Schortens - Die Eltern liefen in ihrer Kindheit meist noch mit richtigen Kerzen Laterne, und nicht selten sind die Laternen unterwegs abgefackelt, wenn es im November rund um St. Martin singend durch die Straßen der Nachbarschaft ging. Richtige Kerzen bringen heute keine St.-Martins-Laterne mehr zum leuchten, längst sind es batteriebetriebene Lämpchen. Dennoch ist auch die Feuerwehr dabei – vor allem, wenn sich eine so große Zahl an Kindern mit ihren Eltern zum traditionellen Laternenumzug durch Schortens auf den Weg macht. Schätzungsweise 300 bis 400 Teilnehmer trafen sich jetzt vor dem Bürgerhaus zum rund einstündigen Umzug mit ihren meist selbstgebastelten Laternen und mit Gesang und klingendem Spiel des Musikzugs Sillenstede.
Süße St.-Martins-Gans
Eingeladen hatte der CDU Stadtverband, der mit dem Laternenumzug in die Fußstapfen des Vereins der Gemeindebürger Ostiem tritt. Der hatte das Laternenfest viele Jahre lang veranstaltet, bis Corona auch diesen Brauch 2020 ausbremste und die Aktivitäten des Vereins stark einschränkte. Mittlerweile hat sich der Verein aufgelöst. Den Laternenumzug rund um St. Martin soll es aber weiter geben. Zurück beim Bürgerhaus gab es für die Eltern heißen Punsch und für die Kinder – in Anlehnung an die Stutenkerle zu Nikolaus – süße St.-Martins Gänse.
Einen weiteren ökumenischen St.-Martinslauf veranstaltet die katholische Gemeinde St. Benedikt am Freitag kommender Woche und dem eigentlichen St.-Martinstag, 11. November. Beginn ist um 17 Uhr mit einer kurzen Andacht in der St.-Stephanus-Kirche in Schortens. Begleitet vom Posaunenchor Schortens geht es anschließend singend mit den Laternen zur Wiese der katholischen Kirche am Kreuzweg, wo in einem szenischen Spiel die Mantelteilung dargestellt wird.
Der heilige Martin
Der Brauch des Laternelaufens geht zurück auf die legende des heiligen Martin von Tours, der im vierten Jahrhundert lebte. In einer kalten Winternacht zerteilte er als römischer Soldat seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte einem frierendem Bettler und half von diesem Tag an den armen und schwachen Menschen. Aufgrund dieser Geste sollte Martin das Amt des Bischofs antreten, tat dies aber nicht, weil er sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlte. Martin versteckte sich stattdessen in einem Gänsestall, aus dem er jedoch von den Bauern vertrieben wurde, weil man ihn für einen Gänsedieb hielt – daher stammt der Brauch der Martinsgans. Auf seiner Flucht begegnete er denen, die ihn zum Bischof machen wollten und stimmte dem Amt schließlich doch zu.
Auf dem Weg zurück zu seinem Haus wurde Martin von einem Fackelzug begleitet. Vermutlich daher ziehen Kinder am 11. November mit ihren Laternen los, um den Sankt-Martins-Umzug zu begehen. Das Licht in dunkler Zeit ist zudem Zeichen des Dankes am Ende des Erntejahres und ein Symbol der Hoffnung. In evangelischen Regionen läuft man allerdings Laterne, um Martin Luther Respekt zu zollen. Er hatte am 10. November Geburtstag.
