Varel - Neun Tage noch: Am Freitag, 22. Dezember, schließt die Innere Medizin des St.-Johannes-Hospitals in Varel. Ob diese für die medizinische Versorgung so wichtige Abteilung mit 50 Betten, zuletzt 15 Ärzten und 25 Pflegekräften wieder aufgebaut werden kann, ist offen und im Zweifel vermutlich fraglich.
Petra Hohmann, Geschäftsführerin der Friesland-Kliniken mit den Standorten St. Johannes und Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch, und Landrat Sven Ambrosy als Aufsichtsratsvorsitzender der Friesland-Kliniken hatten die Schließung der Inneren am 1. Dezember verkündet. Als Grund nannte Hohmann den Umstand, dass nach Kündigung einiger Ärzte zu wenige Mediziner zur Verfügung stünden, um einen 24/7-Betrieb aufrechtzuerhalten. Stattdessen solle eine Notfallambulanz eingerichtet werden, die tagsüber mit Medizinern und ansonsten mit Pflegekräften besetzt ist.
Die Ankündigung über die Schließung der Inneren kam überraschend – für die Menschen in der Region ohnehin, aber auch aus dem Kreistag und aus der Belegschaft sind Stimmen zu hören, sie seien erst nach und nach beziehungsweise spät informiert worden. Wer nun eine aufgeregte Debatte über die Zukunft eines der ältesten Krankenhäuser der Region erwartet hat, sieht sich enttäuscht.
Der Betriebsrat hält sich bedeckt. Ramona Logemann (St. Johannes) und Holger Mehrle (Nordwest-Krankenhaus) haben am 1. Dezember, beim Pressetermin mit Ambrosy und Hohmann, lediglich eingeräumt, dass die Stimmung im Hause schlecht sei. Sie hoffen, dass wieder Ruhe einkehrt und Perspektiven für die Friesland-Kliniken entwickelt würden.
Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner und der gesamte Stadtrat haben mit der „Vareler Erklärung“ den Erhalt und die Stärkung des St. Johannes gefordert. Und etliche Hundert Menschen aus Varel und der Friesischen Wehde haben vor einer Woche mit einer Mahnwache vor dem Krankenhaus gegen die Schließung der Inneren protestiert und ihrer Sorge um das Krankenhaus Ausdruck verliehen.
Die Kreistagsfraktionen hüllen sich indessen in Schweigen. Sie verweisen darauf, dass sie erst nach weiterer Beratung in den Gremien Auskunft geben könnten. Lediglich die Kreistagsabgeordneten Axel Neugebauer und Karl-Heinz Funke (beide: Zukunft Varel) sowie Heiner Haesihus (UWG) haben öffentlich geäußert, dass mit der Schließung der Inneren der Status des St. Johannes als 24/7-Akutkrankenhaus und damit die Versorgung der Menschen gefährdet ist.
Auch die Gewerkschaft Verdi fordert den Erhalt des Hospitals. Nun gehe es darum, dass Aufsichtsrat und Geschäftsführung der Friesland-Kliniken die Planungen unverzüglich erläutern und auf die Sorgen und Einwände eingehen, teilte Gewerkschaftssekretär Hannes Scherf mit. Im Vordergrund steht für ihn eine Arbeitsplatzgarantie: „Eine gute Gesundheitsversorgung geht nur mit den Beschäftigten, nicht gegen sie.“
Zudem fordert Scherf eine transparente Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen unter Einbeziehung von Bevölkerung und Beschäftigten. Dafür sei eine Analyse der künftigen medizinischen Bedarfe erforderlich. Scherf: „Auf dieser Grundlage kann ein Konzept für eine wohnortnahe Gesundheits- und Notfallversorgung entwickelt werden.“
