Jever - Mit einer Schweigeminute für den Frieden ist Jevers Stadtrat am Donnerstagabend im Schützenhof in die Sitzung gestartet. Als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine Dieter Janßen und Jan Edo Albers im Kreis der Ratsleute die blau-gelbe Flagge hoch. „Die Waffen müssen sofort schweigen“, appellierte Ratsvorsitzender Dieter Janßen: Der Rat zeige sich solidarisch mit den Menschen in der Ukraine, die sich in Kellern verstecken müssen und auf der Flucht sind.
Ukraine-Hilfe
„Es ist gut, dass die Stadt Jever deutlich macht, wie sie zu Krieg steht“, betonte Bürgermeister Jan Edo Albers. Und: „Solidarität muss nachhaltig und dauerhaft sein.“ Dass die Stadt Jever Flüchtlinge aus der Ukraine aufnimmt, steht außer Frage: Die Stadtverwaltung ist schon dabei, Wohnraum zu akquirieren, berichtete Albers.
Allein am Donnerstag haben sich rund 30 Ukrainer im Rathaus gemeldet. Sie brauchen Unterkunft und Unterstützung. Die Stadt Jever bittet alle Eigentümer darum, freie Wohnungen zu melden. Der Landkreis Friesland hat dazu eine Hilfe-Hotline eingerichtet: Tel. 04461/9196260 ist montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr besetzt, zusätzlich können Wohnungs- und sonstige Hilfsangebote per E-Mail an ukraine@friesland.de gesendet werden.
Weil aus der Ukraine insbesondere Frauen und Kinder fliehen, beschäftigt die Stadtverwaltung auch die Aufnahme der Kinder in die Kitas und Grundschulen. „Wir versuchen, so viele Kapazitäten wie möglich für Kinder aus der Ukraine zu schaffen“, sagte Albers. Und: „Wir werden uns demnächst im Rat mit Kindergartenplätzen befassen müssen“, kündigte er den Ratsmitgliedern an.
Biosphärenreservat
Zahlreiche Landwirte aus Jever, dem Wangerland und Schortens nahmen an der Ratssitzung teil und nutzten die Bürgerfragestunde, um ihre Vorbehalte und Sorgen mit Blick auf den möglichen Beitritt Jevers des Biosphärenreservats nochmals deutlich zu machen. Holger Helmerichs, Hilmar Beenken, Bernd Melchers und Kreislandwirt Hartmut Seetzen warben für ihren „Jeverländer Weg“.
Allein es half nichts: mit der knappen Mehrheit von 15 Ja- zu 14-Nein-Stimmen wurde der Beitritt beschlossen.
Auch Bürgermeister Jan Edo Albers warb für den „Jeverländer Weg“: „Was Jever stark gemacht hat, ist, dass wir miteinander arbeiten und nicht gegeneinander“, sagte er: „Ich halte den Vorschlag der Landwirtschaft für den besseren Weg: Seine Vorteile überwiegen die Vorteile des Biosphärenreservats.“
Der „Jeverländer Weg“ der Landwirtschaft sieht vor, dass Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft, Umweltverbände und alle Interessierten zusammenarbeiten, um praktikabel Umwelt-, Klima- und Landschaftsschutz auf dem Stadtgebiet Jevers voranzubringen. Dazu gehört unter anderem ein Fonds, in den jeder einzahlen kann, um so gezielt favorisierte Projekte voranzubringen.
