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Protest in Varel, Bockhorn und Zetel Alle Apotheken schließen einen Tag lang ihre Türen

Dr. Rolf Bruns leitet in Zetel die Rathaus-Apotheke. Er wird seine Apotheke am 14. Juni schließen, wie es auf dem Plakat im Schaufenster nachzulesen ist.

Dr. Rolf Bruns leitet in Zetel die Rathaus-Apotheke. Er wird seine Apotheke am 14. Juni schließen, wie es auf dem Plakat im Schaufenster nachzulesen ist.

Jan-Ole Smidt

Varel/Zetel/Bockhorn - Ein Notdienst ist eingerichtet, ansonsten haben am Mittwoch, 14. Juni alle Apotheken in der Stadt Varel und in Bockhorn und Zetel geschlossen. Mit diesem Streik möchten die Apotheker auf ein akutes Problem aufmerksam machen: Das in der Arzneimittelpreisverordnung festgelegte Fixum pro Medikament wird gekürzt und nicht erhöht, wie von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA) gefordert.

Auf den ersten Blick handelt es sich um eine kleine Summe von 29 Cent, „doch auf die Woche, den Monat und das Jahr betrachtet, geht uns eine Menge an Einnahmen verloren“, betont Dr. Rolf Bruns den Ernst der Lage, „davon bezahlen wir Mitarbeiter und die laufenden Nebenkosten.“ Der Pharmazeut leitet in der Gemeinde Zetel die Apotheke am Rathaus und spricht stellvertretend für alle seine Kolleginnen und Kollegen in Varel und der Friesischen Wehde.

Was ist gefordert?

Apotheken bekommen pauschal auf jedes verkaufte Medikament ein Fixum von 8,35 Euro. Davon musste man bis zuletzt einen Betrag von 1,71 Euro an die Krankenkassen abgeben, doch dieser Betrag wurde nun auf glatt 2 Euro erhöht. „Für Stadtapotheken mit großem Zulauf und einer stabilen Verkaufslage pro Tag mag das erst einmal nicht das größte aller Probleme sein, doch was ist mit Apotheken auf dem Land“, fragt sich Dr. Rolf Bruns. Der ABDA fordert seit Februar von der Politik eine Anpassung des Fixums auf 12 Euro. „Es muss durch einen regelhaften Mechanismus jährlich an die Kostenentwicklung angepasst werden, ohne dass es gesonderter Maßnahmen des Gesetz- und Verordnungsgebers bedarf“, so die Bundesvereinigung.

Was sind die Folgen?

Dr. Rolf Bruns, der mitten in Zetel eine Apotheke betreibt, sieht die Existenz seiner Apotheke nicht gefährdet und doch rechnet er mit Einbußen: „Wenn sich nichts ändert, dann müssen ich und meine Kollegen bald anfangen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlassen“, so Dr. Bruns, „die Konsequenz daraus wäre, dass wir unsere Öffnungszeiten anpassen und weniger oft geöffnet haben werden.“ Das Bild der Apotheken von der Straßenansicht würde sich dahingehend ändern, dass es um große Warteschlagen bis vor die Tür ergänzt werde – „schließlich bestehen wir weiterhin auf eine kompetente Beratung durch unsere akademisch geschulten Mitarbeiter, die eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen kann.“

Was ist geplant?

Generell gibt es seit 1990 so wenig Apotheken in Deutschland wie noch nie. Daten des ABDA aus dem vergangenen Jahr zufolge waren es 2021 noch 18.461 Apotheken. In den 2000er-Jahren hatten allerdings noch mehr als 21.500 Apotheken ihre Türen geöffnet. Und vor allem in ländlichen Regionen macht sich das Apotheken-Sterben bemerkbar. „Es kann nicht sein, dass man eine halbe Stunde Fahrt in Kauf nehmen muss, um die nächste Apotheke zu erreichen. Doch dieser Fall wird mehr und mehr zur Realität“, erklärt Dr. Rolf Bruns.


Mit der Schließung sämtlicher Filialen in Varel, Bockhorn und Zetel am 14. Juni wollen die Apotheker auf diese Problematik aufmerksam machen. Ein Notdienst ist bei der Jade-Apotheke in Langendamm eingerichtet, „doch die Kollegin wird ebenfalls nicht regulär öffnen“, erklärt Dr. Bruns.

Jan-Ole Smidt
Jan-Ole Smidt Redaktion Varel
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