Varel - Die Gefriertruhe von Rolf Hartmann verbraucht in etwa so viel Strom wie der Monitor des Ausleihcomputers in der Vareler Stadtbücherei. Zwischen 33,3 und 34,1 Watt pro Stunde variieren die Messwerte bei einem Test in der Bücherei; aufs Jahr gerechnet wären das rund 300 Kilowattstunden. Ein guter Wert, schätzt Hartmann, der sich privat häufiger mit Energiethemen beschäftigt. Die Stadtbücherei verleiht seit März ein kostenloses Energiesparpaket samt Messgerät an alle, die mehr über ihren Energieverbrauch erfahren wollen.
Hartmann, 67 Jahre alt und pensionierter Förderschullehrer der Grundschule Büppel, hat das Gerät zwei Wochen lang bei sich im Haushalt eingesetzt. Es ist etwa so groß wie ein Brillenetui und wird zwischen Elektrogerät und Steckdose geschaltet.
Das Energiesparpaket können Nutzerinnen und Nutzer der Stadtbibliothek Varel ab sofort vor Ort ausleihen. Das Paket wird vom Umweltbundesamt in Zusammenarbeit mit der No-Energy-Stiftung für Klimaschutz und Ressourceneffizienz zur Verfügung gestellt. Neben einem Messgerät und einem Verlängerungskabel enthält das Paket eine ausführliche Bedienungsanleitung und Hintergrundinformationen zum Energiesparen.
Für bis zu zwei Wochen kann das Paket kostenlos ausgeliehen werden zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek: Dienstag, Donnerstag und Freitag von 14 bis 18 Uhr sowie Mittwoch und Samstag von 10 bis 13 Uhr. Vormerkungen sind möglich über Tel. 04451/ 861608 oder per Mail an stadtbibliothek@varel.de.
Neben der Gefriertruhe hat Hartmann den Verbrauch von Computern, des Fernsehers und eines Transistorradios geprüft. „Das Transistorradio verbraucht Strom, wenn es nicht an der Steckleiste ist – aber minimal“, sagt er. Ausgeschaltete Steckleisten, denen ein Stromverbrauch ebenfalls nachgesagt wird, jedoch nicht, wie sich nun gezeigt habe. Darum nutzt Hartmann möglichst die Leisten.
Komplizierte Anleitung
Über den Verbrauch des Kühlschranks und der Spülmaschine – in der Regel deutlich höher als bei Kleingeräten – hat Hartmann jedoch nichts erfahren. Denn in seiner Einbauküche sei es „schwierig, an Großgeräte ran zu kommen“, erklärt er. Bei der Waschmaschine habe er zunächst vergessen, das Waschen und Messen abzustimmen. „Aber man kann das Messgerät ja wieder ausleihen.“
Das Messgerät wird zwischen Elektrogerät und Steckdose geschaltet. Ein Verlängerungskabel erleichtert die Nutzung. BILD: Thilo Schröder
Um gemessene Werte einzuordnen, müsste Hartmann nun den Preis pro Kilowattstunde bei seinem Energieversorger erfragen. Gerade in Zeiten steigender Energiepreise ist das interessant. Und er müsste recherchieren, ob die Werte tatsächlich einen sparsamen Energieverbrauch bedeuten oder eben nicht. Aus der umfangreichen, klein bedruckten und schwer verständlichen Anleitung gehe das nicht direkt hervor, moniert er.
„Es geht ja auch ums Sensibilisieren für das Thema Energieverbrauch, darum, eine Routine zu entwickeln und zu sehen: Was verbraucht eigentlich so ein Gerät?“, sagt Ilka Schultze vom Team der Stadtbibliothek. Sie räumt ein, dass der Anbieter des Pakets, die gemeinnützige No-Energy-Stiftung, die Nutzung vereinfachen könne.
Die Wünsche
Rolf Hartmann wünscht sich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Und eine Vergleichstabelle mit Verbrauchswerten haushaltsüblicher Geräte.
Außerdem, so Hartmann, wäre eine kostenlose Energieberatung der Stadt sinnvoll. Ein solches Angebot wäre kostspielig, sagt Klimaschutzmanagerin Elisabeth Wagener. Es gebe jedoch kostenlose telefonische und Online-Angebote von der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen. Sie sind auf der städtischen Homepage verlinkt unter varel.de/klimaschutz.
Langfristig denken
Rolf Hartmann hat mithilfe des Energiesparpakets zumindest herausgefunden, dass er offenbar keine vermeidbaren Energiefresser im Haus hat. „Ich habe bei uns nichts festgestellt, was dringend weg muss.“ Ja, die vor einigen Jahren angeschaffte Erdgasheizung, die würde er heute nicht mehr einbauen. „Das war halt damals der Stand der Dinge.“ Letztlich zähle auch, Geräte möglichst lange zu nutzen. Und beim Neuerwerb zu wissen, wo Potenziale fürs Energiesparen liegen.
