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Anja Müller geht in Pension Schöne Erfolge in Schortens – aber auch schmerzhafte Erfahrungen

Gut gelaunt, immer ansprechbar: Anja Müller.

Gut gelaunt, immer ansprechbar: Anja Müller.

Björn Lübbe

Schortens - Zu tun gibt’s immer, schon klar, aber Anja Müller hat ihren Abschied vorbereitet, und ein bisschen Glück hat sie auch, denn ihr letztes großes „Projekt“ ist so gut wie abgeschlossen: die Abgabe der Kinderbetreuung an den Landkreis. „Ich habe alles zum Abschluss gebracht“, sagt Anja Müller, Fachbereichsleiterin und allgemeine Vertreterin von Bürgermeister Gerhard Böhling.

In der Ratssitzung an diesem Donnerstag, 21. September, dürfte der Kita-Vertrag beschlossen werden, und dann wird auch Anja Müller verabschiedet, denn nach mehr als 40 Jahren im öffentlichen Dienst, davon 29 in Schortens, geht die 59-Jährige vorzeitig in Pension. Ihr Nachfolger im Amt, Karsten Hage, ist bereits im Haus.

„Eigentlich wollte ich nie aus Cuxhaven weg“

„Sechs Richtige im Lotto“, sagt Müller über ihren beruflichen Werdegang, der eng mit ihrem privaten Glück verbunden ist. Sie stammt aus Cuxhaven-Döse („Fünf Minuten hinterm Deich“) und hat nach dem Abitur bei der Stadt Cuxhaven die Beamtenlaufbahn für den gehobenen Dienst begonnen. Zuletzt war Anja Müller im Jugendamt der Stadt tätig und „eigentlich wollte ich nie aus Cuxhaven weg“, sagt die 59-Jährige. Doch im Studieninstitut für kommunale Verwaltung in Oldenburg hat sie ihren Ehemann Mike kennen gelernt („Wir sind eine typische Instituts-Ehe“) und ist ihm 1995 nach Wittmund gefolgt.

Mike Müller war beim Landkreis Wittmund tätig und wechselte 1997 zur Stadtverwaltung Jever, Anja Müller trat 1995 in die Dienste der damaligen Gemeinde Schortens – und hat dort rasch Karriere gemacht. 2004 wurde sie Abteilungsleiterin und zugleich allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters, damals wie heute Gerhard Böhling.

Eine von wenigen, die ein Hallenbad befürworteten

Die Liste der „Projekte“, für die Anja Müller verantwortlich war, ist lang: Die Partnerschaften mit Nagybajom in Ungarn (ab 1995) und mit Piescyze in Polen (ab 2004) finden sich dort ebenso wie in jüngerer Zeit der umstrittene Umbau und die Sanierung des früheren Freizeitbades „Aqua Toll“, das heute „Aqua Fit“ heißt. „Ich war eine der wenigen, die gesagt haben: Wir brauchen ein Hallenbad“, erinnert sich Anja Müller. Immer wieder stand auch die Umorganisation der Stadtverwaltung auf der Tagesordnung und zwischendrin hat Müller im Rahmen ihres beruflichen Aufstiegs „berufspraktische Zeiten“ absolviert, etwa im TCN und bei den dortigen Firmen oder bei der Wirtschaftsförderung des Landkreises.


Stolz ist Anja Müller auf das umfassende Kinderbetreuungskonzept mit Ausbau des Krippenangebots (2007). Da war Schortens ein Vorreiter im Landkreis und ebenso 2015 bei der Organisation der ersten Ehrenamtsgala. Beim Thema Kinderbetreuung musste Müller indessen auch ihre schmerzhaftesten beruflichen Erfahrungen machen: Bei der Schimmelproblematik in der Kita Oestringfelde vor zwei Jahren hätte die Stadt schneller und besser handeln müssen. „Da ging viel Vertrauen der Eltern verloren“, sagt die 59-Jährige rückblickend. Auch wenn sie nicht unmittelbar dafür verantwortlich war: „Das ging einem schon an die Nieren.“

„Diese Bemerkung war eine Unverschämtheit“

Der nächste Tiefschlag kam im vergangenen Jahr, im Zusammenhang mit der Abgabe der Kinderbetreuung an den Landkreis. „Der Landkreis kann das besser“, hieß es seitens der Befürworter im Rat. Anja Müller ist ein fröhlicher, gut gelaunter Mensch, immer ansprechbar, immer freundlich. „Das ist mein Naturell“, sagt sie. Aber „diese Bemerkung war eine Unverschämtheit“, sagt sie. Die Attacke habe sie getroffen und verärgert, gar nicht so sehr wegen ihrer eigenen Person, denn sie könne Kritik einstecken, aber mit Blick auf ihr Team im Rathaus.

Der politische Stil in Schortens hat sich nach Müllers Einschätzung ohnehin sehr verändert. 2004, bei der Stadtwerdung der Gemeinde, ein weiteres „Projekt“, an das sich Müller gern erinnert, habe es eine Aufbruchstimmung und ein Wir-Gefühl gegeben. Heute bestimmten scharfe Töne und persönliche Anfeindungen die Diskussion. Müller wünscht sich die frühere, sachbezogene Streitkultur zurück.

Jetzt kommt erst mal ein Jahr „Sperrzeit“

Rückhalt hat sie stets bei ihrem Mann Mike Müller gefunden, der in gleicher Funktion in Jever tätig war und vor Kurzem bereits in Pension gegangen ist. Wenn beide vom selben Fach sind, hat man Verständnis füreinander und kann sich auch inhaltlich austauschen. Mit ihrem Mann will Anja Müller nun erst mal die freie Zeit genießen. Beide haben sich ein Jahr „Sperrzeit“ verordnet, bevor sie vielleicht neue Aufgaben angehen.

Jörg Grabhorn
Jörg Grabhorn Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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