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NWZonline.de Region Friesland

Stadt will Fundamente retten

18.06.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-23T15:02:08Z 280 158

Geschichte:
Hier schlummert das Vareler Schloss

Varel Immer mehr Reste des Vareler Schlosses treten durch die Bauarbeiten auf dem Schlossplatz zutage. Am Dienstag unterstützten wieder zahlreiche Ehrenamtliche, darunter Heino Predel, Frederick Stoddon und Heino Albers, den Archäologen Marvin Mädel. Sie legten ein weiteres Stück des Marstalls frei. Funde, wie sie bei einer gräflichen Anlage zu erwarten gewesen wären, Scherben und anderer Siedlungsmüll, sind aber bislang nicht zutage getreten, bedauert Mädel. Immerhin: Bei den Bauarbeiten für den Marstall scheinen die Arbeiter Pfeife geraucht zu haben, Heino Predel fand eine zerbrochene Tonpfeife. Und Ralf Splettstößer, der sich seit seiner Kindheit für das 1869 abgerissene Schloss begeistert, hat als ehrenamtlicher Helfer Reste von Fliesen und Dachziegeln gefunden.

Kurze Chronik

Der Schlossplatz wurde 1871 angelegt. Er entstand auf den Resten des Vareler Schlosses, das 1869/70 abgerissen wurde. Es hatte zuletzt leer gestanden.

Das Schloss war zunächst ein Steinhaus, das um 1350 entstanden war. Das Steinhaus wurde 1494 erweitert. Zeitweise war Varel Wohnsitz der Oldenburger Grafen. Nach 1526 war es Witwensitz. In Richtung Süden wurde dann ein Saalbau angefügt (in Richtung heutiger Schlossplatz; vor 1656). Daran schlossen sich weitere Erweiterungsbauten für Anton von Aldenburg an.

Von 1656 bis 1708 wurde die Schlossanlage ausgebaut. Es entstand auch eine größere Bibliothek, Stallanlagen und eine Reithalle. 1751 brannte das Schloss erstmals ab. Zerstört wurde dabei die Bibliothek, sie wurde durch einen kleinen Bau ergänzt. Schließlich entstand noch der Ostflügel ab 1756. Er beherbergte später das Obergericht. 1817 brannte das schloss erneut.

Mädel konnte nun einen 20 Meter langen Abschnitt der nördlichen Mauer des Marstalls dokumentieren. Ob ein Teil davon sichtbar bleiben kann, ist nicht sicher. Ein Teil des Marstall-Fundaments befindet sich dort, wo einst das Spielgerüst stand (und wo es wieder stehen soll). Der andere Teil des Fundaments könnte möglicherweise im Erdreich sichtbar bleiben – geschützt durch Panzerglas. Einen solchen Antrag hat Ratsmitglied Dr. Marko Seelig („Zukunft Varel“) gestellt. Unterdessen haben sich einige Bürger zusammengefunden, die sich für eine ansprechende Dokumentation Vareler Geschichte auf dem Schlossplatz engagieren, darunter Jan Janssen, Ralf Splettstößer, die Architekten Heino Predel und Johann Boner. Es gebe auch schon Spendenzusagen, so Janssen.

„Es muss auf jeden Fall verhindert werden, dass greifbare Relikte der Vareler Geschichte dem Abriss zum Opfer fallen. Hierzu gibt es auch in der Bevölkerung ein hohes Maß an Unverständnis“, teilte Seelig mit. Viele Bürger wünschten sich eine Überbauung mit Glasplatten sowie eine Integration in die Gesamtgestaltung des Platzes, reagierte das Ratsmitglied auf Veröffentlichungen in der NWZ . Im Planungsausschuss, der am Dienstag tagte, rannte er damit offene Türen ein. „Vareler sind stolz auf ihr Schloss“, sagte Bürgermeister Gerd-Christian Wagner. Drei Wochen, so Olaf Freitag, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Planung und Bau, könne man die freigelegten Mauerreste vor dem Baufortschritt retten, bis dahin müsse eine Lösung gefunden werden. Sicherlich könne man einen kleinen Teil der Fundamente mit Glasplatten abdecken und damit sichtbar machen.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/friesland 
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