen. Hilfe gibt es etwa bei Suchtberatungsstellen, wie bei der Suchtberatung Friesland.

Kim Vanessa Schang
Kim Vanessa Schang Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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