Wangerland - Am 1. Januar 1999 sollte es erstmals einen hauptamtlichen Bürgermeister in der Gemeinde Wangerland geben. Vor nunmehr 25 Jahren endete ein heftiger Wahlkampf um das Amt mit einer Überraschung: Bei der Stichwahl am 19. Juli 1998 lag Joachim Gramberger vorn.
Überraschung deshalb, da zu Beginn des Jahres der SPD-Kandidat Dietrich Gabbey als gesetzt galt, denn der brachte als langjähriger und bestens vernetzter Kommunalpolitiker hervorragende Voraussetzungen mit. Der Wahl-Hooksieler saß seit 1976 im Wangerländer Gemeinderat und im friesländischen Kreistag. Vor allem aber war der hauptberufliche Schulleiter zehn Jahre als ehrenamtlicher Bürgermeister (1986-1996) seiner Gemeinde tätig gewesen.
Mit Spannung hatten die Bürger deshalb Anfang 1998 gerätselt, wen die seit den Wahlen im September 1996 „regierende“ Mehrheitsgruppe aus CDU, FDP und Grünen diesem kommunalpolitischen Schwergewicht wohl entgegensetzen wollte. Da war es schon für viele eine Überraschung, als im Februar der Name Joachim Gramberger verkündet wurde.
Die ehrenamtliche Landrätin Karin Evers-Meyer (SPD) war eine der ersten Gratulantinnen.
Es war insbesondere die CDU-Landtagsabgeordnete Inse-Marie Ortgies gewesen, die den parteilosen Kreisamtsrat aus Jever zur Kandidatur überredet hatte. Der tat sich zu Beginn des bald einsetzenden Wahlkampfes zunächst etwas schwer und reagierte oft dünn-häutig auf die Attacken des Gegners bei den umgehend einsetzenden öffentlichen Rededuellen.
Als Gegner unterschätzt
Was jedoch sein Renommee anging, da hatten die unübersehbar sehr siegessicheren Sozialdemokraten den Gegner arg unterschätzt. Mochte Gramberger auch nicht den Bekanntheitsgrad des eloquenten Dietrich Gabbey haben, der regelmäßig in den Medien erschien, so hatte sich Gramberger (der übrigens wie Gabbey 1941 in Pommern geboren wurde) 20 Jahre zuvor quasi unsterblich gemacht im Kampf um den Landkreis Friesland.
Er war 1977 einer der Kämpfer zur Rettung des Landkreises, der bei der Gebietsreform von 1977 zerschlagen worden war. Legendär ist bis heute die friesische Streitaxt im schwarzen Sarg, die diese unnachgiebige Gruppe der Landesregierung übergab. Doch Gramberger war nicht nur hierbei erfolgreich (der Staatsgerichtshof in Bückeburg revidierte die Gebietsreform für Friesland zum 1. Januar 1980). Als Beamter des Landkreises hatte er sich auch beruflich große Verdienste erworben – und zwar als Chef des Rettungs- und Katastrophenschutzamtes.
Ihn beerbte Joachim Gramberger (links) als erster hauptamtlicher Bürgermeister: Wangerlands letzten Gemeindedirektor Günter Hinrichs (1937-2022)
Während also während des Wahlkampfes einige Hoffnungen im Gramberger-Lager aufkeimte, gab es dann eine dicke Überraschung mit einem dritten Kandidaten. Der gelernte Bäcker Jens Unger aus Süddeutschland trat als Einzelbewerber gegen die großen Streithähne an. Und tatsächlich versalzte er ihnen insofern die Suppe, als dass er am 5. Juli rund fünf Prozent der Stimmen holte und keiner der Hauptkontrahenten die notwendige absolute Mehrheit bekam.
Mehrheit von 51,7 Prozent
Immerhin aber hatte Gramberger schon hier die Nase vorn und bei der mit Spannung verfolgten Stichwahl am 19. Juli 1998 übertrumpfte er dann wirklich den sichtlich erschütterten Dietrich Gabbey mit der klaren Mehrheit von 51,7 Prozent. Am 1. Januar 1999 „beerbte“ Gramberger dann Wangerlands letzten Gemeindedirektor Günter Hinrichs und hatte das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters bis zum 31. Oktober 2006 inne.
Im Anschluss an seine Amtszeit, in der unter anderem die Konversion der Wangerland-Kaserne zur Freizeitanlage „Dorf Wangerland“ und die Planungen für das Wangermeer zu seinen Erfolgen gehörten, saß er noch fünf Jahre in Gemeinderat und Kreistag. Kurz nach seinem 70. Geburtstag starb er in seiner Wahlheimat Hohenkirchen an einer schweren Krankheit. Joachim Gramberger hinterließ Frau und Sohn.
