Schortens - „Sie sind sehr gut aus dem Corona-Loch gekommen, Hut ab“, sagte Schortens Bürgermeister Gerhard Böhling zu Stadtbücherei-Leiter Marcus Becker. Im Ausschuss für Kultur, Tourismus und Bürgeranliegen hatte der Bibliotheks-Leiter einen ausführlichen Bericht des vergangenen Jahres vorgelegt. Die Zahlen sprachen für sich, wie Böhling erfreut zur Kenntnis nahm. Trotzdem gebe es noch Handlungsbedarf, erklärte Becker.
Besonders der Bereich der Neuanmeldungen mache aber Mut. Knapp 250 Personen haben sich bei der Stadtbücherei angemeldet, das sind etwa hundert mehr als noch im Vorjahr. „Da waren auch auffallend viele junge Erwachsene mit Kindern dabei“, berichtete Becker. Auch im Bereich Veranstaltungen ist er zufrieden. „Da sind wir komplett ausgebucht, vor allem beim Leseclub“, sagte er. „Die Wartelisten sind lang.“
DVDs vor dem Aus
Insgesamt sind die Zahlen der Bücherei langsam aber sicher wieder auf dem Niveau vor der Pandemie. Besonders die Ausleihen von Kinder- und Jugendbüchern schnellte im Vergleich zum Vorjahr in die Höhe. Knapp 26.000 Ausleihen hat es in diesem Bereich gegeben, 2021 waren es noch etwa 16.000. Während sich eigentlich alle Ausleihzahlen stabilisieren oder sogar steigen, nehmen die von DVDs weiter ab.
„Die Ausleihe von DVDs ist extrem zurückgegangen“, berichtete Becker. Allerdings sei dies kein Wunder in Zeiten von Streamingdiensten wie Netflix, Amazon Prime und Co. Zum Vergleich: Während 2015 knapp 2000 DVDs ausgeliehen worden sind, sind es mittlerweile gerade einmal knapp 200. Und das schon zum zweiten Jahr in Folge. Darum spielt Becker mit dem Gedanken, komplett auf die Leihgebühren für DVDs zu verzichten. Momentan zahlen Kunden 1,90 Euro pro DVD-Ausleihe. Eventuell fliegen die mittlerweile ja fast schon mittelalterlich anmutenden DVDs sogar ganz aus dem Sortiment der Stadtbücherei.
Neues Geld
Damit spannte Becker den Bogen zum Finanziellen. Er ist auf der Suche nach einer Lösung, um mehr Geld einzunehmen. „Denn allein durch Lesungen ist eine Kostendeckung nicht möglich“, gab der Bücherei-Leiter zu bedenken. Eine Erhöhung der Gebühren sei aber keine Option, ebenso wenig wie noch mehr Veranstaltungen oder eine Senkung des Medienetats.
Becker warf die Möglichkeit von Sponsoring in den Raum. Allerdings wäre dafür eine Änderung der Richtlinien nötig, in denen der Schortenser Rat 2014 den Bildungsbereich bewusst außen vor gelassen hat. „Es soll ja ein neutraler Bereich bleiben“, argumentierte Anja Müller von der Verwaltung. Eine Option könne es aber noch geben, erklärte Uwe Burgenger (Grüne): „Vielleicht wären ja Stiftungen etwas, mit dem man arbeiten könnte.“
