Vor drei Jahren haben Sie den Begriff „Bildungsstandort“ erstmals für Glarum benutzt. Dann wurde gebaut, was das Zeug hält: Krippe, Schule, Turnhalle und vieles mehr. Sind Sie mit dem Ergebnis in Glarum zufrieden?
BöhlingBildung war und ist eines der zentralen aktuellen Themen in unserer schönen Stadt. So haben wir seit 2006 ein laufend aktualisiertes und vom Rat beschlossenes Kinderbildungs- und -betreuungskonzept. Ein wichtiger Baustein sind unsere Bildungszentren, das heißt: Krippe, Kindergarten, Grundschule und Turnhalle an einem Standort. So ist es Kindern möglich, vom Krippenalter bis zum Verlassen der Grundschule in ihrem dann gewohntem Umfeld zu lernen, spielen und Sport zu betreiben. Der Wechsel von einer Einrichtung in die folgende ist fließend, längere Umgewöhnungszeiten fallen weg. Es bleibt mehr Zeit für die individuelle Entwicklung des Kindes, und die Eltern können Fahrzeiten einsparen, wenn sie mehrere Kinder im entsprechendem Alter haben. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Einrichtungen ist ebenfalls einfacher, da es kurze Wege gibt.
Welche Reaktionen bekommen Sie von Eltern und Lehrern zu diesem Lernen an einem Ort?
BöhlingAngefangen haben wir vor Jahren an der Grundschule Schortens, dann in Roffhausen und vor einigen Jahren in Glarum. Mit den Ergebnissen bin ich sehr zufrieden, und die Reaktionen der Eltern, ErzieherInnen und Lehrer sind durchweg positiv. Auch der Zuzug junger Familien hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen, die Zahl der Kinder steigt von Jahr zu Jahr.
Glarum ist ja fast fertig. Was würde die Stadt Schortens beim nächsten Bildungsstandort noch besser machen?
BöhlingWir lernen natürlich auch bei der Errichtung unserer Bildungszentren immer noch dazu, allerdings sind das lediglich Kleinigkeiten. Größeren Veränderungsbedarf bei den neue Bildungszentren in Oestringfelde und Jungfernbusch gibt es nicht. Wenn in circa zwei Jahren nach der sich derzeit im Bau befindlichen Krippe auch der Kindergarten Jungfernbusch fertig ist, sind keine weiteren, neuen Standorte notwendig. Das hat auch unser Kinderbildungs- und -betreuungskonzept ergeben, denn dort wird auch der künftige Bedarf unter Berücksichtigung der Neubaugebiete einbezogen. Wir müssen aber auch unsere in die Jahre gekommenen älteren Einrichtungen sanieren und teilweise erweitern, um sie auf einen guten Stand zu bringen.
Wie viele Millionen Euro hat die Stadt in diese Bildungsstandorte bereits investiert?
BöhlingIn den vergangenen Jahren haben wir circa 8 Millionen Euro in Glarum und Oestringfelde investiert, für Jungfernbusch kommen noch einmal rund 4,5 Millionen Euro für Krippe und Kindergarten dazu.
In Glarum wurden einige Kostenvoranschläge überzogen, woran lag das, dass gut eine halbe Million Euro mehr unterm Strich herauskam?
BöhlingDas sind Investitionen, die wir tätigen mussten und müssen, da die Eltern entsprechende Rechtsansprüche haben. Es sind keine freiwilligen Leistungen mehr. Leider lässt uns das Land mit der Finanzierung ziemlich allein, und auch der Landkreis sollte einen deutlich höheren Beitrag leisten. Für Glarum haben wir alleine für die Erweiterung der Schule, den Neubau der Krippe und der Turnhalle 6,5 Millionen Euro investiert, da sind 500 000 Euro Mehrkosten noch überschaubar. Aber auch hier haben wir gelernt und unser Kostenmanagement verbessert.
Platz ist ein begrenzender Faktor, beispielsweise für die Grundschule Heinrich-Tönjes-Straße. Lässt sich auch hier ein Bildungszentrum realisieren? Oder wird dieser Standort irgendwann fusionieren müssen?
BöhlingAn der Grundschule Heidmühle kann aus Platzgründen kein Bildungszentrum entstehen, das Grundstück ist einfach zu klein. Aber die Schule ist ein ganz wichtiger Baustein in der Unterrichtsversorgung nach dem Motto: „Kurze Wege für kurze Beine“ und steht nicht zur Disposition.
Unter ihrer Regie gibt es für alle Grundschulstandorte eine Bestandsgarantie?
Böhling Ja, wenn es nach mir geht, haben alle unsere sieben Grundschulen eine Bestandsgarantie, auch Heidmühle.
