Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Sturmflut 1962 Dorfgrodendeich auf Wangerooge bricht

Theo Kruse
Sturmflut Wangerooge 16. Februar 1962

Sturmflut Wangerooge 16. Februar 1962

Wangerooge - Schon einige Tage lang braust der Sturm über Norddeutschland hinweg. Eine Sturmflut am 12. Februar hatte schwere Schäden an Wangerooges Westdeckwerk angerichtet. Das Orkantief „Vincinette“ gewinnt immer mehr an Zerstörungskraft. Als am Freitag, 16. Februar, zum Zeitpunkt der Nachmittags-Ebbe das Wasser bereits so hoch stand wie bei normalem Hochwasser, ahnen die Inselbewohner, dass es schlimm wird.

Zwei Stunden vor Hochwasser sollen die Deichwachen ihre Posten beziehen, aber da schwappen schon die Wellen über den Dorfgrodendeich.

Ab 20.20 Uhr Alarm

Um 20.20 Uhr heulen die Sirenen auf der Insel pausenlos: Katastrophenalarm. In den Häusern der Siedlerstraße wird Hausrat ins Dachgeschoss geschafft; manche Bewohner sitzen noch ahnungslos vorm Schwarzweißfernseher und gucken amüsiert „Familie Hesselbach“, während die See bereits an der Türschwelle leckt. Um 20.40 Uhr strömt das Wasser ungehindert durch ein Loch im Deich und überschwemmt den Dorf- und Ostgroden. Anschließend sucht sich die salzige Flut Wege in die tiefer gelegenen Teile des Ortes – die Häuser im Karree, den Rosengarten. Das apokalyptische Bild der Sintflut wird von einem fast vollen Mond beschienen.

Deckwerk in Trümmern

Das ganze Ausmaß der Schäden wird erst bei Tageslicht sichtbar. Im Westen liegt das Deckwerk in Trümmern. Dort wo heute der neue Leuchtturm steht, ist die Dünenkette beinahe durchbrochen. Gemeinde- und Kurdirektor Willy Boberg sucht bei der Bundeswehr um Hilfe für die Insel nach.

Am Sonntag, 18. Februar, landen „Bananenhubschrauber“ mit 350 Soldaten. Auf dem Rückflug werden Kurkinder aus dem Bremer Heim evakuiert. Wangerooge wird zum Notstandsgebiet erklärt: Alle männlichen Bewohner der Insel sind zum Arbeitseinsatz verpflichtet.

Panorama Wangerooge nach der Sturmflut 16. februar 1962; Archiv Theo Kruse

Panorama Wangerooge nach der Sturmflut 16. februar 1962; Archiv Theo Kruse

Anfang März ist der gröbste Unrat beseitigt, viele Schäden provisorisch behoben und die Deichbruchstelle mit Sandsäcken gesichert. Am 6. März verlässt eine Panzerkompanie aus Braunschweig die Insel; sie hatte die ersten Einsatzkräfte aus Munsterlager abgelöst. Eine Spendenaktion im Verwaltungsbezirk Oldenburg beweist die enorme Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. In der ersten Sitzung des Kuratoriums am 15. März werden der Gemeinde Wangerooge 14 000 Mark bewilligt. Viele Familien haben Hab und Gut und die Existenz verloren.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Wird als erste Zeugin im Untersuchungsausschuss angehört: Finanz-Staatssekretärin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne)

SITZUNG MEHRFACH UNTERBROCHEN Untersuchung zur Beförderung in Weils Staatskanzlei beginnt mit Eklat

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Meinung
Am 3. Mai ist Tag der Pressefreiheit.

TAG DER PRESSEFREIHEIT Vom Glück, in einem freien Land zu leben

Ulrich Schönborn
Oldenburg
Auf Borkum wurden Ende April rund 20 Säcke mit bislang unbekanntem Inhalt angeschwemmt.

WAS WURDE ANGESCHWEMMT? Borkumer Drogenfund bleibt ein Rätsel

Axel Pries
Borkum
Symbolbild

UNFALL IN OLDENBURG Angetrunkener Radfahrer von Auto erfasst – schwer verletzt

Oldenburg
Symbolbild

TÖDLICHER UNFALL IN FRIESLAND Autofahrer erfasst mit Pkw 64-jährige Pedelecfahrerin

Jeversches Wochenblatt
Varel