Was bleibt?
Schon wieder ein Sturmflut-Jahrestag? Ist das nötig, muss man die alten Geschichten immer wieder erzählen? Das sind Fragen, die in diesem Winter, in dem wir alle ohnehin viel Zeit zum Sinnieren haben, verstärkt hochspülen.
Ja – es ist nötig, daran zu erinnern und vor allem kritisch zu hinterfragen: Was haben wir aus der Jahrhundert-Sturmflut von 1962 gelernt? Hat der Küstenschutz seine Hausaufgaben gemacht? Sind wir gewappnet vor den Herausforderungen des Klimawandels? Können wir uns sicher wähnen?
Der Landkreis Friesland ist vor 60 Jahren vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Wir mussten keine 315 Toten beklagen wie in Hamburg, und nur wenige verloren in unserer Region das Dach über dem Kopf. Anders in der Großstadt an der Elbe, wo 60000 Menschen obdachlos wurden, obwohl sie 150 Kilometer von der Küste entfernt wohnen.
Wangerooge allerdings bekam als Bollwerk des Jeverlandes die volle Wucht von „Vincinette“ zu spüren. Auch wenn die finanziellen Schäden in den meisten Fällen ausgeglichen wurden, blieb bei vielen die Urangst vor der Gewalt des Meeres fest im Unterbewusstsein verankert.
Und dieses Ereignis lehrte uns Demut vor der Natur und der Schöpfung. Damit das so bleibt, sind Jahrestage gut und wichtig, zumal die Zahl derer, die sich an die Katastrophe erinnern, immer geringer wird.
