NWZ
im Februar 1962 in ihrem ersten Bericht über die Jahrhundert-Sturmflut, die am 16. Februar mit voller Wucht auch die Küstenregionen des Jeverlands heimsuchte. Bilder zeigen gebrochene Dämme, vom Wasser einschlossene Höfe und immer wieder Menschen, die mit aller Kraft versuchen, Leben und Gut zu retten und die Deiche gegen die Gewalt der Natur zu sichern.Im Jeverland war das Wasser in der Nacht bis zu dreieinhalb Meter höher als das mittlere Hochwasser aufgelaufen. Zwar blieb Zeit, die Deichtore zu schließen. Doch vor allem im Deichvorland und an den Stränden richtete die Sturmflut schwere Schäden an. Der Hafen in Horumersiel und die Großbaustelle des Wangersiels wurden komplett überspült. Am Schilliger Strand stürzte der Wachturm der DLRG ein, das erst kurz zuvor errichtete Umkleidegebäude wurde schwer beschädigt. Auch am Hooksieler Strand hinterließ die Sturmflut eine Spur der Verwüstung, in Harlesiel riss das Wasser das Pumpenhaus des Seewasserschwimmbeckens mit sich.
Durch einen Deichriss bei Harlesiel wurden 900 Hektar des Elisabethgrodens überflutet. Teilweise stieg das Wasser so hoch, dass es über die Deichkappen schwappte wie im St. Jooster Groden, wo die Feuerwehr und freiwillige Helfer das Vieh des besonders bedrohten Hofs des Landwirts Müller in Sicherheit bringen mussten. Der Landwirt war mit einem Boot gerettet worden.
Überall waren die Feuerwehren im Dauereinsatz, eilig wurden Sandsäcke herbeigeschafft und an den durchweichten Deichen verbaut. Ik glöw, wi holt him, sagte Bauaufseher Enno Ennen gegen Mitternacht vor dem Deichschart in Neu-Friederikengroden. Er meinte den Deich, der den Elisabethgroden landeinwärts abgrenzt. Zur Sicherung des Scharttores waren Hunderte von Sandsäcken aufgestapelt worden.
Besonders schlimm traf es die Insel Wangerooge. Dort brach der kleine Grodendeich, der Flugplatz wurde überspült. 500 Pioniere wurden auf der Insel abgesetzt, um die Insulaner im Kampf gegen die Fluten zu unterstützen. Auf dem Rückflug nahmen die Hubschrauber Kinder aus unter Wasser stehenden Erholungsheimen mit ans Festland. Schüler verteilten Sandsäcke, die von Maschinen der Luftwaffe über der Insel abgeworfen worden waren. Große Teile des Inseldorfs waren überschwemmt, an vielen Häusern gab es schwere Sturm- und Wasserschäden.
In Sande hielten die Deiche dem Druck der Wassermassen stand. Schäden gab es hier wie auch in Jever und Schortens vor allem durch den Sturm, der Dächer beschädigte und Bäume entwurzelte.
Oberkreisdirektor Peter Oltmanns berichtete später im Kreistag, dass es keine Vorwarnung über die Schwere der Sturmflut gegeben habe und kritisierte gleichzeitig ein unberechtigtes Sicherheitsgefühl.
