Varel - „Ich weiß, dass die Menschen im Krankenhaus viel zu tun haben, aber es ist zu viel“, sagt Brigitte Watermann aus Varel. Die 79-Jährige ist unzufrieden mit der Behandlung ihres an Demenz erkrankten Mannes im Vareler St.-Johannes-Hospital. Wegen eines körperlichen Zusammenbruchs im Flur des Ehepaares hatte sie den Rettungswagen angerufen. Die Sanitäter brachten ihn nach Sanderbusch, „da hat er sich sehr wohl gefühlt und wurde gut behandelt“, sagt sie. Doch nach der Verlegung nach Varel begann für die Eheleute eine Odysee.
Kritik an Unterbringung
Stressig wurde es mit der verlorenen Kulturtasche ihres Mannes. Nachdem er in Sanderbusch in die Geriatrie in Varel verlegt wurde, bemerkte sie das Fehlen der pinken Tasche. Sie tauchte zwar wieder auf, „mir wurde aber gesagt, ich soll sie in Sanderbusch abholen. Aber ich habe kein Auto“, beschreibt sie die Situation. Darum hatte sie vorgeschlagen, die Tasche einer in Obenstrohe wohnenden Krankenschwester mitzugeben. „Das sind doch die Friesland Kliniken, die müssen zusammenarbeiten und mein Mann brauchte seine Kulturtasche“, erklärt Brigitte Watermann. Doch stattdessen musste sie auf die Postzustellung der Kulturtasche warten.
Schlimm sei die Unterbringung auf der Station 7 gewesen. Es gab beispielsweise keine Toilette auf dem Zimmer, sondern nur auf dem Flur, erzählt Watermann. Weil ihr Mann sich verlaufen hatte, haben die Mitarbeiter ein Schild mit seinem Vor- und Nachnamen angebracht. „Das musste nicht sein, ein Symbol hätte auch gereicht. Viele hier kennen meinen Mann.“ Diese Ereignisse haben ihre Spuren hinterlassen – Seit Januar steht die Diagnose Demenz bei ihrem Mann fest, seit einiger Zeit auch seine Pflegestufe, die eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit attestiert. „Ich habe die ganze Zeit Stress, ich bin schon körperlich eingeschränkt, jetzt auch noch die Psyche. Dass ich überhaupt klar denken kann, wundert mich“, beschreibt Brigitte Watermann ihren Zustand. Auch mit dem Schlafen sei es schwierig, erzählt sie weiter.
Dass ihr Mann gelitten hatte, habe sogar eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes bemerkt und angerufen, „ihr Mann fühlt sich wohl, hat sie zu mir gesagt“, erklärt Watermann. Für die weitere Unterbringung hatte Brigitte Watermann bereits einen Platz im Sankt-Martins Heim in Zetel organisiert. An einem Mittwoch hätte er dort empfangen werden sollen. Doch bereits am Dienstag um 14.30 Uhr bekam sie einen Anruf aus Zetel, „Frau Watermann sitzen Sie? Ihr Mann ist hier“, habe die Frau am Telefon gesagt. Der Schreck sei ihr bis ins Mark gefahren, so Brigitte Watermann. „Wenn ich nicht Besuch gehabt hätte, wäre ich ohnmächtig geworden.“ Das Krankenhaus hatte ihm ein Taxi gerufen. „Sie haben ihn dort abgeliefert, wie ein Paket“, beschreibt sie.
Fürchterlich geweint
„Ich habe ihn besucht und er hat fürchterlich geweint. Ich war entsetzt“, sagt die Varelerin. Überfordert und wütend sei er gewesen. „Ich musste ihm erklären, dass es nicht meine Idee war, ihn so abzuliefern“. Ebenfalls empört ist sie darüber, dass seine Kleidung, saubere und eingenässte, alles in eine Plastiktüte gelegt wurde. „Sein Koffer war leer, es hätte doch da reingepasst“, sagt sie. Sie habe die Befürchtung, dass ältere Menschen so Angst vor der Behandlung bekommen, erklärt sie.
